Cyber-Attacken 14.10.2015, 14:55 Uhr

Schweizer Spitäler sind verwundbar

Sind unsere Spitäler gegen Angriffe von Hackern geschützt? Elektroingenieur Martin Darms ist im Rahmen seiner Masterarbeit dieser Frage wissenschaftlich nachgegangen und bringt Erschreckendes zu Tage.
Die Auswertung der im Rahmen einer Masterarbeit systematisch erhobenen Messdaten spricht für sich: Nur 84 Prozent der Spitäler sind genügend gegen Cyber-Attacken gewappnet. Zum Teil bestehen gar gravierende Schwachstellen, auch dies zeigt Darms in seiner Diplomarbeit «Gefährdung Schweizer Spitäler gegenüber Cyberangriffen».
Die Studie arbeitet mit einem eigens entwickelten Gefährdungsindex, den Hospital Vulnerability Index, abgekürzt HVX. Anhand dieses Indexes sind die verschiedenen Spitäler miteinander vergleichbar. Werte über 100 deuteten darauf hin, dass das betreffende Spital anfällig auf Angriffe ist. Je kleiner dieser Wert ist, desto besser ist das Spital von extern sowie auch von Angriffen innerhalb des Spitalnetzes geschützt.

Potentiell schlimme Folgen

Ein Angriff auf ein Krankenhaus kann verheerende Folgen haben: Vom harmlosen Ausfall der Homepage des Spitals bis hin zur vollständigen Lahmlegung eines Spitalbetriebs ist alles möglich. Im schlimmsten Fall mit tödlichem Ausgang für Pflegebedürftige. Man denke an Notfall-Patienten, welche z. B. an Lungenmaschinen angeschlossen sind, oder an den Fall, dass dringende Untersuchungen mit medizinischen Geräten gemacht werden müssten, diese Geräte jedoch nicht verfügbar sind. Dadurch kann keine oder eine falsche Diagnose gestellt werden. Nächste Seite: Riesige Unterschiede zwischen den Spitälern «Ich arbeite seit über 20 Jahren bei Medizinfirmen, und deshalb erstaunen mich die internen Tests nicht», kommentiert Martin Darms die Ergebnisse seiner Studie. «Ich kenne die Situation von beiden Seiten. Was mich jedoch überrascht hat, sind die doch sehr unterschiedlichen Sicherheitsniveaus. Es gibt Differenzen im Bereich des 10-fachen!» Dies bedeutet, dass manche Krankenhäuser 10-Mal schlechter geschützt sind als andere.
Für die internen und externen Messungen verwendete Darms die Lösung VulnWatcher des auf IT-Schwachstellen-Analyse-Software spezialisierten Schweizer Unternehmens First Security Technology. Mit Einwilligung der jeweiligen IT-Verantwortlichen untersuchte Darms 523 Systeme (Medizingeräte, Server, Clients) auf Schwachstellen. Die Daten wurden in 7 der insgesamt 278 Spitäler und Kliniken in der Schweiz gesammelt, dies entspricht  2,5 Prozent aller Schweizer Spitäler und 4,1 Prozent aller Pflegetage in der Schweiz. Für einen besseren Vergleich der Resultate und als Referenz zog er zusätzlich eine Klinik in Deutschland in die Analyse mit ein, hier fanden Messungen an über 200 Systemen statt. Von Mitte Februar bis Anfangs April 2015 wurden insgesamt fast 90 Stunden lang Scans vorgenommen, dabei entstanden über 5000 Seiten Scanberichte, welche die Studie auswertet. Nächste Seite: Aussen gut geschützt, innen löchrig

Von Aussen … relativ gut geschützt

Die Auswertung zeigt, dass die meisten Spitäler von aussen her gut geschützt sind. Pro untersuchtem Host existieren 0,53 kritische Schwachstellen. Mit anderen Worten: Auf jedem zweiten System war eine kritische Schwachstelle vorhanden. Bedeutende Schwachstellen waren durchschnittlich pro System 6,21 vorhanden. D.h. für einen Angreifer aus dem Internet ist es relativ schwierig ins interne Spitalnetz zu gelangen.

Von Innen … löchrig wie Schweizer Käse

Ganz anders ist es um die Sicherheit in den internen Netzwerken der Spitäler bestellt, hier bestehen gravierende Schwachstellen. Stark veraltete und nicht mehr unterstützte Betriebssysteme, Standardpasswörter, ungeschützte Testserver – das sind die häufigsten Einfallstore für Angreifer.
Intern vorgenommene Messungen zeigen, dass pro untersuchten Host 1,01 schwerwiegende Schwachstellen existieren. Mit anderen Worten: Im Durchschnitt gab es auf jedem System eine kritische Schwachstelle. Bedeutende Schwachstellen waren durchschnittlich 2,85 pro System vorhanden. Es existieren über 70‘000 Schwachstellen in den verschiedensten Betriebssystemen und Softwarekomponenten, wobei über 10‘000 Schwachstellen als kritisch eingestuft werden. Die Tendenz der neu entdeckten Schwachstellen zeigt stetig nach oben.


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