25.07.2013, 16:54 Uhr

Microsoft kann von der Schweiz lernen

Die Schweiz ist offenbar weiter ein gutes Pflaster für Microsoft. Die hiesige Niederlassung wirtschaftet erfolgreicher als der Gesamtkonzern – und benötigt keine Reorganisation.
Petra Jenner ist zufrieden mit dem Geschäft von Microsoft Schweiz
Von der Schweiz lernen heisst siegen lernen. Diese Redewendung könnte auch für Microsoft gelten. Die jüngst angekündigte Umstrukturierung des grössten Software-Herstellers der Welt ist in der hiesigen Niederlassung nicht mehr notwendig. Die Schweizer Filiale ist bereits so organisiert wie der Gesamtkonzern erst in Zukunft sein wird. Wie Petra Jenner, Country Manager von Microsoft Schweiz, am Donnerstag an einem Medienanlass sagte, sind in ihrem Verantwortungsbereich schon zentrale Organisationen wie Marketing, Sales und Support vorhanden. Jedoch hinke der Vergleich mit dem globalen Konzern etwas, denn Microsofts Herzstück – die Produktentwicklung – sei die primäre Zielgruppe der angestrebten Neuorganisation. Lediglich in Wollishofen greifen Microsoft-Programmierer in die Tasten. Von Dübendorf an das Ufer des Zürichsees zügeln die Entwickler von NetBreeze, sagte François Rüf, Mitbegründer des IT-Unternehmens, das im März von Microsoft übernommen wurde. Rüf und seine Kollegen gehen davon aus, dass die Entwicklung von NetBreeze-Technologie auch weiter in der Schweiz stattfindet. Der Anbieter von Monitoring-Lösungen für Social Media soll vornehmlich Erweiterungen für Programme aus dem Dynamics-Portfolio liefern. Der Kauf von NetBreeze ist für Landeschefin Jenner ein starkes Bekenntnis zum Standort Schweiz. Sie hat guten Grund, mit dem Geschäft hierzulande zufrieden zu sein. «Microsoft ist stärker als der Schweizer ICT-Markt gewachsen», berichtete Jenner ohne Zahlen zu nennen. Die Marktforscher von IDC haben der Informatikbranche ein Wachstum von 3,3 Prozent vorausgesagt. Schätzungen für Microsoft Schweiz gehen von einem Umsatzplus von 5 Prozent aus. Traditionell das meiste Geld verdient der Software-Konzern mit seinen Office- und Server-Produkten. Beide Unternehmenssparten haben sich nach den Worten Jenners hierzulande ähnlich wie weltweit entwickelt. Global hatte Microsoft für die Business Division ein Plus von 3 Prozent und für den Bereich Server & Tools einen Zuwachs von 9 Prozent berichtet. Einer der Treiber in der Server-Sparte in der Schweiz sei die Verwaltungslösung System Center gewesen, führte die Country Managerin aus. Sie verschwieg, dass System Center 2013 nur noch als komplette Suite erhältlich ist. Bei den Vorversionen liessen sich noch die heute zwölf Module einzeln buchen, etwa Configuration Manager oder Virtual Machine Manager. Nächste Seite: Windows 8 in der Schweiz Windows 8 wird allerorten für den Rückgang des PC-Geschäfts mitverantwortlich gemacht. Trotzdem wuchs die Firmensparte Windows hierzulande wie auch weltweit um 5 Prozent. Managerin Jenner verwies besonders auf starkes viertes Quartal des Microsoft-Geschäftsjahres, in dem der Konzern allein 25 Millionen Kopien von Windows 8 verkauft haben will. Mitte Mai war die Rede von 100 Millionen verkauften Lizenzen, nun sollen es 125 Millionen Kopien sein. «Windows 8 entwickelte sich trotz des schrumpfenden PC-Markts positiv», sagte Jenner. Mit Blick auf das neue Fiskaljahr 2014 kündigte die Landeschefin an, dass Microsoft plane, Ende August das grosse Update von Windows an die Hardware-Hersteller auszuliefern. Auf den Verkaufsstart von Windows 8.1 (kostenfrei für Benutzer von Windows 8) müssten Verbraucher und Unternehmen allerdings noch einige Wochen warten. Das gilt auch für die Aktualisierung von Windows RT. Das Surface-Tablet hat Swisscom als eines von vier Telekommunikationsunternehmen weltweit neu in sein Portfolio aufgenommen. Die jüngst angekündigte Preissenkung lässt allerdings noch auf sich warten. Keine Zeit zu verlieren haben dagegen Konsumenten und Firmen, die noch auf Windows XP setzen. Ab April 2014 will Microsoft keinen Support und keine Sicherheitsupdates mehr für das Betriebssystem liefern. Diese Frist verstreichen lassen werden nach Schätzungen von Microsoft die Besitzer von jedem fünften Computer in der Schweiz. Mit einer installierten Basis von 20 Prozent XP-Systeme rechnet der Konzern noch im April nächsten Jahres. Nach den Worten von Jenner habe Microsoft Schweiz aber unterdessen Migrationsprogramme aufgesetzt, die vom Markt gut angenommen werden.


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