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«SCION ist kein Overlay. Es ist das bessere Internet.»

Stephan Ulrich ist Chief Sales Officer bei Cyberlink und einer der erfahrensten SCION-Experten der Schweiz. Im Interview erklärt er, warum SCION kein Add-on zum bestehenden Internet ist, wie die internationale Expansion läuft – und warum Branchen von Banken bis Gaming davon profitieren.

Ein Datenstandort in der Schweiz oder Europa bedeutet nicht automatisch, dass eine Plattform bei Bedarf einfach ersetzt werden kann.

© Shutterstock/Gorodenkoff

SCION macht Datenwege kontrollierbar, sicher und resilient. Stephan Ulrich von Cyberlink erklärt, wie die Schweizer Netzwerktechnologie international für mehr Souveränität und Verfügbarkeit sorgt.

Birthe Knoflach: Wie unterscheidet sich SCION vom heutigen Internet?

Stephan Ulrich: SCION steht für Scalability, Control and Isolation On Next-Generation Networks. SCION ist kein zusätzliches Overlay, das einfach über das bestehende Internet gelegt wird. Es kann dieselbe physische Infrastruktur nutzen – Glasfaser, Carrier-Netze und Rechenzentren –, verändert aber grundlegend, wie Daten zwischen Netzwerken ihren Weg finden. Das heutige Internet basiert beim Inter-Domain-Routing weitgehend auf BGP. SCION wurde dagegen von Beginn an mit Sicherheitsmechanismen, kontrollierbaren Pfaden und hoher Verfügbarkeit konzipiert. Das ist für mich der entscheidende Unterschied.

Knoflach: Welche Vorteile bietet SCION?

Ulrich: Ein zusätzlicher Game Changer ist die EDGE-to-EDGE Encryption. Dabei werden die Daten direkt am SCION-EDGE verschlüsselt und erst am SCION-EDGE des Zielnetzwerks wieder entschlüsselt. Dazwischen bleiben sie verschlüsselt. Besonders interessant ist das automatisierte Key Management. Damit kommen mehrere Dinge zusammen, die bisher häufig mit unterschiedlichen Technologien gelöst werden mussten: kontrollierbare Netzwerkpfade, hohe Resilienz und eine starke Verschlüsselung des Datenverkehrs.
 

Stephan Ulrich, Chief Sales Officer, Cyberlink AG. SCION-Experte und treibende Kraft hinter der internationalen Expansion des Netzwerks. www.cyberlink.ch/de/scion/scion-international

© Cyberlink AG

Knoflach: Knoflach: SCION ist in der Schweiz etabliert. Was läuft dort schon?

Ulrich: Wir haben heute mehrere spezialisierte Netzwerke für besonders kritische Branchen. Das Secure Swiss Finance Network – SSFN – verbindet Finanzinstitute des Schweizer Finanzplatzes. Das Secure Swiss Health Network – SSHN – adressiert das Gesundheitswesen. Mit dem Secure Swiss Utility Network – SSUN – wird SCION für kritische Infrastrukturen im Energiesektor eingesetzt. Und mit dem Secure EFTPOS Network – SEPN – kommt SCION auch im bargeldlosen Zahlungsverkehr zum Einsatz.

Knoflach: Ist ein internationaler Schritt geplant?

Ulrich: Ja, denn die Anforderungen unserer Kunden enden nicht an der Schweizer Grenze. Eine Schweizer Bank hat beispielsweise kritische Infrastruktur, die sie international anbinden muss. Ein Industrieunternehmen betreibt Produktionsstandorte in mehreren Ländern. Gleichzeitig liegen immer mehr geschäftskritische Anwendungen in internationalen Cloud-Infrastrukturen. Genau dort wollen wir die Vorteile von SCION verfügbar machen.

Knoflach: Was kann SCION International konkret?

Ulrich: Ein wichtiges Thema ist für mich Datensouveränität. Mit SCION kann ein Unternehmen zulässige Pfade definieren und damit wesentlich stärker kontrollieren, wo seine Daten transportiert werden. Mit EDGE-to-EDGE Encryption kommt die Vertraulichkeit und Integrität des Datenverkehrs hinzu. Die Daten werden am Ausgangs-EDGE verschlüsselt und erst am Ziel-EDGE wieder entschlüsselt. Damit kombinieren wir kontrollierte Transportpfade mit kryptografischem Schutz der übertragenen Daten. Gerade für internationale Verbindungen mit sensiblen Informationen ist diese Kombination sehr interessant.

Knoflach: Hat das auch mit Resilienz zu tun?

Ulrich: Absolut. Bei kritischen Systemen – beispielsweise in Produktion, Energieversorgung oder Zahlungsverkehr – kann bereits ein kurzer Netzwerkausfall erheblichen Schaden verursachen. SCION ermöglicht mehrere unabhängige Pfade und einen sehr schnellen Wechsel zwischen ihnen. Ein weiteres Thema ist Compliance. Regulatorische Anforderungen wie DORA oder NIS2 erhöhen den Druck auf Unternehmen, ihre digitalen Abhängigkeiten und Risiken besser zu verstehen und zu kontrollieren. SCION kann hier einen wichtigen Baustein liefern.

Knoflach: Für welche Branchen und Anwendungen ist SCION International besonders relevant?

Ulrich: An erster Stelle stehen für mich Branchen, bei denen Kommunikation geschäftskritisch ist. Das sind Finanzinstitute, Versicherungen, Zahlungsdienstleister und Produktionsstätten. Dort können Verfügbarkeit und Sicherheit der Netzwerkinfrastruktur unmittelbar geschäftsrelevant sein. Dasselbe gilt für Energieversorger und andere kritische Infrastrukturen. Ein weiterer grosser Bereich sind Cloud-Anbindungen. Und dann gibt es neue Anwendungsfelder: Remote Operationen beispielsweise, bei denen Maschinen über grosse Distanzen gesteuert werden. Auch Gaming und andere Echtzeitanwendungen sind spannend.

Knoflach: Wo kann man mehr erfahren? Wie kommt man mit euch ins Gespräch?

Ulrich: Am 27. Oktober 2026 findet der SCION Day 2026 in Zürich statt. Das ist eine sehr gute Gelegenheit, das SCION-Ökosystem aus Technologie, Forschung, Providern und Anwendern kennenzulernen. Wir von Cyberlink werden ebenfalls dabei sein und freuen uns auf den Austausch mit Unternehmen, die sich mit SCION und insbesondere internationaler SCION-Konnektivität beschäftigen.

© Cyberlink AG

Die Autorin

Birthe Knoflach, als Senior Marketing Manager bei Cyberlink verbindet Birthe Knoflach journalistisches Wissen mit Expertise in digitalen Themen.

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