Zwischenbilanz 04.02.2015, 10:00 Uhr

Wie Satya Nadella Microsoft neu positioniert

Seit einem Jahr ist Satya Nadella der CEO von Microsoft. Unter seiner Führung entwickelt sich der grösste Software-Konzern der Welt zu einem Phönix aus der Asche.
Satya Nadella lenkt seit einem Jahr die Geschäfte von Microsoft
Vor einem Jahr sahen Apple und Google wie die grossen Sieger der Computerbranche aus. Der Mac-Konzern hatte das Smartphone salonfähig gemacht, die Software-Branche mit Apps aufgewirbelt und den Computer aufs Tablet gebracht. Parallel dazu hatte Google Microsoft mit Office-Anwendungen für den Browser geärgert, die bei Endkunden sowie Unternehmen (wie Roche) grossen Anklang fanden. Daneben mausert sich Android zur Universalplattform für Smartphone, Unterhaltungselektronik und Wearables. Noch vor einem Jahr sah es für den grössten Software-Hersteller der Welt so aus, als blieben eher nur Nischen, in denen zukünftig Wachstum möglich ist: Windows Phone für Emerging Markets, selbst entwickelte Apps für alle Plattformen, Convertible-PCs, ein teures Office für den Desktop und Embedded Windows für Geldautomaten.

Nadella startet fulminant

Dann übernahm vor einem Jahr Satya Nadella die Geschäfte bei Microsoft. Der gelernte Entwickler und Cloud-Enthusiast definierte für den grössten Software-Konzern der Welt eine «Mobile first, Cloud first»-Strategie und liess sich mit der Umsetzung nicht lange bitten: Im März wurde das Office für iPad freigegeben, im April das kostenfreie Windows für kleine Tablets lanciert und im Mai die Partnerschaft mit dem Erzrivalen Salesforce angekündigt. Seitdem gab es diverse weitere Kooperationen, Neuheiten und Übernahmen, die jeweils in die Nadella-Strategie passen, etwa IBM, SAP oder den «Minecraft»-Entwickler Mojang.

Microsoft liebt Linux

Mit der neuen Offenheit für fremde Plattformen und Kooperationen einher geht der Abschied von Dogmen: Android und iOS sind Plattformen, auf denen eine Software präsent sein muss, damit sie kommerziell erfolgreich sein kann. Mit dem Office für Android und iPad bleiben Microsoft auch die Manager zunächst einmal bei der Stange, auch wenn sie (vorerst) nichts zahlen. Diese Potenziale hatte Nadellas Vorgänger Steve Ballmer noch verkannt, indem er sich mit Händen und Füssen gegen ein Office für iOS gewehrt hatte. Nächste Seite: Innovationsmotor läuft Von Ballmer stammt auch die Aussage: «Linux ist ein Krebsgeschwür.» Bei Nadella heisst es heute: «Microsoft liebt Linux». Der neue CEO erkennt, dass in der unternehmerischen Realität Open Source teilweise eine Notwenigkeit ist. Beispielsweise laufen heute 20 Prozent der Workloads auf Microsofts Azure unter Linux. Mit der erweiterten Plattform-Unterstützung und Schnittstellen zu Wettbewerber-Lösungen macht es Microsoft seinen Kunden heute einfacher, Drittanbieter-Technologien in eine vorhandene Umgebung einzupassen statt darauf zu bestehen, dass die Anwender den ganzen Stack aus Redmond kauft.

Innovationsstau gelöst

Nadella konnte in seinem ersten Jahr bei Microsoft viel bewegen. Allerdings dürften längst nicht alle Kooperationen, Produktneuheiten und Zukäufe allein auf sein Konto gebucht werden. Ballmer hatte seinen Rückzug gut ein halbes Jahr vor Nadellas Amtsantritt bekannt gegeben. In dieser Zeit entwickelt sich natürlich auch ein Konzern wie Microsoft weiter. So konnte Nadella rasch die Früchte ernten, die sein Vorgänger gesät hatte. Eine grosse Frucht in Microsofts Korb soll Windows bleiben. Mit den Neuerungen in Windows 10 dokumentiert Nadella, dass er nicht willens ist, die Fehler seines Vorgängers zu wiederholen. Von dem starren Fokus auf Touch wie in Windows 8 wird abgesehen, die Grundidee eines einheitlichen Betriebssystems für alle Plattformen aber beibehalten. Als Programmierer gibt Nadella seinen Kollegen in Redmond ausserdem das ambitionierte Ziel einer gemeinsamen Codebasis für alle Windows-Varianten vor. Ein Grund ist die leichtere Pflege der Plattform für Microsoft selbst, ein anderer Grund der einheitliche App-Store. Dort stellen Drittanbieter ihre Applikationen in Zukunft nur noch für ein Windows statt für diverse unterschiedliche Betriebssysteme bereit.
Neu gefällt sich der Windows-Konzern auch als Innovator: Die Sprachtechnologie Cortana, der Übersetzerdienst Skype Translator und zuletzt HoloLens sind viel versprechende Entwicklungen. Sie bergen das Potential, dass Microsoft für sowohl für den Endverbraucher als auch das Business weiterhin ein relevanter Player bleibt.


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