Top-Trends 27.06.2012, 20:00 Uhr

Das finden Software-Gurus supercool...

Die Zürcher Jazoon gilt als Trendbarometer. Denn dort trifft sich die internationale Software-Elite. CoffeeScript, C#, MongoDB - welche Trends prägen die Software von morgen?
Auf der Jazoon '12 trifft sich die Software-Entwickler-Elite der Welt. Insgesamt 480 Teilnehmer aller Nationalitäten waren in die Limmatstadt gekommen, um über «The Art of Software Development» zu diskutieren. Lieblingssprache: Java/JavaScript, bevorzugtes Lizenzmodell: Open-Source, Durchschnittsalter: 24 Jahre - so sah es meistens aus. Aber alles ist in Bewegung, und die Jungtalente von heute sind die Chefentwickler von morgen. In einigen Jahren bewegen sie Millionenbudgets, treffen richtungsweisende Business-Entscheidungen, stehen Unternehmen vor. Was finden junge Software-Gurus cool? JavaScript: Vom hässlichen Entlein zum Schwan Nun, zunächst einmal JavaScript. Der Vortrag von Thomas Schank von der ZHdK war bis auf den letzten Platz ausgebucht, inklusive der Treppenstufen wohlgemerkt. JavaScript, ursprünglich als einfache Skriptsprache für Browser-Apps konzipiert, hat Karriere gemacht. Das hatte dem früheren Einfach-Dialekt wirklich keiner zugetraut, heute kann man mit Node.js sogar Applikationsserver in JavaScript programmieren. Und auch das Performance-Argument - zu langsam für wirklich wichtige Dinge - sticht nicht mehr, seit Google seine V8-Engine entwickelt hat. Googles V8, Bestandteil von Chrome, kompiliert performance-kritische JavaScript-Komponenten in Maschinencode. Dadurch wird JavaScript superschnell. Lesen Sie auf der nächsten Seite: JavaScript - hohes Fehlerpotenzial Hohes Fehlerpotenzial Schank machte jedoch auf einige, sagen wir es höflich, Ungereimtheiten aufmerksam. Der Identitätsoperator "==" birgt erhebliches Fehlerpotenzial, die Konstruktoren zum Erzeugen neuer Objektinstanzen überzeugen nicht, das Klassenkonzept sei nicht konsequent genug umgesetzt. Kurz: Schank empfiehlt CoffeeScript, das neue und bessere JavaScript. In der Welt der Programmiersprachen entspricht das praktisch der natürlichen Evolution - also Mutation und und Auslese. Einige Features bewähren sich, andere nicht. JavaScript-Programmierern, die von ihrer Lieblingssprache trotzdem nicht lassen können, empfiehlt Schank die beiden JavaScript-Bibliotheken Backbone und Spine. Auch James Ward von Heroku (jetzt Salesforce) setzt auf das MVC-Framework Backbone. «Viele Leute tendieren dahin, ich wette auf Backbone», sagte Ward. Überall kommen neue Werkzeuge und Bibliotheken für die JavaScript-Community auf den Markt. Die Lage sei ähnlich unübersichtlich wie bei Java vor zehn Jahren, erzählt Ward. Der Software-Guru referierte nicht nur über «Web Apps with HTML5 and Java», sondern lieferte in einer halbstündigen Live-Programmiersession auch eine beeindruckende Kostprobe seines Könnens ab. «Wer mich bei einem Programmierfehler erwischt, bekommt ein T-Shirt», rief Ward provokativ ins Publikum. Interessantes architektonisches Detail: Über ein sogenanntes Content Delivery Network (CDN) werden Teile der Web Apps auf Server-Knoten zwischengespeichert, sodass beim Aufruf nicht der gesamte SourceCode von Zentral-Server auf das Enduser-Device geladen werden muss. «Das kann man auch mit mobilen Apps machen, in diese Richtung geht die Reise», betont Ward. Lesen Sie auf der nächsten Seite: Cloud-Datenbank MangoDB Cloud-Datenbank: MongoDB Ross Lawley von 10gen stellte skalierbare Apps auf der Cloud-Datenbank MongoDB vor. MongoDB arbeitet im Gegensatz zu relationalen Datenbanksystemen (RDBMS) nicht mit festen Datensatz-Schemata, sondern mit Kollektionen, die keine feste Dokumentenstruktur vorschreiben. MongoDB sei deshalb inhärent agil, so Lawley, und vermeide die zeitfressenden SQL-Joins der RDBMS. Zudem unterstützt das System über sogenannte Shards das Splitting und Management grosser Datenbestände über mehrere, geografisch verteilte Lokationen in der Cloud - eine waschechte Cloud-Datenbank also. ! TABELLE ! Auf der Kundenliste von 10gen jedenfalls finden sich bekannte Namen wieder: Cisco, eBay, SAP, Viacom, The Guardian und Disney gehören laut Lawley dazu. Für Interessierte gibt es in der Schweiz eine MongoDB-User-Gruppe, die sich in Zürich trifft.


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