Kosten von rund 500 Millionen Euro 18.07.2018, 12:00 Uhr

Lidl zieht bei millionenschwerem SAP-Projekt die Reissleine

Der Lebensmitteldiscounter Lidl hat die Einführung eines neuen Warenwirtschaftssystems von SAP abgeblasen. Medienberichten zufolge verschlang das nun gestoppte Projekt rund 500 Millionen Euro.
(Quelle: Lidl )
Sieben Jahre lang soll Lidl an der Einführung eines neuen Warenwirtschaftssystems gearbeitet haben. Eine neue Software namens «Elwis» (elektronisches Lidl-Warenwirtschaftsinformationssystem), die auf dem SAP-Paket Retail basiert, sollte das aktuelle System ablösen – so der Plan.
Wie «Heise» berichtet, hat der Vorstand des Lebensmitteldiscounters nun beschlossen, das Projekt zu stoppen. Mit Elwis seien «die ursprünglich definierten strategischen Ziele nicht mit vertretbarem Aufwand» erreichbar, liess dieser die Mitarbeitenden in einem Schreiben wissen, welches der «Heilbronner Stimme» vorliegt. Stattdessen solle nun die hauseigene Software «Wawi», die bis anhin verwendet wurde, weiterentwickelt werden. In einer offiziellen Mitteilung schrieb Lidl, dass dieser Schritt «keine Entscheidung gegen SAP, sondern für ein eigenes System» sei. In anderen Bereichen wolle das Unternehmen weiterhin mit dem Software-Konzern arbeiten.
Am Projekt sei neben Lidl und SAP auch die Unternehmensberatung KPS Consulting als Implementierungspartner beteiligt gewesen. Weil die neue Anwendung in aufwändiger Arbeit an die Bedürfnisse des Discounters angepasst werden musste, fielen gemäss dem Bericht nebst den Kosten für die Softwareimplementierung auch hohe Entwicklungskosten an. Über die sieben Jahre hinweg soll das Projekt somit rund 500 Millionen Euro verschlungen haben.
Immerhin konnte Lidl das neue System in kleineren Filialen in Österreich, Nordirland und den USA einführen. Für umsatzstärkere Länder taugt dieses aber offenbar nicht, wie sich während der Implementierung zeigte. Anders ist es hingegen Konkurrent Aldi ergangen: Dieser stellte 2016 sein Warenwirtschaftssystem nach einjähriger Projektzeit erfolgreich auf die Retail-Lösung von SAP um.


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