Swiss IT Conference 18.04.2013, 13:44 Uhr

Auf zur «3. Plattform»

Die Swiss IT Conference stand ganz im Zeichen von Mobility, Sicherheit und dem verändertem Anspruch an die IT-Abteilung. Die rund 100 anwesenden Gästen verbrachten einen kurzweiligen Tag im Ballsaal des Dolder Grand in Zürich
Der gut besetzte Ballsaal im Dolder Grand.
Wohin geht die Reise der IT-Abteilungen, was sind die Trends und welche alten Zöpfe sollte man langsam abschneiden? Diesen Fragen ging die bereits zum fünften Mal stattfindenden Swiss IT Conference auf die Spur.

Trend 1: Das Business gibt den IT-Abteilungen den Takt vor

Nachdem Hansjörg Honegger, Chefredaktor der Computerworld, die Gäste im Ballsaal des Dolder Grand begrüsst hatte, rüttelte Crawford del Prete, Chefanalyst von IDC, die anwesenden IT-Entscheider definitiv wach. Er prophezeite ihnen nämlich, dass das Selbstverständnis der IT-Abteilung, so wie es in den letzten Jahren oder gar zwei letzten Jahrzehnten definiert war, langsam aber sicher in die Geschichtsbücher gehöre. «Die IT-Abteilung wird zunehmends vom Herzschlag der Lines of Business bestimmt». Der CIO mit technischem Hintergrund, der prozessorientiert seine Abteilung verwaltet ist ein Auslaufmodell. Die dritte Plattform (3rd Platform) bestimmt die Zukunft. Dabei geht es darum, dass die IT der Treiber für das Business sein soll, mit den neuen Möglichkeiten, die sich aus Cloud-Computing, Mobility und Spielformen etablierter Geschäftsmodellen gebe.
Der operationelle CIO wird zunehmends von einem Chief Innovation Officer abgelöst der sich vornehmlich mit Geschäftsprozessen, Ressourcen und Analysen beschäftigen wird. Trotzdem werden nur die Firmen Erfolg haben, die auf die richtigen Services und Systeme setzt, gab del Prete den Anwesenden mit auf den Weg.

Trend 2: IT-Infrastruktur schützen

IT- und Netzwerk-Sicherheit wird ein immer grösseres Thema. Dies, weil durch die Smartphones und die vielen Web-Applikationen die Angriffsvektoren massiv ausgeweitet wurden und dadurch die Cyberkriminellen einfacher an ihre Beute kommen. Eine regelrechte Industrie hat sich ausgebreitet, sagte René Bodmer, vom Sicherheitsanbieter Kaspersky. Thierry Karsenti von Checkpoint Software zeigte in einer erfrischenden Präsentation auf, wie sich die Hacker am ehesten Zugang zu Netzwerken verschaffen können. Und man staunt oft, wie einfach es ist, den Faktor Mensch zu missbrauchen. Achim Kraus von Palo Alto Networks meinte demnach in einer beinahe defaitistischen Art «Angegriffen werden sie auf jeden Fall, da gibt es keine Zweifel - finden Sie sich damit ab». Alle drei Speakers waren sich jedoch einig, dass eine gute Balance gefunden werden muss zwischen dem Schutz der Infrastruktur und der Produktivität der Mitarbeiter. Redete man vor zwei Jahren noch von Bring your Own Device scheint sich der Trend zusehends Richtung Choose Your Own Device (CYOD) zu bewegen, was für die verantwortlichen Security-Manager einfacher zu handhaben ist. Auf der nächsten Seite: Was passiert beim Konkurs des Cloud-Anbieters?

Trend 3: Big Data & Mobility

Wenn von Trends gesprochen wird, dann darf natürlich ein Thema nicht fehlen: Big Data. Wolfgang Schwab von SAS konnte mit einem launischen Vortrag allenfalls gewisse Zweifler am Nutzwert von Big Data besänftigen. Immerhin gaben über 50% der Teilnehmer an der Swiss IT Studie an, dass sie nicht wüssten, welchen Nutzen sie von Big Data erwarten können (weitere ausführliche Resultate und Zahlen zum IT-Markt Schweiz finden Sie bei IDG Analytics). Schwab brachte aber auf eine lustvolle Art die Möglichkeiten der Analyse von grossen Datenbeständen den Teilnehmern näher. Auch Stephan Sieber, Managing Director von SAP Schweiz nahm die Gelegenheit wahr, sich nochmals für die In-Memory Technologie SAP Hana stark zu machen. Beide Anbieter, SAP und SAS scheinen für die mobile Zukunft gewappnet und bieten Apps und Dashboards für mobile Devices an. «Wir wollen, dass Ihre Verkäufer relevante Zahlen jederzeit und sofort bei den Kunden abrufen können» schloss Sieber seinen Vortrag.

Aufgepasst bei Cloud-Verträgen

Was gibt es bei Cloud-Verträgen zu beachten? Dieser Fragen gingen Leonz Meyer und Damian Müller von der Eversheds AG auf den Grund. Nach einer eher länglichen Einführung zu Cloud Computing ging es aber ans Eingemachte. So beleuchteten die zwei Juristen wichtige Punkte bei der Ausgestaltung von Cloud-Verträgen (z. B. Datensicherheit, Datenschutz und Wartung). Interessant wurde es aber bei der Frage, was eigentlich bei einem Konkurs des Providers mit den Daten geschieht. Meyer / Müller kommen auf Grund der bestehenden Gesetze zum Schluss, dass Daten keinen körperlichen Gegenstand darstellen und und somit der Urheber der Daten keinen Anspruch auf die Herausgabe der derselbigen hat. Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter und meinen, dass die Daten im Sinne der Verwertung von Aktiven (Art. 252 SchKG) unter Umständen sogar verkauft werden dürfen. Daher empfehlen Sie grundsätzlich keine Auslagerung von sensitiven Daten, eine eingehende Prüfung des (ausländischen) Vertragspartners, ein Leistungsverzeichnis und vertragliche Vorkehrungen für den Fall der Beendigung oder einen Konkurses.

Gelungene Veranstaltung

Gareth Kelly, Conference Director von IDC war am Ende der Veranstaltung sichtlich zufrieden, trotz der Absage von UBS IT-Schweiz-Chef Stefan Arn. «Bei Führungskräften in solchen wichtigen Positionen kann immer etwas dazwischenkommen» sagt Kelly, den es besonders freute, dass die Teilnehmerzahl gegenüber der letzten Konferenz gesteigert werden konnte. Doch auch die Qualität der Vorträge hat zugenommen. «Eine klare qualitative Steigerung gegenüber der letzten Swiss IT Conference» schien er ausgemacht zu haben. Auch die Besucher schienen von der Qualität angetan, der berühmte Nachmittagseffekt mit sich lichtenden Zuschauerreihen blieb aus.


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