20.03.2017, 06:42 Uhr

PGP ist nicht so schwer

Vor der Verschlüsselung von Mails und Dateien mit PGP schrecken viele Benutzer ab. Doch die jüngste Generation von PGP-Paketen ist anwenderfreundlicher geworden. Hier zeigen wir, wie man die Verschlüsselung bei Outlook einrichtet.
Auch Geheimdienste wie die NSA oder CIA machen sich erst über die leicht zugänglichen Daten her, bevor sie sich die Mühe machen, besser geschützte Konversationen zu knacken. Verschlüsselung wirkt also, wie etwa IT-Security-Guru Bruce Schneier schon im Computerworld-Interview ausfhrte. So hätten die Snowden-Papers gezeigt, dass die Schlapphüte sich lieber über Yahoo-Mails hermachten als über Gmail-Anwender, obwohl das Webmail von Google weitaus mehr Anwender hatte. Der Grund ist einfach: Gmail verwendete bereits standardmässig ein Krypto-Verfahren, während dies bei Yahoo nicht der Fall war.
Trotz dieser Erkenntnis, verzichten nach wie vor viele Anwender im täglichen Gebrauch auf Verschlüsselungsverfahren. Besonders frappant ist dies beim Versand von Mail. Hier schicken die meisten Zeitgenossen ihre Mails komplett offen lesbar durch die Weltgeschichte. Selbst sensible persönliche und geschäftliche Botschaften werden so wie Postkarten weitergereicht. Vor der konsequenten Mail-Verschlüsselung schrecken aber viele zurück. Die Argumente lauten: Die Kryptierung mit PGP (Pretty Good Privacy) ist zu kompliziert, die Nutzung von Webdiensten wie der Schweizer Protonmail zu umständlich, da mur Web-basiert, oder Services wie die ebenfalls helvetische, aber kostenpflichtige PEP (Pretty Easy Privacy) ist in der Gratis-Welt des Internet zu teuer. Zumindest das erste Argument, dass Gratis-Verschlüsselung mit PGP zu kompliziert ist, kann teilweise entkräftet werden. Die Pakete, die für den Einsatz von PGP zur Verfügung stehen, sind mittlerweile um einiges einfacher zu bedienen, und zwar sowohl unter Windows als auch unter macOS. Nächste Seite: Outlook lernt PGP

PGP in Outlook einrichten

Um Mails verschlüsselt mit Outlook (und mit anderen Mail-Programmen wie beispielsweise Thunderbird) zu verschicken, muss zunächst das kostenlose Software-Paket Gpg4winheruntergeladen werden. Dabei handelt es sich um eine quelloffene GnuPG-Distribution für Windows, welche die beiden Verschlüsselungsverfahren OpenPGP und S/Mime verwendet. Es enthält die Verschlüsselungs-Software GnuPG (Gnu is not Unix Privacy Guard) sowie das Schlüsselverwaltungsprogramm Kleopatra und das Outlook-Plugin GpgOL (ab Outlook 2003).
Nach erfolgter Installation muss man sich erst einmal um den eigenen Schlüssel kümmern. Hierzu dient das Hilfsprogramm Kleopatra. Unter dem Menüpunkt Datei kann ein neues Schlüsselpaar generiert werden für die eigene E-Mail-Adresse. Wichtig sind hier wohl zwei Dinge. Die Passphrase, die man sich für den geheimen Schlüssel ausdenkt, sollte man sich gut merken oder an einem sicheren Ort aufbewahren. Das gleiche gilt für das File, in dem sich der geheime, nicht öffentlichte Key befindet. Denn nur mit diesem lassen sich Meldungen, die einem verschlüsselt geschickt werden später dechiffrieren.
In Kleopatra lassen sich auch mögliche Mail-Partner erkunden, die dort ihren öffentlichen Schlüssel publiziert haben. Das Problem dabei: die wenigsten Zeitgenossen haben PGP implementiert und ihren Public Key derart veröffentlicht. Nächste Seite: Die erste verschlüsselte Mail

Die erste verschlüsselte Mail

Hat man einmal seinen eigenen Key angelegt und eventuelle öffentliche Schlüssel von Mailpartnern in Kleopatra importiert, kann man sich an das Verschicken der ersten chiffrierten Mail in Outlook machen. Bei der Installation des Gpg4win-Pakets sollte eigentlich die Erweiterung GpgOL für Outlook bereits eingerichtet worden sein. Alternativ lässt sich das Outlook Privacy Plugin installieren, das hier erhltlich ist. Wer nun das Mailprogramm öffnet verfügt über einen GpgOL-Reiter. Wird dieser angeklickt, erhält man Icons zum signieren und verschlüsseln der Mails. Dabei wird jeweils die PGP-Passphrase abgefragt. 
Dass wirklich etwas passiert mit den Schlüsseln, kann man etwa überprüfen, indem man das verschlüsselte Mail an ein Konto verschickt, das über eine Weboberfläche verfügt, welche mit PGP nichts anzufangen weiss. Hier erscheint dann im Meldungsfenster nur alphanumerischer Salat. Gut zu wissen: Nicht mehr bekommen auch all jene zu Gesicht, die sich schnüffelnd in den Mailverkehr einklinken wollen.
Gpg4win verfügt übrigens über eine sehr ausführliche Dokumentation auf deutsch und englisch, die jeden Schritt erklärt. Sie wird bei der Installation als PDF mitgeliefert. Alternativ lässt sich das Benutzerkompendium online herunterladen oder im HTML-Format konsultieren.


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