Test iPhone 18 Pro: Blende auf!
Seit Jahren drehen sich die Neuerungen der iPhones in erster Linie um die Kameras – und das ist heuer nicht anders. Allerdings sind die Verbesserungen subtiler Natur und offenbaren sich vor allem jenen, die aus einer so mobilen Kamera das Letzte herausholen möchten.
Kameras und Auflösung
So sind die Sensoren und Objektive beim Ultraweitwinkel und beim Tele dieselben und verharren bei einer Auflösung von 48 Mpx. Apple hat der Hauptkamera zwar einen neuen Sensor verpasst, doch der löst weiterhin mit 48 Mpx auf und bietet bei der Bildqualität keine nennenswerten Verbesserungen, die man nicht mit der Lupe suchen müsste.
Genau wie bei den Vorgängern resultieren aus diesen drei Kameras Fotos mit maximal 24 Mpx, wenn die bestens bekannte «Fusion-Kamera» am Mixer steht: Sie schiesst gleichzeitig ein Foto mit maximalen Farb- und Helligkeitswerten mit 12 Mpx sowie eines mit 48 Mpx; anschliessend werden die Aufnahmen zu einem neuen Bild mit maximal 24 Mpx zusammengeschweisst.
Die maximale Auflösung der Hauptkamera bekommt nur, wer in RAW oder im Format «HEIF Max» fotografiert. Damit sind allerdings auch Funktionen wie das Zoomrad und andere Erleichterungen aus dem Rennen, weil dann genau solche Rechentricks nicht möglich sind.
Auch das 48‑Mpx-Tele mit 4× optischem Zoom ist dasselbe wie im Vorgänger. Die 8×-Option ist weiterhin ein Zuschnitt aus diesem Sensor, also keine zusätzliche Optik. Was man dem Tele zugutehalten muss: Die Bildstabilisierung funktioniert fantastisch. Gleichzeitig zeigt ein Mini-Bildchen in der Ecke den gewählten Ausschnitt, sodass die Übersicht trotz Tunnelblick gewahrt bleibt.
Auch die Frontkamera für Selfies ist gleichgeblieben. Ihr quadratischer Sensor löst mit 18 Mpx auf. Somit lässt sich das iPhone bequem im Hochformat halten, während die Bilder trotzdem mit echten 12 Mpx im Querformat gespeichert werden – und das ist in manchen Situationen und für Hochformat-Verweigerer einfach unbezahlbar.
Eine echte Blende
Eine Premiere bei den iPhones ist die neue Blende mit echten Lamellen, mit denen sich die Lichtmenge steuern lässt – wenigstens bis zu einem gewissen Grad. Abseits der Blendenautomatik stehen die Blenden ƒ1,48, ƒ1,8, ƒ2,8 und ƒ4 zur Verfügung. Wer die klassische Fotografie kennt, weiss, dass eine offene Blende wie ƒ1,48 zu einer grossen Öffnung führt: Sie lässt mehr Licht durch und begrenzt die Schärfentiefe, sodass sich das Motiv durch eine gepflegte Unschärfe vom Hintergrund abhebt. Umgekehrt schliesst sich die Blende bei ƒ4, lässt weniger Licht durch und vergrössert den scharfen Bereich zwischen Motiv und Hintergrund.
Die winzigen Lamellen bescheren dem iPhone zum ersten Mal eine echte Blende
Apple Inc.
Doch auch das iPhone muss sich den Spielregeln beugen. Die Blendenzahl ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen Brennweite und Öffnung. Wegen des kleinen Sensors entspricht die grösste Öffnung von ƒ1,48 umgerechnet aufs Kleinbildformat etwa ƒ5,2, die kleinste von ƒ4 etwa ƒ14. Während also ein klassisches Objektiv mit einer Lichtstärke von ƒ1,48 den Hintergrund stark verschwimmen lässt, wirkt der Effekt beim iPhone selbst bei offener Blende eher mau.
Wichtiger ist, dass die Kamera bei maximaler Offenblende rund 45 Prozent mehr Licht einfängt als das iPhone 17 Pro. Das entspricht etwa einer halben Blendenstufe – und kann im Dämmerlicht sehr wohl einen Unterschied machen.
Ein hübscher Nebeneffekt der variablen Blende sind hingegen die Blendensterne. Sie werden nicht digital ins Bild getrickst, sondern sind ein Produkt der physikalischen Eigenschaften. Während sie sich bei Offenblende rar machen, ist der Effekt bei Blende ƒ4 kaum zu übersehen.
Mehr analog im Digitalen
Die «fotografischen Stile» sind unterdessen alte Bekannte: Sie manipulieren die Farbgebung und die Anmutung noch während der Aufnahme. Ihr Debüt gaben sie bereits 2021 mit dem iPhone 13. Mit dem iPhone 16 wurden die Manipulationen ganz ans Ende der Bildverarbeitung geschoben, sodass sich die Effekte nachträglich ändern oder ganz zurücknehmen lassen.
Mit dem iPhone 18 Pro bewegt sich Apple endlich in die richtige Richtung. Die neusten fotografischen Stile sollen nicht nur die Farbgebung manipulieren, sondern den harten digitalen «iPhone-Look» brechen – und stattdessen auf eine eher analoge Filmwirkung setzen. Die Regler befinden sich in denselben Einstellungen wie die fotografischen Stile im Bereich «Textur».
Der wichtigste Schalter hört auf den Namen «Film». Die Film-Textur soll die typische Anmutung eines analogen Fotos nachbilden. Gemeint ist damit vor allem eine weichere, weniger digital wirkende Detailzeichnung, als sie die übliche iPhone-Bildverarbeitung liefert. Apple beschreibt die Texturen als Mittel, um Hautdetails weicher zu zeichnen oder einen Filmlook zu erzielen. Tatsächlich sind die Effekte zwar sichtbar, aber auch sehr subtil.
Die neuen Stilmittel helfen dabei, den «Smartphone-Look» des iPhones zu brechen
PCtipp
Über die Pro-Steuerung werden neuen Einstellungen granular wählbar, etwa die Belichtung oder der Weissabgleich
PCtippWird «Film» aktiviert, will sich auch gleich die «Körnung» zuschalten, die das Filmkorn nachahmen soll. Der Effekt ist ein dynamischer: Je schwächer das Licht, umso stärker das Korn – genau wie bei einem analogen Film. Die Ergebnisse wirken allerdings durchzogen. Das liegt daran, dass ein synthetisches, filmähnliches Korn eine Kunst für sich ist – und hier haben die Algorithmen von Apple definitiv noch Luft nach oben. Vor allem aber lässt sich der Effekt nur auscchalten, aber nicht abschwächen, sodass die Körnung oft übertrieben wirkt.
Die anderen Einstellungen hören auf die Namen «Sanfte Haut» und «Glow». Erstere zeichnet die Hautpartien weicher und reduziert feine Details wie Poren oder kleine Unebenheiten. Das Ergebnis wirkt schmeichelhafter, ohne dass das Bild insgesamt unscharf erscheint oder digital überbearbeitet wirkt. Sie eignet sich vor allem für Porträts und Nahaufnahmen von Gesichtern. «Glow» lässt hingegen helle Bildbereiche sanft in ihre Umgebung überstrahlen. Dadurch entsteht ein weicher, leicht verträumter Look, ähnlich wie bei einem Diffusionsfilter vor dem Objektiv. Besonders gut wirkt er bei Gegenlicht, Lichterketten oder Abendstimmungen.
Alle drei Effekte – «Glow», «Sanfte Haut» und «Film» – lassen sich nur einzeln zuschalten, eine Kombo ist nicht möglich. Nur das Korn passt für alle drei. Doch die Entscheidung für einen Effekt gestaltet sich einfach, denn alle lassen sich nach der Aufnahme verlustfrei ändern oder ganz abwaschen. Was hingegen nicht geht: Bilder aus einem älteren iPhone-Modell mit diesen Effekten nachträglich zu bestücken.
Die Pro-Steuerung
Und dann ist da noch die Pro-Steuerung. Zwar haben es die neuen, flexiblen Bedienelemente auf alle iPhones mit iOS 27 geschafft – aber einige Einstellungen bleiben dem iPhone 18 Pro vorbehalten. So lassen sich Blende, Verschlusszeit und Weissabgleich direkt in der Kamera-App einstellen. Ein Histogramm hilft ausserdem dabei, die Belichtung einzuschätzen. Die Grenzen sind aus der klassischen Fotografie bekannt: Eine Verschlusszeit von 1/60 sorgt bei Tag bereits für eine Überbelichtung; in diesem Fall hilft nur ein ND- oder Graufilter.
Was hingegen allen iPhones offensteht, ist die freie Anordnung der Bedienelemente am oberen Displayrand, wo sie sich hinzufügen, entfernen oder komplett tilgen lassen.
Das Referenzbild
Wenn Bilder heute schneller gefälscht als fotografiert sind, stellt sich die Frage, ob man seinen eigenen Augen noch trauen darf. Apple antwortet darauf mit dem neuen Modus «Referenzbild»: Ist er aktiviert, signiert der Sensor der Hauptkamera die Bilddaten kryptografisch im Moment der Aufnahme – also bevor die Bildverarbeitung auch nur einen Pixel anfasst. Neben dem regulären Foto entsteht so eine unberührte Referenzkopie, die Apple mit einem digitalen Negativ vergleicht. Die Absicht dahinter ist nicht, dass ein verschwundener Pickel auf der Nase überführt wird, sondern zielt eher in Richtung Forensik ab, wenn Fotos als Beweismittel herhalten sollen.
Die Funktion «Referenzbild» wird in den Einstellungen mit zwei Tipps aktiviert; danach steht die Funktion in der Kamera-App zur Verfügung
PCtippWer später wissen will, ob ein Bild retuschiert oder mit KI aufgehübscht wurde, vergleicht die beiden Fassungen. Allerdings funktioniert das nur mit der Hauptkamera; Ultraweitwinkel und Tele bleiben aussen vor, ebenso alle bereits geschossenen Fotos. Die Funktion ist in der Schweiz vollumfänglich verfügbar. In der EU lassen sich Referenzbilder zwar öffnen und prüfen, aber nicht erstellen. Gut gemeint ist eben nicht überall erlaubt.
Videos
Bei den Videos sind die Neuerungen überschaubar, aber das soll nicht weiter verwundern. In diesem Bereich gibt Apple unter allen Smartphone-Herstellern seit jeher den Ton an.
Zeitraffer. Die Zeitraffer werden jetzt in 4K mit Dolby Vision aufgezeichnet. Das führt zu mehr Details und zu einem grösseren Kontrastumfang.
Fokusverfolgung. Neu ist ausserdem die intelligente Fokusverfolgung für Fotos und Videos, um die tollenden Kinder und ähnliche Motive scharf zu halten. Ausserdem wurde die Qualität der Videos bei 1080p-Aufnahmen bei schwachem Licht verbessert.
Kinomodus. Der Kinomodus wurde deutlich aufgewertet. Wenn er aktiviert ist, zeichnet das iPhone zusätzlich zum Filmmaterial auch eine Tiefenkarte auf, die es möglich macht, den Fokus in der Nachbearbeitung zu verlagern – etwa in Final Cut Pro oder in iMovie. Bei seiner Einführung mit dem iPhone 13 funktionierte das nur mit 1080p und 30 fps. Danach waren es bis zum iPhone 17 Pro auch 4K-Filme mit bis zu 30 fps.
Nun werden die Grenzen weiter verschoben, indem das iPhone 18 Pro in 4K mit bis zu 60 fps filmt. Viel wichtiger ist jedoch, dass sich die Schärfe auch bei Videos verlagern lässt, die nicht im Kinomodus, sondern als regulärer Film aufgezeichnet wurden. Der Effekt lässt sich auch ohne iMovie oder Final Cut Pro direkt in der «Fotos»-App begutachten.
Dampfkammer. Hinter den Kulissen arbeitet die neue Dampfkammer, die bereits mit dem iPhone 17 Pro eingeführt wurde. Sie leitet die Wärme vom Chip weg und mildert auf diese Weise die Wärmeprobleme, die beim Dauerbetrieb mit Profi-Videoformaten auftreten können. Nun weist die neue Dampfkammer die dreifache Oberfläche von derjenigen im iPhone 17 Pro auf. Dazu kommt eine geänderte Chip-Bauweise: Prozessor und Arbeitsspeicher liegen neu nebeneinander, sodass der Speicher nicht mehr im Wärmepfad liegt und der A20 Pro direkteren Kontakt zur Dampfkammer erhält. Was für Profi-Filmer ein Fortschritt ist, werden die Amateurfilmer jedoch nie zu spüren bekommen.
Die verbesserte Dampfkammer ist für Profis interessant, die längere Videos in einem Format wie ProRes drehen
Apple Inc.All die kleinen Details
Von den neuen Kamerafunktionen abgesehen, bietet das iPhone 18 Pro fast schon überraschend wenige Verbesserungen, aber immerhin frische Farben. Mehr noch: Die Abweichungen zum Vorgänger sind so minim, dass sich sogar bestehende Hüllen weiterverwenden lassen, was zuletzt beim iPhone 14 der Fall war.
Auf der Vorderseite ist die Dynamic Island, also die «Pille» oder Aussparung, sichtbar kleiner geworden. Das wurde möglich, weil die Infrarotkamera für die Face ID in die linke Ecke unter das Display verbannt wurde, was jedoch ohne technische Hilfsmittel kaum zu sehen ist. Im Internet kursierten Geschichten, dass die Face ID dadurch weniger zuverlässig arbeitet, aber davon konnte in unserem Test keine Rede sein: Die Erkennung funktioniert so schnell und steinsolide wie eh und je.
Warten auf 18
Das iPhone 18 Pro repräsentiert ein solides Update, aber nicht mehr. Wenn die neuen fotografischen Stile aus der Gleichung entfernt werden, könnte es sich genauso gut um den Vorgänger handeln. Was die Einordnung zusätzlich erschwert, ist die Abwesenheit der Standard-Modelle, die erst im Frühling vorgestellt werden – also das reguläre iPhone 18 ohne «Pro» und vielleicht auch das iPhone Air 2.
Gerade beim iPhone 17 zeigte sich, dass die Standardmodelle so überraschend nah an der Pro-Variante lagen, dass sich der Griff zum teureren Modell nur für jene lohnte, die der Kamera das Letzte abringen wollten. Deshalb ist die Empfehlung einfach: Wer nicht gezwungen ist, hier und jetzt ein neues iPhone zu kaufen, sollte mit der Anschaffung bis zum Frühjahr warten, wenn Apple alle Karten auf den Tisch gelegt hat.