26.06.2007, 09:25 Uhr

Java und Open Source

Java sei eigentlich schon immer ein Open-Source-Projekt gewesen und mit GPL V2 werde sich nichts verändern. Behauptet kein Geringerer als James Gosling, Java-Erfinder und Vice-President bei Sun Microsystems.
James Gosling, Java-Vater und Vice-President von Sun Microsystems: «Die Java-Community legt grossen Wert auf Kompatibilität und achtet sehr darauf, dass die Plattformunabhängigkeit gewahrt bleibt.»
Gerald Kammerer ist Freier Fachautor. Er hat das Interview für unsere Schwesterzeitschrift Computerwoche geführt.

Computerworld: Java ist jetzt Open Source, obwohl Sun sich lange Zeit dagegen ausgesprochen hat. Warum hat man sich schliesslich doch für die Freigabe von Java entschieden?
James Gosling: Der Quellcode von Java ist ja bereits seit der Freigabe von Java vor über zwölf Jahren verfügbar. Und auch die Community wurde von Anfang an sehr stark eingebunden. Das heisst: Eigentlich waren wir schon immer ein Open-Source-Projekt. Entscheidend neu ist eigentlich nur, dass wir Java jetzt unter die GPL V2 gestellt haben. Viele sehen darin eine grosse Veränderung. Für uns hat sich aber nichts verändert.

Java ist mittlerweile enorm komplex. Entsprechend grosse Open-Source-Projekte existieren oftmals nur, weil ein kommerzielles Unternehmen dahinter steht. Erwarten Sie, dass die Java Community Entscheidendes zur Weiterentwicklung von Java beitragen wird?

Open-Source-Projekte brauchen entweder ein kommerzielles Geschäftsmodell oder ein kommerzielles Unternehmen, das hinter dem Projekt steht, um funktionieren zu können. Wie Sie wissen, ist Sun die treibende Kraft hinter Java. Aber auch viele andere Unternehmen sind in den Entwicklungsprozess eingebunden, darunter IBM und Bea. Ein wichtiger Beitrag, den die Community in der Vergangenheit geleistet hat - und den wir auch in Zukunft erwarten - ist Testen und Bugfixing. Wir legen sehr grossen Wert auf konstante Qualität und arbeiten deshalb mit der Community an Konzepten, die Test-mechanismen und Qualitätssicherung zum festen Bestandteil der Entwicklung machen.

Sie haben IBM angesprochen. Besteht nicht die Gefahr, dass Sun die Kontrolle über Java verlieren könnte?

Wir haben die Kontrolle über Java bereits vor Jahren komplett an die Community abgegeben. Auch wenn wir sicher am meisten zu Java beisteuern. Unsere Sorge besteht jedoch nicht darin, die Kontrolle über Java zu verlieren, sondern darin, dass die Kompatibilität von Java verloren gehen könnte. Was sich in den vergangenen Jahren allerdings verändert hat, ist, dass die Community selbst grossen Wert auf die Kompatibilität legt und nun sehr darauf achtet, dass die Plattformunabhängigkeit gewahrt bleibt.



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