24.10.2014, 08:00 Uhr

Schweizer ziehen Arbeitsinhalt dem Geld vor

Bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz achten Schweizer hauptsächlich auf den Inhalt und nicht so sehr aufs Geld. Vorgesetzte loben und tadeln noch zu wenig.
Eine anspruchsvolle Arbeitstätigkeit ist Bewerbern in der Schweiz wichtiger als das künftige Gehalt. Auch die Autonomie am neuen Arbeitsplatz und die Stellensicherheit rangieren bei den Kandidaten noch vor dem Geld – ebenfalls eine Besonderheit des Schweizer Arbeitsmarkts. Das sind Ergebnisse der «Global Workforce Studie» des Personalberatungsunternehmens Towers Watson. Für die Erhebung wurden 505 Angestellte von einheimischen Firmen befragt. Weltweit haben an der Studie 32'000 Arbeitnehmer teilgenommen. Die Schweizer Rangliste der besten Argumente bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter lautet: herausfordernde Tätigkeit, Arbeitsplatzautonomie und Job-Sicherheit. Global orientieren sich die Stellensuchenden an anderen Kriterien: Das Gehalt steht an erster, die Sicherheit an zweiter und die Karriere-Entwicklung an dritter Stelle. Immerhin: Die Personalabteilungen international sehen Karriere, Gehalt und die herausfordernde Tätigkeit als wichtigste Argumente an, wenn sie Talente für ihr Unternehmen gewinnen wollen. Das erklärte Hans Münch, Leiter Talent & Rewards bei Towers Watson, anlässlich der Studienpräsentation in Zürich.
Für die Mitarbeiterbindung setzen HR-Verantwortliche global auf Gehalt, Karriere-Entwicklung und ein gutes Verhältnis zu den direkten Vorgesetzten. Damit sollten sie erfolgreich sein – in der Schweiz und weltweit. Denn hiesige Angestellte binden Geld und Karriere an einen Arbeitgeber. Zusätzlich möchten sie der Unternehmensführung vertrauen können. «In der vergleichsweise kleinen Schweiz kennen und beobachten die Mitarbeiter eher ihren CEO. Das ist beispielsweise in den USA selten», begründete Personalberater Münch. Nächste Seite: Schweizer wollen anders geführt werden Die Führung von Abteilung und Gesamtkonzern beurteilen Schweizer sowie die Mitarbeiter weltweit grösstenteils als zufriedenstellend. Jeweils rund 20 Prozent der Angestellten sind mit dem CEO und ihrem direkten Vorgesetzten unzufrieden. Mit «Zufriedenheit» meinen die Arbeitnehmer hierzulande jedoch etwas anderes als die Angestellten global. Die Schweizer sind zufrieden, wenn sich die Führungsmannschaft um das wirtschaftliche Wohlergehen der Gesamtunternehmung kümmert. Weltweit wollen Mitarbeiter hauptsächlich von den Vorgesetzten zu Mehrleistung angehalten werden. Erst nachrangig sollen die Führungskräfte für den Geschäftserfolg sorgen.
Die Mehr- oder Minderleistung der Angestellten wird von Führungskräften in der Schweiz zu wenig finanziell gewürdigt. Nur jeder dritte Arbeitnehmer hierzulande (33 Prozent) sagt, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen Leistung und Entlohnung gibt. Global sieht fast jeder zweite Angestellte (45 Prozent) eine direkte Beziehung zwischen Performance und Gehalt. Laut Personalberater Münch sind beide Werte beeindruckend tief. «Vorgesetzte scheuen offenbar Kritik bei zu wenig Arbeit aber auch Lob bei herausragenden Leistungen», erklärt er. Diese Praxis ist in der Schweiz noch stärker verbreitet als in Unternehmen jenseits der Grenzen.


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