Genf und Zürich 28.08.2019, 12:58 Uhr

Microsoft lanciert Cloud-Region Schweiz

Aus Rechenzentren in den Regionen Genf und Zürich bietet Microsoft per sofort Cloud Computing an. Der US-Konzern garantiert dabei die Datenspeicherung in der Schweiz.
Die Azure-Cloud von Microsoft kann per sofort auch aus zwei Schweizer Rechenzentren bezogen werden
(Quelle: Microsoft)
Microsofts Cloud-Rechenzentren in der Schweiz haben ihren Betrieb aufgenommen. Wie die Schweizer Niederlassung des US-amerikanischen Konzerns am Mittwoch mitteilt, sind in den Data Center in den Regionen Genf (Switzerland West) und Zürich (Switzerland North) per sofort Azure Services verfügbar. Office 365 werde «in den kommenden Monaten» folgen, Dynamics 365 und Power Plattform «voraussichtlich 2020», schreibt das Unternehmen.
Die Microsoft-Länderchefin Marianne Janik bezeichnet die Cloud Datencenter als eine «Investition in der Schweiz – für die Schweiz». Für die helvetischen Kunden sei die lokale Datenhaltung nach eigener Aussage extrem wichtig. «Wir sind sehr stolz, dass wir jetzt in der Lage sind, das zu garantieren», lässt sich Janik in der Mitteilung zitierten.
Im Gespräch mit Computerworld für die kommende Sonderausgabe «Top 500» sagte Janik über den «US Cloud Act», nach dem US-Behörden im Zweifelsfall auch Zugriff auf Daten von Schweizer Unternehmen in der Microsoft-Cloud haben: «Wir kommunizieren den ‹US Cloud Act› offensiv, denn nur ein aufgeklärter Kunde kann die Risiko-Abwägung, um die es letztendlich geht, vornehmen.» Insbesondere beim «Cloud Act» müsse Microsoft konstatieren, dass die USA ein Rechtsstaat sei. Nur unter ganz bestimmten Bedingungen und immer nur nach einem Richterspruch sei eine Datenübermittlung an die US-Behörden zulässig. «Wer an den Rechtsstaat glaubt und die Praxis kennt, kann einschätzen, wie hoch das Risiko in seinem speziellen Fall tatsächlich ist», sagte die Microsoft-Chefin.

Finanzwirtschaft und Verwaltung

Über die fehlende Nachfrage nach Cloud-Dienstleistungen aus Schweizer Rechenzentren kann sich Microsoft offenbar nicht beklagen. In der Medienmitteilung ist von zunächst 30 Unternehmen zu lesen, die als «Early Adopters» die Azure Services nutzen wollen. Dazu zählen BKW Group, Exploris Health, die Mobiliar, Skyguide, Swiss Re und die UBS. Die Stadt Zug steigt offenbar erst später ein, hat sie sich doch für den Einsatz von Office 365 aus der Schweizer Cloud entschieden. Credit Suisse Schweiz will nach Aussage des scheidenden Leiters IT und Operations, Mario Crameri, ebenfalls die lokalen Microsoft-Rechenzentren nutzen. Allerdings zählt die Grossbank nicht zu den genannten «Early Adopters».
Die Swisscom kündigt in einer Mitteilung an, heute bestehende Outsourcing-Kunden auf Azure neu in die Schweizer Infrastruktur bringen zu wollen. Via einer direkten und privaten Anbindung («ExpressRoute») an die Schweizer Azure-Rechenzentren könnten auch alle übrigen Kunden die neuen Services nutzen. Wie der Telko schreibt, liefen die Verbindungen nicht über das öffentliche Internet, böten eine geringe Latenz und liessen sich einfach in die Swisscom-Lösungen integrieren.

Genf wird globaler Knotenpunkt

Die Anbindung an die globale Cloud-Infrastruktur von Microsoft erfolgt über das neue Rechenzentrum in der Region Genf. Wie aus einem Blogpost von Microsofts Yousef Khalidi hervorgeht, ist Genf eine der neuen «Azure Edge Sites». Dort würde der Netzwerk-Verkehr bis zu Faktor 10 beschleunigt, schreibt der Corporate Vice President für Azure Networking. Anders als von Khalidi beschrieben dient nicht Genf, sondern Zürich als neuer Zugangspunkt für «ExpressRoute». Der Rechenzentrumsbetreiber Interxion in Glattbrugg bietet «ExpressRoute» an, über die lokale Informatikressourcen bei den Kunden mit Azure verbunden werden können.
Gemäss eigenen Angaben betreibt Microsoft in 54 Azure-Regionen weltweit mehr als 150 «Azure Edge Sites». Davon seien Genf und 30 weitere neu. Von den «ExpressRoute Meet-me Sites» gab es global bis anhin 21. Neben Zürich kommen nun weitere 13 hinzu.


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