Schengen 03.06.2005, 13:12 Uhr

Spammer politisieren auch in der Schweiz

Nachdem rechtsextremistische Propaganda erst kürzlich die Mail-Boxen verstopft hat, wird nun zum ersten Mal auch in der Schweiz Spam zu politischen Zwecken missbraucht. Seit gestern landet eine Anti-Schengen/Dublin-Kampagne auf tiefstem Niveau in den elektronischen Postfächern. Bei den Sicherheits-Experten von Apexis Cleanmail denkt man den Spammer zu kennen.
Erstmals versuchen Spammer mit einem grossangelegten Massenmail-Versand eine Schweizer Abstimmung zu beeinflussen. Hinter der Aktion stecken wahrscheinlich bekannte Vertreter aus der hiesigen Spam-Szene. Seit gestern landen zahlreiche Massenmails in den virtuellen Briefkästen, die mit plumper Propaganda gegen die Annahme des Schengen/Dublin-Vertrages aufrufen. Sie kommen mit Betreffzeilen wie «Schengen-Vertrag: Die Kern-Artikel» oder «Freie Fahrt für Autodiebe, Schlafzimmer-Räuber, Drogenkuriere & Asylanten» daher und beziehen sich direkt auf die Abstimmung vom nächsten Wochenende. Damit wird Spam ein weiteres Mal für politische Propaganda missbraucht. Erst Mitte Mai verstopften zahlreiche Nachrichten mit fremdenfeindlichen Inhalten die Mail-Konten der Nutzer. Doch dieses Mal ist die Kampagne direkt auf eine Schweizer Abstimmung ausgerichtet.
«So eine professionelle Spam-Aktion im Vorfeld einer Schweizer Abstimmung ist bisher einmalig», bestätigt Andreas Reinhard, Geschäftsführer des Zürcher Sicherheitsunternehmens Apexis Cleanmail. Den oder die Urheber der Propaganda-Nachrichten auszumachen ist schwer. Laut Andreas Reinhard werden die Massenmails hauptsächlich über Dial-Up-Accounts (Einwahlkonten) von gekaperten Rechnern in England und der Schweiz verschickt. Hinweise auf den Ursprung gibt es dennoch: «Die Professionalität der Aktion weist auf einen der grösseren bekannten Schweizer Spammer hin», meint Andreas Reinhard gegenüber dem PCtipp. Aber auch der Spammer wird wahrscheinlich nicht der Urheber der Nachrichten sein, sondern diese nur im Auftrag von Dritten versenden.


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