16.04.2015, 15:46 Uhr

Sourcing im digitalen Zeitalter

Die digitale Transformation hat auch Einfluss auf die Sourcing-Strategien der Unternehmen. Das «Sourcing 4.0» wird eine Kombination aus Standardisierung und individuellen Angeboten sein.
Das von Uvision organisierte Swiss IT Sourcing Forum 2015 stand ganz im Zeichen der digitalen Transformation. Rund 260 hochkarätige Entscheidungsträger von Schweizer Anwender-Unternehmen aller Branchen nahmen an der diesjährigen Konferenz im KKL Luzern teil.

Die Digitalisierung ist sowohl für IT-Dienstleister als auch -Anwender gleichermassen Chance und Herausforderung. Laut Marktbeobachtern dürfte 2015 das Jahr des (klassischen) IT-Outsourcings oder zumindest dessen Comebacks werden. Wie auch die aktuelle Studie «IT-Sourcing – die Perspektive der Anbieter» von PricewaterhouseCoopers (PwC) zutage brachte, erwarten die befragten Anbieter einen weiter wachsenden IT-Outsourcing-Markt und wollen Personal – vor allem für Near- und Onshore-, zum Teil auch für Offshore-Lösungen – aufstocken.

Komplexität wächst

Keynote-Speaker Fabian Vögeli, Manager, Business Technology Consulting Switzerland bei PwC, präsentierte am Forum die Kernergebnisse der Studie: Was die Rolle der Anbieter betrifft, wird die Angebotsvielfalt der Dienstleister steigen, was auch ein Wachsen der Komplexität für die Kunden zur Folge haben wird. Die Auswahl eines passenden und bedarfsgerechten Angebots überfordert aber vor allem kleine und mittelständige Unternehmen zunehmend. Allerdings bleiben die Anbieter in Hinblick auf ihr Dienstleistungsmodell ihrer bisherigen Strategie treu, kurz: «Es ist kein Strategiewechsel bei Outsourcing-Anbietern erkennbar», sagt Vögeli. Zudem wird, auch getrieben durch regulatorische Anforderungen, zwar nicht der Ort der Mitarbeitenden, aber die geografische Lage der Datenhaltung immer wichtiger. Die Relevanz von Referenzprojekten hingegen wird von den Dienstleistern überschätzt.

Multi-Provider-Outsourcing

Generell geht der Trend hin zum Multi-Provider-Outsourcing. Outsourcing-Kunden ist ein Anbieter mit spezialisiertem Portfolio wichtiger als einer mit generalistischem Angebot. Das bestätigte auch Roberto Fedele, CIO der Valora Gruppe, in seinem Praxisreferat. Das Unternehmen verfolgt je nach Anforderung unterschiedliche Sourcing-Ansätze. Da, wo es vornehmlich um Standardisierung und Stabilität geht, betreibt Valora nach wie vor klassisches Single-Provider-Sourcing, so Fedele. Für die neue Applikationen-Welt beispielsweise hingegen eher Multi-Sourcing. Valora hat letztes Jahr eine Effektivitätsanalyse bezüglich Sourcing-Strategien für die digitale Welt durchgeführt. Das Ergebnis: Multi-Provider-Sourcing ist besser als Single-Provider-Sourcing, inkrementelle Sourcing-Ansätze besser als «all at ones».
 
«Zudem stellten wir fest, das generell kürzere Laufzeiten besser sind als lange, sowie Zwei-/Drittgenerationen-Sourcing besser als Erst-Generation», erläutert Fedele. Er empfiehlt unter anderem disruptive Ansätze zuzulassen und in bestehenden Kunden-Provider-Beziehungen von Anfang an dafür Voraussetzungen zu schaffen. «Die Digitalisierung erfolgt entlang von Wertschöpfungsprozessen. Das klassische Sourcing entlang von 'Towers' ist dafür nicht geeignet.» Lesen Sie auf der nächsten Seite: Standardisierung und Individualangebote

Bedarf an Standardisierung

Laut PwC-Studie schreitet die Standardisierung von Dienstleistungen voran. Gleichzeitig möchten die Kunden spezialisierte Anbieter. «Schon heute möchten die Kunden einen Sourcing-Mix», sagt Vögeli von PwC an der Podiumsdiskussion.  Das «Sourcing 4.0» wird eine Kombination aus Standardisierung und individuellen Angeboten sein. Und das Handling von grossen (unstrukturierten Daten), Stichwort Big Data, wird künftig zur Kernkompetenz der Anbieter mutieren. Anbieter müssen noch agiler und flexibler agieren, ist Peter Hecker, Director, ISG Information Services Group, sicher, die Kunden müssen ihrerseits die Fähigkeiten aufbauen, die Services zu integrieren, Vögeli abschliessend. Mehr zum Thema lesen Sie in unserem Outsourcing-Schwerpunkt der Heftausgabe 7, die am 4. Mai 2015 erscheint.


Das könnte Sie auch interessieren