12.09.2016, 14:30 Uhr

Von Bauern, Digitalisierung und Trivadis

Wie selbstverständlich war die digitale Transformation das grosse Thema am «TechEvent» von Trivadis. Die Digitalisierung ist allerdings mehr als Disruption, weiss der IT-Dienstleister.
Die digitale Transformation hat die Schweizer Wirtschaft erfasst. Die über 600 Gäste wollten am «TechEvent» von Trivadis in Regensdorf erfahren, wie sie ihr Geschäft für die digitale Zukunft trimmen können. Trivadis-CEO Christoph Höinghaus bezeichnete die Cloud in seiner Eröffnungsrede zwar als wesentlichen Bestandteil der Transformation. 
Gleichzeitig wusste er aber auch die Jobängste der IT-Abteilungen zu beruhigen. «Ich glaube nicht daran, dass in den nächsten Jahren die traditionelle IT komplett verschwindet und alles in die Cloud ausgelagert wird», sagte er. Vielmehr werde es beide Welten weiterhin geben. Die Informatik im Haus sei vielmehr ein absolutes Muss. «Projekte zur digitalen Transformation scheitern meistens an der fehlenden technologischen Kompetenz», so Höinghaus. Damit behalte die IT ihre Existenzberechtigung.  Dem Trivadis-Partner Oracle dürfte Höinghaus' Einsichten nur teilweise gefallen, trommelt der US-Konzern doch seit Jahren für die Cloud. So auch der Schweizer Country Manager Hanspeter Kipfer am «TechEvent». Er machte aber deutlich, dass alle Cloud-Lösungen von Oracle auch im lokalen Rechenzentrum installiert werden können. So könne jedes Unternehmen seine eigene digitale Transformation schaffen – ohne Ausnahme. «Die digitale Transformation ist real, sie findet heute statt und alle Branchen sowie Geografien sind gefordert», sagte Kipfer. Der fundamentale Unterschied zur Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts betreffe die Digitalisierung allerdings auch das Privatleben, zum Beispiel durch das allgegenwärtige Internet und die Mobilität. 

Unternehmen und die Bauern 

Das Auswerten und Anwenden von Daten bezeichnete Yvonne Bettkober von Microsoft Schweiz als einen entscheidenden Faktor bei der digitalen Transformation. Sie wusste, dass Unternehmen das Potenzial heute noch nicht ausschöpfen. Vielmehr würden nur 12 Prozent der Firmen die Daten gezielt für das Geschäft nutzen. «Die Konzerne sind vergleichbar mit einem Bauer, der weiss, dass er ein Feld besitzt. Er weiss aber weder wo es liegt, wie gross es ist noch was dort gepflanzt werden könnte», sagte die Director Small and Midmarket Solutions & Partners bei Microsoft Schweiz. 
Mit Lösungen aus Redmond könnten sich der Bauer und auch die Schweizer Unternehmen Möglichkeiten erschliessen, um aus den vorhandenen Daten Profit zu schlagen, warb Bettkober. Ein Kunde aus der Industrie hätte die Chance bereits genutzt: Der Schweizer Hersteller rüstet alle Matratzen mit Sensoren aus, berichtete sie. Hotels könnten anhand der Daten den Verschleiss bestimmen, indem sie auslesen, wie häufig eine Matratze benutzt wird. Aber auch weitere Auswertungsmöglichkeiten seien denkbar, schmunzelte Bettkober. Nächste Seite: endlich Aufmerksamkeit Die positiven Einflüsse der Digitalisierung auf die Unternehmens-IT betonte an dem Anlass der Strategieberater Sascha Lobo: «Die Informatik wird Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten endlich ernst genommen.» Sei die IT bis anhin lediglich eine von vielen Dienstleistungsabteilungen in Firmen gewesen, komme ihr neu die Rolle des Treibers von Innovation zu. Allerdings müssten die Verantwortlichen streng abwägen, welche Effekte der Digitalisierung sie realisieren wollten. Nicht alles, was mit moderner IT machbar sei, ist im Sinne des Geschäftserfolges und der Unternehmenskultur, mahnte Lobo.
Die digitale Transformation stellt Lobos Landsleute aus Deutschland und auch die Schweiz vor eine besondere kulturelle Herausforderung. Die Länder hätten gemeinsam, dass die Toleranz von Fehlern nicht besonders ausgeprägt sei. Genau diese Kompetenz ist in den Digitalisierungsprojekten aber wesentlich, sagte der Berater. «Unternehmen müssen den schnellen Wandel leben, strategische Experimente lancieren und eine neue Fehlerkultur lernen», zählte er auf. Ein Merkmal des Experiments sei, dass es auch scheitern könne. Im Geschäft – sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland – sei das Scheitern heute aber eher ein Grund für die Entlassung als für eine Beförderung. Computerworld war Medienpartner des «TechEvents» von Trivadis.


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