Wie hältst du es mit den Daten?
KI in der Praxis
Die entscheidende Frage bei Künstlicher Intelligenz ist heute weniger eine technologische als eine strukturelle: Wie steht es um die eigenen Daten? Die Swiss IT-Studie der Computerworld zeigt, dass genau hier die grösste Herausforderung liegt. Zwar entstehen in vielen Unternehmen konkrete KI-Use-Cases – etwa in Marketing, Softwareentwicklung oder im Customer Service. Doch der Weg von ersten Anwendungen zu nachhaltigem Mehrwert ist oft steiniger als erwartet. Der Grund liegt selten in den Algorithmen selbst. Vielmehr entscheiden Datenqualität, Integration und Verfügbarkeit darüber, ob KI-Projekte funktionieren oder scheitern. In vielen Fällen sind die vorhandenen Daten zwar ausreichend für klassische Anwendungen, erfüllen jedoch nicht die Anforderungen moderner KI. Gleichzeitig erschweren gewachsene Systemlandschaften und fehlende Standards die Nutzung. Hinzu kommt die wachsende Bedeutung von Datensouveränität. Unternehmen müssen nicht nur entscheiden, welche Daten sie nutzen, sondern auch, wo und unter welchen Bedingungen dies geschieht. Damit wird die «Gretchenfrage» der KI konkret: Nicht ob KI eingesetzt wird, sondern wie gut die eigenen Daten dafür tatsächlich geeignet sind.
Daten als Engpass
Die grösste Hürde bei der Umsetzung von KI-Use-Cases liegt nicht in den Algorithmen, sondern in den Daten. Viele Unternehmen scheitern weniger an der Technologie selbst als an der Qualität, Verfügbarkeit und Struktur ihrer Datenbasis. Unvollständige, inkonsistente oder schwer zugängliche Daten bremsen Projekte bereits in frühen Phasen aus – oder verhindern, dass aus ersten Prototypen überhaupt produktive Anwendungen entstehen. Eng damit verknüpft ist der Kostenfaktor. KI-Projekte erfordern nicht nur Investitionen in Technologie, sondern vor allem in Datenaufbereitung, Integration und Betrieb. Gerade dieser Aufwand wird häufig unterschätzt. Wer Daten erst bereinigen, harmonisieren und zugänglich machen muss, steht schnell vor erheblichen finanziellen und organisatorischen Herausforderungen.
Auch regulatorische Anforderungen und Compliance-Fragen spielen eine wichtige Rolle. Themen wie Datenschutz, Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen oder branchenspezifische Vorgaben erhöhen die Komplexität zusätzlich. Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre KI-Anwendungen nicht nur funktionieren, sondern auch rechtlich und ethisch einwandfrei sind – ein Anspruch, der insbesondere in regulierten Branchen hohe Hürden schafft. Hinzu kommt der Mangel an qualifizierten Fachkräften. KI-Projekte erfordern interdisziplinäres Know-how, von Data Engineering über Machine Learning bis hin zu Business-Verständnis. Diese Kombination ist am Markt nach wie vor rar. Gleichzeitig zeigt sich, dass auch die Akzeptanz im Business nicht selbstverständlich ist. Ohne Vertrauen in die Ergebnisse und ohne klare Einbettung in bestehende Prozesse bleiben viele Initiativen isoliert.