Geschichte: Hackerangriffe per Diskette und Videotex

Verseuchte Bundesverwaltung

In einem vertraulichen Bericht hatte 1989 das Bundesamt für Organisation alle Virenfälle in der Bundesverwaltung dokumentiert. An die Öffentlichkeit drang nur die Aussage von Berichtsautor Bernhard Schmid: Es seien «leicht mehr» als die 75 gemeldeten Fälle. Der Rücklauf wurde zwar gelobt, aber Sorgen bereitete die Dunkelziffer. Denn wer Viren meldete, wurde von einem Untersuchungssog erfasst. In diesem Licht betrachtet, dürften sich die Computer-Freaks, die ihren Bundes-PC schon mal mit einer privaten Software-Leihgabe bereichern, beim Ausfüllen des Viren-Meldezettels eher schwergetan haben, schrieb die Zeitung.
Von «Bundeshaus-Insidern» erfuhr Computerworld dann aber doch noch diverse Details: Ein «Herbstlaub»-
Virus wurde mithilfe einer Emulations-Software über einen Grossrechner verbreitet und befiel zahlreiche Personalcomputer. Den Namen erhielt der Schädling aufgrund seiner Funktion: Bei gewissen Applikationen fielen die Daten wie Laub über die Bildschirme.
Andere Viren kamen auf Diskette in die Bundes-Informatik. Mal als Demo-Programm, in anderen Fällen als Bestandteil einer kommerziellen Software. Ein potenzieller Lieferant habe dem Bund einen «Liebesdienst» erweisen wollen, indem statt der noch nicht fertigen Software eine Zwischenversion geliefert wurde – inklusive des «Jerusalem»-Virus. Er modifizierte ausführbare Dateien so lange, bis sie nicht mehr in den Arbeitsspeicher passten, und drosselte die Rechenleistung auf ein Fünftel. Einen geringeren Produktivitätsverlust, allerdings trotzdem eine Gefahr für die Bundes-Informatik, verortete der Bericht beim Computer-Spiel «Larry». Das Sexabenteuer war bereits bei den PTT verboten, nun zog auch die Bundesverwaltung nach – als Präventivmassnahme gegen einen Virenbefall.


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