05.03.2015, 11:07 Uhr

Unternehmen im BI-Dilemma

Business Intelligence ist in den Unternehmen angekommen. Die meisten BI-Projekte kämpfen allerdings nach wie vor mit den üblichen Daten-, Personen- und Technologie-bezogenen Problemen.
«Die Datenqualität ist in den Unternehmen angekommen», Herbert Stauffer, Geschäftsführer BARC Schweiz
(Foto: CW/Susann Klossek)
Das Thema Business Intelligence (BI) ist in den Unternehmen angekommen. Das ist das Résumé der von Vereon und BARC durchgeführten Jahrestagung der «Business Intelligence Agenda 2015». Rund 120 Teilnehmer aus Unternehmen verschiedenster Branchen verschafften sich einen Überblick zu Trends und Marktsituation rund um die Themen BI, Big Data Analytics und Date Driven Enterprises.

Auch wenn Business Intelligence vielerorts bereits im Einsatz ist, befinden sich die Unternehmen dennoch häufig noch im IT- und BI-Dilemma, sagt Herbert Stauffer, Geschäftsführer von BARC Schweiz. Dann nämlich, wenn aktuelle Problemfelder wie Fragen zu Stabilität, Sicherheit, Kapazität und Komfort-Erwartungen der Anwender auf neue Herausforderungen wie Big Data, Realtime, Cloud und Flexibilität treffen.

Der Wert der Daten

Getrieben durch die Metatrends Digitalisierung und Consumerisation sind Unternehmen gut beraten, sich eine BI-Strategie zurechtzulegen, was mit der Marktreife, die BI mittlerweile erreicht habe, schon in vielen Fällen geschehen ist. Viele Entscheidungsträger entdecken derzeit den (tatsächlichen) Wert von Daten und Informationen für den Unternehmenserfolg: «Das Thema Datenqualität ist in den Unternehmen angekommen», sagt Stauffer, «wir sehen eine hohe Bereitschaft, Geld in die Verbesserung der Datenqualität zu investieren.» Der Trend geht in Richtung Prozessanalyse, so Stauffer. So seien viele Unternehmen bis dato eher mengenorientiert vorgegangen, orientieren sich aber mittlerweile in Richtung qualitative Kennzahlen.

Stauffer erkennt ganz klar ein wachsendes Interesse und eine «Early Mover Akzeptanz» hinsichtlich Themen wie Big Data Analytics und -Management, Predictive Analytics, Collaborative und Search BI, Streaming/Realtime Analytics, Self Service Data Management, Saas und Cloud für BI sowie Spark.

Heiss diskutiert werden zudem derzeit Bereiche mit breiter Relevanz wie Self Service BI, Visual Analysis & Data Recovery, Advanced Planning, Hadoop, analytische Datenbanken sowie In-Memory Computing. Natürlich spielen Themen wie integrierte Plattformen für BI und Performance Management, Spatial Intelligence, Mobile BI, Stammdaten- und Datenqualitätsmanagement sowie Data Integration nach wie vor eine Rolle, auch wenn BARC sie nicht mehr zu den Hype-Themen rechnet. Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wie sich der BI-Markt verändert

Bremsklötze und Investitionen

Stolpersteine sieht Stauffer vor allem hinsichtlich veralteten Datenschutzgesetzen: «In diesen Regelungen wird zum Teil noch von Disketten gesprochen und Cloud Computing oder Virtualisierung beispielsweise ist in den Gesetzen noch gar nicht angekommen.» Auch der Fachkräftemangel bereitet vielen Unternehmen nach wie vor Kopfzerbrechen. Vor allem Data Scientist fehlen am Markt.
 
Generell kann Stauffer auf dem BI-Markt grosse Veränderungen feststellen. So ändern sich die Geschäftsmodelle der IT-Anbieter und werden Portfolios aufgestockt, was sich auch an der Zunahme von Akquisitionen äussert: Allein zwischen Dezember 2014 und Februar 2015 gab es sechs grosse Übernahmen. Unter anderem hat Microsoft das Unternehmen Revolution Analytics, einen der führenden Anbieter von Software und Services für die Programmiersprache R übernommen. R ist die am häufigsten benutzte Programmiersprache für statistisches Rechnen und Predictive Analytics. Im Februar hat Hitachi Data Systems zudem angekündigt die Firma Pentaho für 500 Millionen US-Dollar kaufen zu wollen. Pentaho ist führend im Bereich Big-Data-Integrations- und Business-Analytics-Lösungen mit einer Open-Source- Plattform für eine grosse Bandbreite an Big-Data-Implementierungen.

Auch investiert wird kräftig. So erhielten die drei Analytic- und Data-Mining-Spezialisten BlueYonder, Neo Technology und RapidMiner in den vergangen drei Monaten Finanzspritzen in einer Gesamthöhe von 110 Millionen US-Dollar. Nächste Seite: Nutzen in der Praxis

Nutzen von BI

Der Hauptnutzen von Business Intelligence liegt für die Anwender in der schnelleren und präziseren Analyse ihrer Daten und im besserem Reporting. Und es macht ihr Unternehmen kompetitiver (siehe auch BARC BI Survey 2014; Computerworld berichtete). Probleme sehen sie vor allem hinsichtlich Datenmigration, fehlender Ressourcen im Projektteam sowie aufgrund unklarer Anforderungen.

In diversen Praxisbeispielen erläuterten Vertreter von Anwenderfirmen ihre Erfahrungen bei der Einführung einer BI-Lösung. «Wir hatten zu viele Beteiligte in der Konzeptphase», resümiert beispielsweise Silvan Becchio, Controller bei der Zürcher Hochschule der Künste. Auch die Abstimmung zwischen Konzept- und Umsetzungsphase lief nicht optimal. Als besonders wichtig erachtet Becchio, dass der Software- und Implementierungspartner sowohl über System- als auch über Finanz-Know-how verfügte. Und Roger Leimer, Leiter Controlling bei der Ferrum AG fügt an: «Ich empfehle jedem vor der Evaluation einer Lösung sich diese live bei einem Referenzkunden anzuschauen.» Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wie sich Big Data entwickelt

Entwicklung von Big Data

Zum Nutzen von Big Data sagte Patrick Keller, Senior Analyst BARC, dass der wahre Nutzen dann entstehe, wenn Erkenntnisse aus der Analytik dazu verwendet werden, die Kerngeschäftsprozesse zu optimieren. Im Zuge dessen gewinnt die Schnelligkeit, Verarbeitung von Daten in Real/Neartime, zunehmend an Bedeutung. Big Data war ursprünglich eher technisch und damit IT-getrieben, sagt Keller, viele Unternehmen könnten sich aufgrund dieser Tatsache nicht mit Big Data identifizieren. «Wir haben keine grossen Datenmengen». Zudem sei am Markt zu beobachten, dass sich Big Data heute mehr hin zum fachlichen Thema entwickelt und Fragen stellt nach «Was will ich damit machen?» und «Wo will ich hin?» Der Nutzen wird also zunehmend erkannt, anstatt nur auf die Technologie zu schauen. «Mit diesem neuen Fokus erfährt Big Data höhere fachliche und damit auch strategische Relevanz», so Keller.

Die Business Intelligence Agenda 2016 findet am 7. und 8. März 2016 im Marriott Hotel Zürich statt.


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