NDB in der Kritik 30.01.2020, 14:59 Uhr

Nachrichtendienst sammelt weiterhin unrechtmässig Daten

Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) sammelt mehr Informationen als ihm das entsprechende Gesetz erlaubt. Dies zeigt die parlamentarische Oberaufsicht auf.
(Quelle: Archiv CW )
Die Geschichte scheint sich zu wiederholen: Nach wie vor sammelt der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) mehr Informationen als ihm das Gesetz erlaubt. Zu diesem Schluss kommt die parlamentarische Oberaufsicht. Auch Politikerinnen und Politiker werden überwacht.
In den letzten Jahren hatten Fälle wie jene von alt SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen und der ehemaligen SP-Ständerätin Anita Fetz zu reden gegeben: Linke Politikerinnen und Politiker tauchten teils dutzendfach in den Datenbanken des NDB auf. Eine Aufsichtseingabe von grundrechte.ch veranlasste die Geschäftsprüfungsdelegation der eidgenössischen Räte (GPDel), genauer hinzuschauen.
Die parlamentarische Oberaufsicht stellt dem Nachrichtendienst in ihrem Jahresbericht kein gutes Zeugnis aus. Unter anderem verstiess der NDB gegen das Gesetz, indem er tausende nicht benötigte Zeitungsartikel, Agenturmeldungen und Texte von Internetseiten sammelte. Das gleiche gilt für die täglichen Ereignisübersichten, die die GPDel analysiert hat.
Laut GPDel ist der NDB in den meisten Fällen thematisch gar nicht zuständig. Ein weiteres Problem besteht darin, dass die öffentlich zugänglichen Informationen als personenbezogene Daten gelten, seit eine Freitextsuche möglich ist. Im Zusammenhang mit politischen Aktivitäten dürfen solche nur gesammelt werden, etwa wenn der Verdacht auf Terrorismus, gewalttätigen Extremismus oder Spionage besteht.

Meinungsverschiedenheiten

Die GPDel stützt sich bei ihrer Einschätzung auf Gutachten des Bundesamts für Justiz und auf eine Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts. Der Direktor des Nachrichtendienstes ist anderer Meinung, wie er der parlamentarischen Aufsicht mitteilte.
Er interpretiert das Gesetz so, dass Informationen nur personenbezogen sind, wenn sie in der Datenbank mit einer Person verknüpft sind. Entsprechend lehnt er die Forderung der GPDel ab, die entsprechende interne Weisung anzupassen.
Der NDB sei grundsätzlich von der Rechtmässigkeit seiner Datenbearbeitung überzeugt, er sei aber offen für Verbesserungsvorschläge, teilte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Verteidigungsministerin Viola Amherd lässt die umstrittene Frage nun durch ein Gutachten klären.
Die GPDel ortet jedoch weitere Probleme: Kritisch beurteilt sie etwa die Berichte kantonaler Nachrichtendienste. Schon vor Jahren war die Überwachung kurdischstämmiger Politiker in Basel ans Licht gekommen. Die GPDel stellte nun fest, dass die entsprechenden Informationen auch nach 15 Jahren noch nicht aus den Datenbanken des Nachrichtendienstes gelöscht worden sind.
Mängel stellte die GPDel auch bei der Auskunftserteilung fest. In einigen untersuchten Fällen waren die Auskünfte unvollständig. Teilweise fehlten Informationen über den Zweck der Datenbearbeitung, die Empfänger oder die Herkunft der Angaben.


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