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Lesedauer 4 Min.

«Industrialisierung hat oberste Priorität für Versicherer»

Frank Berghammer, CEO der St. Galler Spezialistin für ­Versicherungssoftware Adcubum, über die IT-Trends der Versicherungswirtschaft im Jahr 2008.
© Quelle: Computerworld.ch

Computerworld: Herr Berghammer, was sind die zentralen IT-Herausforderungen für die Versicherungen im Jahr 2008?

Frank Berghammer: Schwerpunkt der meisten Versicherer dürfte die weitere Industrialisierung der Wertschöpfungsketten sein. Hier besteht nach wie vor ganz erheblicher Aufholbedarf. Während andere Branchen teils mehr als 70 Prozent ihrer Leistungen von Zulieferern erbringen lassen, sind dies in der Versicherungswirtschaft gerade einmal zehn Prozent. Zudem ist der Grad der Standardisierung von Arbeitsabläufen und Produkten noch sehr gering. Das macht die Unternehmen unflexibel.

Welche Auswirkungen hat das auf die IT der Versicherungen?

Zweierlei: Einerseits müssen die Anwendungen strukturell angepasst werden, sodass sich externe Dienstleister in die Arbeitsabläufe integrieren lassen. Andererseits gelten Teile der IT selbst als Kandidat für die Auslagerung an externe Dienstleister. Das hat erst jüngst wieder eine Studie ergeben, die Adcubum zusammen mit dem Institut für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen durchgeführt hat.

Welche Bereiche der IT betrifft dies?

Das war einer der Punkte, der uns bei besagter Studie am meisten überrascht hat: Eigentlich hätten wir erwartet, dass der interne Rechenzentrumsbetrieb von den Versicherungsmanagern am kritischsten gesehen wird. Aber es war die Anwendungsentwicklung. Gerade einmal ein Prozent der befragten Versicherungsmanager trauen ihrer eigenen Anwendungsentwicklung eine Spitzenposition gegenüber dem Mitbewerb zu. Bei der IT-Infrastruktur und dem IT-Betrieb hingegen waren dies immerhin drei Prozent der Befragten. Doch auch das Zutrauen in diesen Bereich ist im Vergleich zu anderen Tätigkeiten sehr gering. Zum Vergleich: Bei der Bearbeitung von Schadensfällen sahen 24 Prozent der Befragten ihr Unternehmen in einer Spitzenposition. Beim Kundenservice sowie beim Asset Management waren es immerhin noch 15 Prozent.

Wie schlägt sich die Schweizer Versicherungswirtschaft im internationalen Vergleich?

Uns fällt auf, dass es insbesondere im Bereich der Schweizer Krankenversicherung eine recht hohe Innovationsbereitschaft gibt. Hier sind die Unternehmen bereit, auch grössere Modernisierungen sehr entschieden und konsequent durchzuführen. Wir sind gerade dabei, den dritten Grosskunden mit über einer Milliarde Franken Prämienvolumen vollständig auf unser Produkt Adcubum SYRIUS zu migrieren. Die Umstellung umfasst sämtliche versicherungstechnischen Kernsysteme: Partner, Bestand, Leistung, Provision und In-/Exkasso. In anderen Sparten und Ländern agieren die Versicherungen teilweise sehr viel vorsichtiger. Dort denken sie allenfalls über die Ablösung von Einzelkomponenten nach. Teilweise sogar beschränkt auf einzelne Teile des Produktportfolios. Je mehr man bei der Modernisierung der Systeme jedoch zaudert, umso geringer sind die Effekte, die sich dadurch erzielen lassen.

Als zweiten zentralen Punkt haben sie die Schaffung von Schnittstellen für externe Dienstleister genannt. Welche Rolle spielt das damit einhergehende Thema SOA im Jahr 2008?

Nur wenn sich die Dienste der versicherungstechnischen Kernanwendungen von Fremdsystemen aus nutzen lassen, ist eine reibungslose Integration externer Dienstleister möglich. Dazu reicht es aber keinesfalls aus, die monolithischen Altsysteme um entsprechende Schnittstellen zu erweitern. Vielmehr muss die Software von innen heraus über eine entsprechende Service-orientierte Architektur verfügen, damit sich beispielsweise interne Abhängigkeiten in Grenzen halten. Wir haben unsere Kernanwendungen dazu bereits vor einigen Jahren komplett auf eine entsprechende Architektur umgestellt. Sie bieten zurzeit rund 8000 Einzelservices an, die über unseren Application Server nutzbar sind. Dem Begriff SOA wird es derweil so gehen wie allen Modebegriffen in der IT-Branche: Sie verwässern und nutzen sich ab. Es obliegt den Kunden, den Mehrwert hinter diesen Begriffen zu erfragen.

Jörg Rothweiler

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