23.11.2016, 09:06 Uhr

Wie die Schweiz Europas Digital-Nation Nummer 1 werden will

Die Schweizer Politik und Wirtschaft wollen die Digitalisierung gemeinsam angehen, so der Inhalt eines Manifests, das von Polit- und Wirtschaftsgrössen ausgearbeitet wurde.
Mitte September wurde die Initiative DigitalZurich2025 beerdigt und digitalswitzerland geboren. Neu wollen die Initianten, ein Konsortium aus Wirtschaft und Politik, angeführt von Ringier CEO Marc Walder, nicht mehr nur Zürich, sondern die Schweiz in eine bessere digitale Zukunft führen. Nachdem nun zwei Monate lang überhaupt nichts geschah, sind seit heute erste Ambitionen von digitalswitzerland bekannt. Sie könnten grösser nicht sein. In einem «Digitalen Manifest» wird der Bund unter anderem aufgefordert, in den nächsten zehn Jahren zwei Milliarden Franken der ETH und EPFL zur Verfügung zu stellen und Gesetze auf ihre Tauglichkeit hinsichtlich der digitalen Transformation zu überprüfen. Werden sämtliche Punkte des Manifests – das bisher erst in einem Entwurf existiert und am 24. Januar 2017 im Rahmen des Worldwebforums offiziell vorgestellt werden soll – erfüllt, sind sich die Initianten sicher, dass «die Schweiz damit zur Nummer 1 Europas bei der digitalen Transformation wird».
Am Manifest hat – das ist der grosse Pluspunkt von DigitalSwitzerland – viel Prominenz mitgearbeitet. 50 selbsternannte «Digital Shaper», darunter Swisscom-CEO Urs Schaeppi und Ständerat Ruedi Noser (FDP), sowie Bundesrat Johann Schneider-Ammann, erarbeiteten es. In vier parallel laufenden Workshops zu den Themen «Startups», «Bildung und Forschung», «Daten und Infrastruktur» und «Digitale Wirtschaft» wurden Herausforderungen diskutiert und Massnahmen verabschiedet. Der Entwurf enthält acht Themen, wir fassen sie auf der nächsten Seite zusammen.

Digitales Manifest für die Schweiz

Gesellschaft: Akteure der digitalen Transformation, die Digital Shapers, sollen im stetigen Dialog mit der Bevölkerung stehen.  Regulierung: Regulierung soll primär neue Ideen ermöglichen, statt bestehende Geschäftsmodelle zu schützen. Geltende Gesetze sollen auf ihre Tauglichkeit für die digitale Transformation überprüft werden.  Infrastruktur: Der Staat soll verpflichtet werden, Mehrwert aus Daten zu generieren. Mit seinen eigenen Daten soll der Staat eine Vorreiterrolle einnehmen. Bildung: Bereits Kinder sollen kreieren und lernen, wie man digitale Inhalte schafft. Die Lehrer sollen entsprechend aus- und weitergebildet werden. Forschung: ETH und EPFL sollen vom Bund in den nächsten zehn Jahren zwei Milliarden erhalten.  Innovationen: Neue Ideen sollen erst besteuert werden, nachdem sie Gewinne abwerfen. Ein privat geführter Zukunftsfonds soll zudem ermöglichen, dass genügend Kapital und Expertenwissen den Jungunternehmen zur Verfügung gestellt werden. Wirtschaft: Grosse etablierte Firmen haben die Aufgabe,  ihre Geschäftsmodelle im digitalen Umfeld kannibalisieren zu lassen und die Zusammenarbeit mit Start-ups zu unterstützen und zu fördern. Der Bund soll dem Vorbild der skandinavischen und baltischen Staaten folgen und die Bürger beim digitalen Wandel wo immer möglich unterstützen.  Jobs und Wohlstand: Der Staat soll Arbeitsmärkte flexibilisieren in Bezug auf die Arbeitszeiterfassung und Arbeitsmodelle. Auf die bisherige Unterscheidung zwischen selbstständigen und unselbstständigen Erwerbenden soll zudem verzichtet werden. Ausserdem brauche man auch die besten Talente weltweit.
Dieser Manifest-Entwurf gehört zum ersten von fünf angedachten Kapiteln, die DigitalSwitzerland anpacken will (Kommuikation und Rahmenbedingungen). Auf Nachfrage hiess es, dass dieses Manifest das erste von fünf angedachten «Chapters» von DigitalSwitzerland sei. Ein weiteres sei eine Plattform, die nach Weiterbildungsmöglichkeiten im Digitalisierungsbereich suchen lässt. Allerdings wurde diese noch von DigitalZurich2025 lanciert. Weitere Projekte kommunizierte digitalswitzerland nicht, man könne aber in den nächsten zwei bis drei Wochen mit mehr News rechnen.


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