Die Storage-Konzerne suchen neue Wege

Fazit & Ausblick

IDC liefert aufschlussreiche Zahlen über den weltweiten Speichermarkt: Bei den externen Speichersystemen (einschliesslich OEM-Aufträgen) ist der Umsatz im zweiten Vierteljahr 2019 im Vorjahresvergleich um 0,8 Prozent zurückgegangen, während der Rückgang im ersten Quartal 0,6 Prozent betrug. Es ist also weiter bergab gegangen, vor allem wenn man bedenkt, dass der Umsatzrückgang einhergeht mit wachsenden verkauften Kapazitäten. Das bedeutet, dass sich höhere Kapazitäten zu niedrigeren Preisen verkaufen. Das Verhältnis Kosten zu Ertrag verschlechtert sich damit konstant seit Jahren und kann nur durch gesteigerte Produktivität oder günstigere Rohstoffe gebremst oder wieder verbessert werden.
Hyper-converged Storage: In diesem innovativen Sektor schaffte es das Start-up Nutanix in kurzer Zeit auf Platz 2.
Quelle:
Nutanix
Während das Marktsegment externer Speicher bei rund 22 Prozent der gesamten Speicherinvestitionen der Unternehmen liegt, machen die serverbasierten Systeme (Server mit integriertem Speicher) derzeit etwa 7 Prozent des Speicherumsatzes aus. Man spricht hier auch von Hyper-converged Storage oder Hyper-converged Infrastructure HCI) – einem Bereich, der von Dell EMC dominiert wird (circa ein Drittel dieses Marktes). IDC, Gartner und Forrester sind unisono der Ansicht, dass es hier mit Nutanix ein Start-up auf den zweiten Platz geschafft hat – etwa 15 Prozent Marktanteil, gefolgt von HPE mit rund 5 Prozent. Auch Netzwerkhersteller Cisco beansprucht inzwischen, hier mitzumischen. Analysten pro­gnostizieren Hyper-converged Infrastructure eine sichere Zukunft, da sie kostengünstiger als getrennte Systeme sei und sich besser den wechselnden Ansprüchen an Compute, Storage und Networking anpassen könne.
Vor diesem Hintergrund gilt als Richtschnur für Produkt­entscheidungen: Kunden sollten Gewicht legen auf die gute Handhabbarkeit der Produkte, das Support-Ökosystem und seine Leistungen, die Offenheit des Herstellers und seiner Auftritte, sein Partnernetzwerk inklusive OEMs, die Zusammenarbeit mit Analysten und natürlich die Preisgestaltung. Der Auftritt auf Konferenzen (eigenen und fremden) sollte genau beobachtet werden – in welchem Verhältnis stehen etwa reines Marketing und sachliche Darstellungen? Sind die Reports von Analysten gesponsert oder unabhängig erstellt?
“Kennen Sie ein einziges Storage-Start-up, das sich aus eigener Kraft ­er­folgreich am Markt durchsetzen konnte?„
Dani Golan, CEO von Kaminario
Wer sich als Kunde für einen der grossen Anbieter entscheidet, kann an sich nicht viel falsch machen. Sie alle verfügen über einen grossen Apparat, viel Erfahrung und zahlreiche Kontakte zu externen Vertriebsorganisationen, Dienstleistern oder Experten. Ihre schiere Grösse ist aber vielleicht nicht das Richtige für jedermann oder jedes Unternehmen: Man muss als Kunde auch mit festgefahrenen Strukturen rechnen, und schnelle Reaktionen sind nicht unbedingt immer die Stärke von allen. Dies wissen auch viele Start­-ups, die oft die besseren technischen Ideen haben und denen klar ist, dass sie gut erreichbar sein müssen. Bei vielen Ausschreibungen hatten gerade die Grossen das Nachsehen, weil sie hier nicht mithalten konnten. Andererseits müssen die Neuen beweisen, dass sie über stabile Strukturen und ausgeklügelte Strategien für den internationalen Markt verfügen. Es hat sich sogar schon ein Markt für Deutschland- und Europa-Spezialisten herausgebildet, die wissen, wie man neue Storage-Firmen hierzulande lanciert.
Und es gibt kleinere Firmen, die andere oder noch jüngere aufkaufen. DDN hat es mit Tintri vorgemacht, Nutanix und Pure Storage sind mit dieser Methode grösser und bedeutsamer geworden. Inzwischen hat sich StorCentric zum Aufkäufer entwickelt: Die Muttergesellschaft von Drobo, Nexsan und Retrospect hat im Juli 2019 Vexata wegen seiner NVMe-Technologie übernommen.
Wer in seinem Unternehmen Wert darauf legt, die beste aktuelle Speichertechnologie einzusetzen, findet diese nicht immer bei den alteingesessenen Anbietern. Die sind sehr mit den Folgen von Übernahmen oder einem fast schon konstanten internen Umbauprozess beschäftigt. Das zieht Personalabgänge nach sich, was die Kundenbeziehungen oft negativ tangiert. Es kommt auch nicht so gut an, wenn gerade Anbieter aus den USA immer mehr Funktionen auf die Zentralen übertragen und systematisch Personal in Europa ausdünnen.
Der Storage-Markt bleibt in Bewegung, so oder so.


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