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Lesedauer 4 Min.

Schweizer Firmen schwören auf SAP-Standard

Die Zeiten hochgradig individualisierter Software sind offenbar vorbei. Am Kundenanlass «SAP Now» bekannten sich Schweizer Kunden zum Standard-ERP – nicht nur wegen der Cloud.
Michael Locher-Tjoa begrüsste 500 Zuschauer am virtuellen Kundenanlass «SAP Now»
© (Quelle: Screenshot: computerworld.ch)

Der Industriekonzern Roche und der Finanzdienstleister Swiss Re sind Vorzeigekunden des ERP-Anbieters SAP. Beide Konzerne haben sich im vergangenen Jahr intensiv mit der Erneuerung ihrer Business-Software beschäftigt. Nun sind die Projekte so weit fortgeschritten, dass Vertreter beider Firmen öffentlich über die Migrationen sprechen durften oder wollten. Eine Bühne bot ihnen der Kundenanlass «SAP Now», der am Dienstag eröffnet wurde.

Die Veranstaltung wurde als Live-Stream aus dem Hauptsitz von SAP Schweiz in Regensdorf übertragen. Managing Director Michael Locher-Tjoa begrüsste während der zweieinhalbstündigen Auftaktveranstaltung zwischen 300 und 500 Zuschauer. Er ermutigte sie, sich zum Beispiel am Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) des Kantons Zürich ein Vorbild zu nehmen. Die Behörde hatte mithilfe von SAP-Technologie und der Cloud innert zwei Wochen einen Software-Roboter für Kurzarbeits-Voranmeldungen realisiert. Damit reagierte das Amt auf die Flut von Gesuchen während des ersten Lockdowns. Im März 2020 schnellte die Zahl der Anträge auf 30'000 hoch und blieb bis Juni auf dem Niveau. In wirtschaftlich ruhigeren Zeiten bearbeitet das AWA pro Monat durchschnittlich 10 Gesuche für Kurzarbeit.

Locher-Tjoas Kollegen von SAP Schweiz haben das AWA mit der Lösung «SAP Intelligent Robotic Process Automation» bei der Entwicklung der Software-Roboter unterstützt. Andere Kunden in der Schweiz setzen schon seit Jahrzehnten auf die Lösungen des deutschen Weltmarktführers. Für sie alle steht die Erneuerung der ERP-Software an. SAP sähe es gerne, wenn die Unternehmen nicht nur auf die neue Version wechseln, sondern sich auch gleich noch für eine Migration in die Cloud entscheiden. Das Anfang Jahr lancierte Programm «Rise with SAP» soll die Transformation erleichtern. Brian Duffy, President SAP Cloud, versprach an dem Anlass, dass Firmen jeder Art und Grösse geholfen werden könne. Und SAP der allein verantwortliche Partner für die Transformation sei.

Vorzeigekunden Swiss Re und Roche

Michael Locher-Tjoa begrüsste 500 Zuschauer am virtuellen Kundenanlass «SAP Now» © Quelle: Screenshot: computerworld.ch

Schon lange bevor sich SAP der Cloud als neue Geschäftsplattform verschrieben hatte, fiel beim zweitgrössten Rückversicherer der Welt der Entscheid für die Cloud. Alle 50 SAP-Systeme sollten aus den eigenen Rechenzentren zu Microsoft migriert werden, lautete der Plan vor circa drei Jahren, berichtete der Director Finance IT, Alexander Türk, an dem Anlass. Ein Grund seien die Kosten gewesen, ein zweiter die Datenhaltung in der Schweiz. Zwar war AWS der Marktführer bei SAP in der Cloud, aber Microsoft hatte Rechenzentrum im Inland zugesichert. Als es 2019 eröffnet wurde, war Swiss Re einer der ersten Vertragsunterzeichner.

Bei der Migration von 140 virtuellen Maschinen mit Suse Linux und 40 Windows Servern sowie Hana- und Microsoft-SQL-Datenbanken half Cognizant. Der IT-Dienstleister hatte sich im November 2019 mit seinem Projektplan gegen sechs weitere Anbieter durchgesetzt, berichtete Türk. Im Februar 2020 wurden die ersten Systeme migriert, seit November laufen alle SAP-Systeme auf Azure. Die neue SAP-Landschaft folgt den Standards des ERP-Anbieters. Auf Individualentwicklungen wurde verzichtet, so der Swiss-Re-Manager.

ERP-Erneuerung ja, Cloud nein

Der Industriekonzern Roche folgt in den nächsten Jahren dem Beispiel von Swiss Re, kündigte Marc Béchet, Global Head of Roche ERP, an dem Anlass an. Im Rahmen des «Aspire»-Programms wird die neue Business-Software auf der «grünen Wiese» komplett neu aufgebaut. Der «Greenfield»-Ansatz für S/4Hana soll globale Prozesse harmonisieren, standardisieren und vereinfachen, sagte Béchet. Die Design-Phase für die neue Software begann Mitte vergangenen Jahres.

Michael Locher-Tjoa begrüsste 500 Zuschauer am virtuellen Kundenanlass «SAP Now» © Quelle: Screenshot: computerworld.ch

Damit folgt Roche zwar dem Wunsch von SAP nach der Ablösung von ECC 6.0, nicht aber dem Wunsch nach dem Wechsel in die Cloud. Das S/4Hana-System wird in einer «Cloud ready»-Infrastruktur mit passender Architektur und Technologie installiert, allerdings On-Premises. Die ebenfalls im Einsatz stehenden Cloud-Anwendungen wie Concur, Fieldglass und eine HR-Lösung werden über APIs angebunden, so Béchet. Die Komplexität des Vorhabens wurde deutlich, als der Roche-Verantwortliche einen Zeithorizont von einer Dekade für das Projekt nannte.

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