Interview mit Turan Kara 06.01.2020, 15:24 Uhr

«Der Zauber liegt in der Software»

Pure Storage Schweiz hat einige Top-Leute der Branche kommen und gehen sehen. Nun will Turan Kara will als Country Manager ein neues Kapitel für den Storage-Anbieter in der Schweiz schreiben.
Turan Kara ist der Schweizer Country Manager von Pure Storage
(Quelle: Pure Storage Switzerland)
Computerworld: Sie leiten Pure Storage Switzerland seit März 2019. Wie ist es Ihnen seitdem ergangen?
Turan Kara: Es waren herausfordernde, aber tolle Monate. Ich habe Freude daran, die Verantwortung für das schnell wachsende Geschäft in der Schweiz zu tragen. Bei Pure Storage bin ich seit über drei Jahren. Der Fakt, dass ich das operative Geschäft, sowie die Channel Community sehr gut kenne, kommt mir dabei sehr entgegen. Ausserdem habe ich das Glück, die volle Unterstützung vom regionalen Management, aber noch wichtiger, von unserem motivierten und kompetenten Team zu bekommen. Mit dieser Dynamik können wir unseren Wachstumskurs in der Schweiz fortsetzen.
CW: Was hat Sie persönlich an Pure Storage Switzerland gereizt?
Kara: Das lässt sich in drei Punkten zusammenfassen. Erstens, hat das damalige Pure Team inklusive der Partner in der Schweiz gute Arbeit geleistet. So hatten sich bereits namhafte Unternehmen wie Victorinox, das Schweizerische Rote Kreuz oder Bucherer damals als zufriedene Pure-Storage-Kunden eingereiht. Zweitens, hat mich der technologische Ansatz überzeugt. Pure Storage ist jedenfalls der einzige All-Flash Anbieter, der den grossen Durchbruch geschafft hat, alle anderen sind entweder übernommen worden oder haben es nicht mehr geschafft. Und zu guter Letzt gefiel mir der Gedanken, für ein junges Unternehmen zu arbeiten, welcher massiv wachsen möchte, anstatt für eines, welches nur noch den eigenen Marktanteil schützen und optimieren möchte.
CW: Welche Sofortmassnahmen haben Sie eingeleitet?
Kara: Es gab keinen Grund für drastische Veränderungen. Seit ich meine neue Rolle übernommen habe, haben wir uns darauf konzentriert, effizientere Strukturen aufzubauen und weitere Mitarbeiter zu finden, die unser Wachstum unterstützen.
CW: Wie sieht Ihre zukünftige Strategie für Pure Storage Switzerland aus?
Kara: Pure Storage entwickelt die Datenplattform der nächsten Generation von Grund auf neu – mit dem Fokus auf Innovation, schneller Adaption von neuen Technologien und dem Verzicht auf Legacy-Lösungen, wodurch der Bedarf sich ständig wiederholender Neuinvestitionen vermieden wird. Im heutigen Zeitalter darf eine Speicherplattform nicht mehr einfach nur ein nötiger Kostenfaktor sein. Unsere Plattformen helfen unserer Kunden, ihr Geschäft einfacher, effizienter und agiler zu betreiben. Das gibt unseren Kunden einen gewissen Wettbewerbsvorteil in ihrem Markt oder öffnet im besten Fall den Zugang zu weiteren Märkten.
CW: Wie wollen Sie diese Strategie umsetzen?
Kara: Das Wichtigste ist, zu verstehen, welche Prioritäten und Ziele die Unternehmen verfolgen und inwiefern wir dieses Vorhaben mit unserer Technologie unterstützen oder sogar entscheidend beeinflussen können. Einerseits habe ich vollstes Vertrauen in unser Team und andererseits in unsere Partner, welche die Kundenprioritäten sowie unsere Technologie kennen und sehr gut einschätzen können, welchen Mehrwert Unternehmen von unseren Lösungen bekommen.
CW: Haben Sie für die Umsetzung die richtigen Leute an Bord, oder suchen Sie noch weitere Mitstreitende?
Kara: Definitiv! Wir haben uns Zeit genommen, um die richtigen Leute an Bord zu holen. Das gilt sowohl für mein Team als auch für die Partner, die eine zentrale Rolle in unserem Unternehmen einnehmen. Pure ist ein zu 100 Prozent auf den Channel ausgerichtetes Unternehmen, das mit wenigen, aber fokussierten Top-Partnern zusammenarbeitet.
CW: Inwieweit kämpfen Sie mit dem Fachkräftemangel und was für Massnahmen treffen Sie?
Kara: Dies ist ein wichtiges Thema. Einerseits betrifft es uns als Arbeitgeber, andererseits auch unsere Kunden oder Partner. Auch wenn es etwas Zeit und Mühe braucht, haben wir uns darauf fokussiert, Leute einzustellen, die talentiert sind, aber auch menschlich zu uns und unserer Kultur passen. Andererseits ist der Fachkräftemangel in den Unternehmen eine Chance für uns. So zeichnen sich unsere Lösungen durch eine extrem einfache Bedienung aus. Das bedeutet, mit demselben Personal können jetzt und in Zukunft, viel mehr Anforderungen mit Leichtigkeit bewältigt werden. Darüber hinaus können viel mehr Ressourcen für umsatzbringende Initiativen eingesetzt werden.

Konkurrenzvergleich und Verbesserungspotenzial

CW: Was macht Pure Storage besser als vergleichbare Akteure am Markt?
Kara: Wir können Unternehmen helfen, einfacher, effizienter und agiler zu sein.
CW: Das heisst?
Kara: Ein grosser Vorteil ist unser Software-defined-Ansatz und die daraus entstandene Fähigkeit, Technologien viel schneller zu adaptieren. Von Anfang an haben wir die in die Jahre gekommene Speicherindustrie in Unruhe versetzt und den Status quo mit neuen Ansätzen in Frage gestellt. Unsere Kombination aus innovativer Technologie, dem daraus resultierendem neuartigen Geschäftsmodell und unserer klaren Ausrichtung auf den Kundenerfolg, hat es uns ermöglicht, mit phänomenaler Geschwindigkeit zu wachsen.
CW: Die anderen Anbieter holen aber auf...
Kara: Die oben genannten Fähigkeiten geben uns immer noch einen Wettbewerbsvorteil. Wir waren der erste Anbieter, der als Pionier ausschliesslich All-Flash-Lösungen entwickelte und die Mainstream-Akzeptanz im Markt vorantrieb. Durch unsere technologische Innovation haben wir ein revolutionäres Evergreen-Geschäftsmodell vorgestellt, welches die Branche verändert hat und welche von anderen Anbietern zigfach kopiert, aber nie erreicht wurde. Unternehmen haben doch keinen Mehrwert davon, ihre Plattformen alle paar Jahre neu zu evaluieren, zu beschaffen, zu implementieren und zu migrieren, genau das war jedoch der Fall die letzten Jahrzehnte. Heute geht es anders. Unsere Kunden beschaffen ihre Speicherplattformen nur noch einmal und erweitern oder erneuern diese in regelmässigen Abständen durch mehrere Lifecycles, hinsichtlich Kapazität, Dichte, Leistung und Funktionen, ohne Ausfallzeiten und ohne dieselbe Plattform noch einmal zu kaufen. Nach wie vor ist kein anderer Anbieter in der Lage, dies anzubieten.
CW: Dennoch werden auch Sie weitere Pfeile im Köcher brauchen. Wie sehen diese aus?
Kara: Die schnellere Adaption von neuen Technologien habe ich bereits angesprochen. 2017 konnten unsere Kunden das damals erste All-NVMe-Flash-Array der Enterprise-Klasse nutzen. Seit einigen Wochen bieten wir unseren Kunden das erste auf Kapazität ausgerichtete Enterprise-All-Flash System, das FlashArray//C, an. Mit AIRI, der AI Ready Infrastructure in Kooperation mit NVIDIA, oder dem mit Cisco gemeinsam entwickelten FlashStack for AI haben wir die ersten kompletten Stacks für KI- und Deep-Learning-Ansätze auf den Markt gebracht. Unternehmen können damit Deep-Learning- und KI-Projekte schneller einsatzbereit machen. Damit nehmen wir eine führende Stellung in diesem Bereich ein.
CW: In welchen Bereichen sehen Sie Verbesserungspotenzial?
Kara: Wir streben immer nach Verbesserung. In den nächsten zehn Jahren wollen wir unser grosses Engagement für technologische Innovation und Disruption weiterführen, um immer wieder branchenweit erstmalig neue Ideen und Technologien auf den Markt zu bringen. In diesem Sinne müssen wir die Entwicklung von Technologien der nächsten Generation wie Cloud, IoT und KI fortsetzen, um weiterhin Lösungen zu liefern, um die Herausforderungen von Heute und von Morgen zu bewältigen.
CW: Im September kündigte Pure Storage auf seiner Anwenderkonferenz Accelerate neue Lösungen an. Was sind die Highlights für den Schweizer Markt?
Kara: Wir haben mit FlashArray//C das erste auf Kapazität ausgelegte All-Flash-Array vorgestellt und damit die Nutzung von Direct Memory Flash auf den Markt gebracht. Darüber hinaus haben wir grosses Investment in die Public Cloud Nutzung gelegt, mit Cloud Block Store auf AWS und Cloud Snap für Microsoft Azure. Auch im KI-Bereich haben wir mit dem AI Data Hub unseren Mehrwert in diesem Bereich verstärkt.
CW: Auf der Accelerate wurden neue Flash-Arrays eingeführt. An welche Zielgruppe möchten Sie sich in der Schweiz wenden?
Kara: Viele Unternehmen haben für die Workloads, die nicht die höchsten SLAs erfordern, hybride oder gar ausschliesslich Disk-basierte Systeme benutzt, hauptsächlich aus ökonomischen Gründen. Wir haben FlashArray//C auf den Markt gebracht. Das erste kapazitätsoptimierte All-Flash-Array der Branche ist so konzipiert, dass es eine konsistente All-Flash-Performance mit Zuverlässigkeit der Stufe eins mit der Wirtschaftlichkeit von Festplatten bietet.
CW: Pure erweitert das Geschäft in Richtung Services und Cloud. Worum geht es hierbei?
Kara: Unternehmen investieren in Technologie, die schnell und agil auf zukünftige Anforderungen reagieren kann. Zwei offensichtliche Einsichten stecken dahinter. Viele Unternehmen setzen inzwischen auf die Cloud oder haben zumindest eine Cloud-Strategie in der Planung. Dies sind meist hybride Ansätze, eine Mischung aus Public Cloud und On-Premises. Auf der Accelerate haben wir wesentliche Erweiterungen unseres Cloud Data Services-Portfolios angekündigt. Diese helfen Unternehmen, hybride Clouds effektiver einzusetzen:
  • Cloud Block Store ermöglicht die Mobilität von Anwendungen zu und von Amazon Web Services.
  • CloudSnap für Microsoft Azure ist eine Cloud-Backup-Technologie, die wir erstmals für den Einsatz in AWS eingeführt haben. Diese ist jetzt als Multi-Cloud-Lösung verfügbar und kann in Microsoft Azure implementiert werden. CloudSnap ermöglicht auch eine extrem schnelle Datenwiederherstellung vor Ort oder in der Cloud zu Cloud Block Store, um Unternehmen dabei zu unterstützen, selbst die anspruchsvollsten SLAs und Compliance-Anforderungen zu erfüllen.
  • Ein weiterer neuer Service ist AIRI-as-a-Service, eine neue Art der Nutzung der AI-Ready Infrastructure (AIRI). KI-Projekte, die in der Public Cloud starten und dann sehr schnell wachsen, werden schnell sehr teuer. Unternehmen, die von der Cloud auf dedizierte Speichersysteme umsteigen möchten, können dies dank AIRI-as-a-Service jetzt tun, ohne die Vorteile der Cloud zu beeinträchtigen.

Die Zukunft des Service-Geschäfts von Pure Storage

CW: Sie wollen Ihre Produkte in Zukunft nach dem As-a-Service-Modell anbieten. Wie können Sie sich das vorstellen und an wen richtet sich das Angebot? Gibt es dafür Kundenfälle in der Schweiz?
Kara: Es gibt eine grosse Nachfrage danach. Pure bietet als einziger Anbieter dementsprechend das ganze Portfolio als solches Modell an. IDC zeigt auf, dass 58 Prozent der IT-Organisationen sich für diesen As-a-Service-Ansatz entscheiden möchten, statt für das traditionelle CapEx oder ein Leasing. In den nächsten drei Jahren sollen mehr als 60 Prozent aller IT-Cloud-Infrastrukturen nach diesem Prinzip beschafft werden. Das Beste daran ist, dass wir dem Unternehmen offenlassen, ob es dies vor Ort oder in der Cloud konsumieren möchte. Auch hierbei sind wir stolz darauf, derjenige zu sein, der diesen Ansatz am schnellsten adaptiert.
CW: Bisher standen Flash-Arrays im Mittelpunkt bei Pure Storage. Welche Rolle spielt die Hardware in der Zukunft und wie wichtig wird das Softwaregeschäft?
Kara: Die Frage zwischen Hardware und Software stellt sich eigentlich nicht, denn was Pure Storage ausmacht, war schon immer die Software und dies unterscheidet uns massgebend vom Markt. Dadurch sind wir auch in der Lage, den technologischen Fortschritt schneller und optimaler zu adaptieren, denn kritische Anwendungen erfordern eine starke Kombination aus Speicher-, CPU-, Server- und Speicherbeschleunigung. Damit schlussendlich gewinnen Unternehmen bessere Einblicke in ihre Daten und können schneller optimale Entscheidungen treffen.
CW: Können Sie ein Beispiel nennen?
Kara: Die DirectMemory-Module, die wir auf der Accelerate vorgestellt haben, verwenden die DirectMemory Cache-Software und den Speicher der Intel Optane-Speicherklasse. Davon profitiert eindeutig die Leistungsfähigkeit der Systeme. Datenbanken und Unternehmensanwendungen, die in Bezug auf Latenz und Geschwindigkeit sehr empfindlich sind, sind deutlich schneller. Die Latenz sinkt um 25 bis 50 Prozent. Gleichzeitig sinkt die CPU-Auslastung um 25 Prozent. Dies erhöht die Gesamteffizienz der Rechenaktivität und reduziert die Kosten für Softwarelizenzen. Die Hardware wird immer eine Rolle spielen, doch der Zauber liegt definitiv in der Software.
CW: Welche Storage-Trends werden den Markt in den kommenden Monaten bewegen?
Kara: Unternehmen möchten drei Dinge haben: Flexibilität, Einfachheit und vorhersehbare Kosten. Diese Wünsche prägen auch unseren Markt. Für uns bedeutet das, dass wir weiterhin daran arbeiten werden, unseren Kunden Lösungen anzubieten, welche Ihnen ermöglichen, nicht nur die heutigen Anforderungen abzudecken, sondern auch die zukünftigen. Benutzer sollten die gleiche Leistung und Funktionalität geniessen können, unabhängig davon, ob sie auf Ressourcen in der Cloud oder auf einer Appliance vor Ort zugreifen. Das schafft maximale Flexibilität.
Einfachheit war uns schon immer wichtig und wird von unseren Kunden oft als ein wesentliches Merkmal unserer Lösungen bezeichnet. Wir arbeiten daran, es den Benutzern noch einfacher zu machen, noch mehr zu automatisieren, Speicherlösungen nach Bedarf zu verwalten, zu optimieren und zu erweitern.
Die aktuelle Weltwirtschaft ist nur schwer vorhersehbar, was viele Unternehmen noch empfindlicher macht, was Kosten angeht. Diese sollten natürlich so gering wie möglich, berechenbar und auf den Anwendungsbereich ausgerichtet sein. Mit unserem Evergreen-Modell und dem As-a-Service-Konzept sind wir gut gerüstet, um die Probleme der Unternehmen in Bezug auf die Kosten zu lösen.
CW: Pure Storage Switzerland hat einige bekannte Persönlichkeiten in seiner noch jungen Geschichte kommen und gehen sehen. Wie lange planen Sie, bei Pure Storage Switzerland zu bleiben?
Kara: Ich bin seit 2016 bei Pure Storage und hatte hier bisher eine tolle Zeit. Durch die Ernennung zum Country Manager fühle ich mich hier noch mehr zuhause. Dazu trägt bei, dass die wichtigsten Entscheidungsträger innerhalb des Unternehmens, aber auch mein Team hinter mir stehen, um in der Schweiz noch mehr Erfolg für Pure zu erzielen. Auf dem Schweizer Markt besteht noch ein immenses Potenzial – und als Team möchten wir wirklich noch ein paar weitere Kapitel zur Erfolgsgeschichte von Pure Storage beitragen.


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