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Lesedauer 5 Min.

Token, Tempo & Transparenz

KI ist in der Softwareentwicklung angekommen. Entsprechend hat sich der Token-Verbrauch innert kurzer Zeit vervielfacht. Diese Entwicklung führt zu einer Frage, die sich derzeit die ganze Branche stellt: Wer trägt künftig die Kosten für generative KI im Projektgeschäft und wie verändert das die Preismodelle?
© adesso Schweiz AG

Generative KI ist bei adesso längst kein Experimentierfeld mehr, sondern fester Bestandteil unserer Softwareentwicklung und Projektarbeit. Damit hat sich auch unsere Kostenlogik verändert: Tokens – jene Recheneinheiten, mit denen KI-Modelle Sprache und Code verarbeiten – sind ein neuer, stetig wachsender Kostenblock geworden. 

Token-Verbrauch als relevanter Budgetposten

Die Zahlen sprechen für sich: Unser Token-Verbrauch hat sich in kurzer Zeit ungefähr verhundertfacht. Was vor einem Jahr noch praktisch kein Thema war, ist heute ein relevanter Budgetfaktor. Der Auslöser ist die rasante technologische Entwicklung in den letzten Monaten. Diese ermöglicht das sogenannte «Agentic Engineering»: KI-Systeme, die grössere Teile der Softwareentwicklung eigenständig übernehmen. Zwar sind die Token-Preise durch neue Open-Source-Modelle tendenziell unter Druck, doch die stark steigende Nutzung überkompensiert diesen Effekt. Es braucht deshalb eine saubere und transparente Weiterverrechnungslogik.

Das neue Preismodell: Treibstoff und Maschine

Um diese Kostenlogik greifbar zu machen, ­arbeiten wir mit einem einfachen Bild: Auf der einen Seite stehen variable Kosten pro Nutzung: Die Tokens, gewissermassen der Treibstoff. Auf der anderen Seite stehen fixe Kosten für Plattform, Modelle und Methodik: unsere Maschine. Eingebettet in ein transparentes Preismodell werden künftig sowohl der Treibstoff als auch die Maschine eingepreist.
Unser Idealbild ist klar: Nicht Stunden und Tokens sollen abgerechnet werden, sondern der Geschäftsnutzen einer Lösung. Wenn eine neue Software-Lösung einer Kundenorganisation nachweislich Millionen an Effizienzgewinn bringt, sollte sich der Preis daran orientieren, nicht an der Zahl der verbrauchten Tokens oder geleisteten Stunden.

Doch die Realität ist komplexer: Die richtige Preisfindung hängt stark davon ab, wie reif eine Kundenorganisation im Umgang mit KI bereits ist und wie gut sich der Nutzen im Vorfeld beziffern lässt. Mehr Value-based Pricing bleibt das Ziel. Aktuell arbeiten wir mehrheitlich noch nach fixen Preispunkten, gerade bei initialen Projekten mit Neukunden. Unser Anspruch ist es, diesen Weg gemeinsam mit unseren Kunden zu gehen und offen zu kommunizieren, wer welches Risiko trägt. Wichtig zu betonen ist, dass beide Modelle – also sowohl Fixed Price als auch Time & Material – in der Zukunft parallel ihre Berechtigung haben werden. 

Flexibilität statt Lock-in dank adSCAILE

Mit dem adesso AI Hub und adSCAILE verfügen wir über eine eigene KI-Infrastruktur für kommerzielle wie auch Open-Source-Modelle. Das erlaubt uns, Workloads gezielt zu verlagern, Kosten zu optimieren und technische Abhängigkeiten zu reduzieren. Wir können dabei zwischen verschiedenen Modellen wechseln. Das schützt uns und unsere Kunden vor Kostenexplosionen und Lock-in-Effekten. Genau das unterscheidet uns von Anbietern, die auf ein einziges Modell setzen.

Für den Schweizer Markt kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Datenschutz und Souveränität sind für viele unserer Kunden eine zentrale Anforderung, insbesondere in stark regulierten Branchen wie etwa in der Finanz- und Pharmaindustrie sowie in der öffentlichen Verwaltung. Eine eigene Infrastruktur und die Option auf in der Schweiz betriebene Modelle sind dabei ein entscheidender Faktor bezüglich Compliance und Digitaler Souveränität.

Wachstum durch Produktivität, höheres Tempo durch KI

Strategisch verfolgen wir bei adesso einen klaren Anspruch: Umsatzwachstum soll künftig stärker über Effizienz- und Wertsteigerung entstehen als primär über zusätzliche Mitarbeitende. Generative KI ist dafür ein wichtiger Hebel: Sie ermöglicht uns, mehr neue Projekte rascher zu realisieren und gemeinsam mit unseren Kunden Modernisierungs- und Legacy-Vorhaben wirtschaftlich umzusetzen, die bisher nicht denkbar waren.

Zugleich wollen wir weiterhin stark in den IT-Nachwuchs investieren: Unsere Fix- und Value-based-Modelle schaffen Raum für Ausbildung, Mentoring und die Integration neuer Talente. Dies ist ein Anliegen, das für uns wirtschaftlich wie gesellschaftlich relevant ist. Die dabei anfallenden Token-Kosten betrachten wir bewusst als Teil unseres Leistungsversprechens und integrieren sie transparent in unsere Geschäftsmodelle, statt sie zu verstecken.

Auch nach Innen hat diese Entwicklung Konsequenzen: Wir haben unsere Mitarbeitenden etwa dazu gebrieft, ob, wann und wie sie welche KI-Tools einsetzen. So verbraucht etwa ein leistungsstarkes Modell wie Opus im Vergleich zu einem schlankeren Modell wie Haiku rund fünfzehnmal mehr Tokens.

Grundlegende Veränderung in der Softwareentwicklung

Künstliche Intelligenz verändert die Kosten- und Erlöslogik im IT-Projektgeschäft grundlegend. Bei adesso begegnen wir dieser Transformation mit einer eigenen Infrastruktur sowie neuen und transparenten Preismodellen. Die nächsten Schritte liegen für uns in der konsequenten Weiterverrechnung der Token-Kosten und im schrittweisen Übergang zu echtem Value-based Pricing – gemeinsam mit unseren Kunden. Wir sind überzeugt, dass diese Diskussion proaktiv geführt werden muss. Mit diesem Artikel möchten wir dazu einen Beitrag leisten. 

© adesso Schweiz AG

Zur Autorin

Michaela Gasser ist seit Januar 2026 CEO von adesso Schweiz. Sie startete Ihre IT-Karriere vor über 20 Jahren und ist seit 2015 bei adesso Schweiz tätig – unter anderem als Verantwortliche für die Branche Transport & Logistik, als Chief Sales Officer und als Deputy CEO. Michaela Gasser verfügt über einen Master of Science in Betriebswirtschaft der Universität Augsburg (DE). Sie ist verheiratet, Mutter von drei Söhnen und lebt im Raum Bern.

Zum Unternehmen: adesso verbindet technologische Kompetenz mit dem fachlichen Branchen-Knowhow. Die adesso Schweiz AG ist Teil der adesso Group, die mit einem Team von über 11'000 Mitarbeitenden an zahlreichen Standorten rund um die Welt täglich daran arbeitet, die Vorhaben der Kunden erfolgreich ans Ziel zu bringen.

Mehr Informationen: adesso.ch/adscaile

Dieser Beitrag wurde von der adesso Schweiz  AG zur Verfügung gestellt und stellt die Sicht des Unternehmens dar. Computerworld übernimmt für dessen Inhalt keine Verantwortung.

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