02.10.2008, 16:20 Uhr

Gewinner und Verlierer der Krise

Die gegenwärtige Finanzkrise hat Gewinner und Verlierer in Sachen Hightech. So dürfte Business Intelligence unter der derzeitigen Situation leiden, während Cloud Computing profitieren könnte.
Derzeit werden die Finanzinstitute arg durchgeschüttelt. Von der Krise betroffen ist aber auch die Hightech-Industrie. Schliesslich gehören Banken zu den Hauptabnehmern von IT-Produkten und -Dienstleistungen.
Es gibt dabei Techniken, die von der derzeitigen Krise besonders betroffen sind. Zu ihnen gehören etwa Business Intelligence und Datenanalyse. Dies behaupten zumindest Marktbeobachter. Denn ihnen zufolge sind es vor allem die Geldinstitute, die diese Techniken bislang nachgefragt haben. "Bleibt deren Nachfrage aus, könnte dies die entsprechendenden Anbieter in Mitleidenschaft ziehen. Dies wiederum hat zur Folge, dass kaum noch Geld da ist, um in Sachen Business Intelligence ernsthaft zu forschen und die Produkte entsprechend weiterzuentwickeln", meint etwa Vivek Mehtra vom US-IT-Dienstleister Keane.
Die entsprechenden Anbieter müssten also ihre Technik auch Unternehmen aus anderen Branchen schmackhaft machen, ist Mehtra überzeugt. Für diese war nämlich Business Intelligence bis anhin ein schönes Extra, aber keine essentielle, geschäftskritische Applikation.

Ein Profiteur: Cloud-Computing

Diverse Faktoren sprechen dagegen dafür, dass Cloud-Computing von der derzeitigen Finanzkrise profitieren könnte. So fallen beim Mieten von Rechenkapazität bei einem zentralen Rechenzentrum die Anschaffungskosten für die Hardware weg. Und da derzeit die Cash-Reservern vieler Firmen, nicht nur der Finanzinstitute gegen Null tendieren, dürfte dies der Rechnerei in der "Wolke" nützen. "Wir gehen davon aus, dass die Firmen in naher Zukunft vermehrt die Option Cloud-Computing in Betracht ziehen", meint beispielsweise Ken McGee von der Marktforschungsfirma Gartner. Firmen würden zwar noch nicht ihre gesamte IT in die "Wolke" zügeln, so der Gartner-Mann, aber Dienstleistungen wie Mietsoftware dürften vermehrt nachgefragt werden.
"Unsere Auftragbücher sind voll, gerade weil derzeit eine Rezession im Anmarsch ist", kommentiert John Girand, CEO von Clickabilty, die ein Content-Management-System als SaaS (Software as a Service) anbietet, und bestätigt damit die Aussage von McGee.
Dass in der Cloud-Szene Aufbruchstimmung herrscht war denn auch diese Woche zu spüren. So kündigte IBM an, vier neue Rechenzentren für Cloud-Computing-Zwecke zu errichten. Zudem hat Oracle erklärt, ihre Datenbank und weitere Applikationen über Amazons Elastic Compute Cloud (EC2) anzubieten. Und selbst Microsoft-Chef Steve Ballmer schwadroniert von einem "Windows Cloud", das die Redmonder in Kürze vorzustellen gedenken.


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