15.02.2013, 11:49 Uhr

Oracles strategisches Dilemma

Oracle-Kunden seien an den «Cloud Fusion Apps» nicht interessiert, sagt Forrester. Demgegenüber wirft Oracle dem Analystenhaus Falschdarstellung vor. Wer hat recht?
Oracle beschwert sich heftig über Forrester Research. Das Analystenhaus hatte jüngst behauptet, die meisten Kunden seien an Oracles «Fusion Applications» gar nicht interessiert. Forrester stützt seine deftige Behauptung auf eine Markterhebung, an der auch 139 Unternehmen teilgenommen haben, die sich selbst als «Oracle Application User» bezeichnen. Zurzeit nutzen etwa 400 Kunden weltweit die Fusion Apps, ein «Tropfen im Ozean», so Forrester. Die Fusion Apps, das ist ein modular aufgebautes Portfolio aus gut 100 Business-Applikationen für HR, Financials, Sales, Marketing, Projekt- und Supply-Chain-Management, das Oracle vor eineinhalb Jahren auf den Markt brachte. Die in Java programmierten Fusion Apps laufen on-premise und in der Cloud, was Oracle punkto hybride Cloud-Architekturen zurecht als Vorteil herausstreicht. Kunden wählen aus dem Apps-Portfolio die von ihnen benötigten aus. Die Schweizer Grossbank UBS etwa nutzt Human Capital Management von Oracle. Laut Forrester steckt das Unternehmen jedoch in einem veritablen strategischen Dilemma, sei Opfer des eigenen Erfolgs. Oracle verdient nach wie vor viel Geld mit seinen älteren Produktlinien, etwa der Datenbank, der E-Business-Suite, JD Edwards ERP oder PeopleSoft CRM. Die meisten Kunden sehen deshalb keinen Grund, auf die Fusion Apps zu migrieren. Sie sind schlicht und einfach mit dem zufrieden, was sie bereits haben.

Strategie der Co-Existenz

Oracle dagegen wirft den Forrester-Analysten Unkorrektheit vor. Die Fusion Apps seien keine Ja- oder Nein-Entscheidung, wie von Forrester nahegelegt wird. Oracle habe Kunden nie gedrängt, auf die Fusion Apps zu migrieren. Vielmehr nutzen Unternehmen die Apps, um ihre existierenden Lösungen Schritt für Schritt zu ergänzen oder zu erweitern. Es geht um Co-Existenz, nicht um entweder - oder. Oracles Antwort auf Forrester fällt ungewöhnlich scharf aus. Normalerweise werden Analysten- und Journalisten-Urteile gar nicht kommentiert. Das lässt Rückschlüsse auf eine gewisse Sensitivität zum Thema aufseiten von Oracle zu. Fest steht aber auch: Der Business-Software-Markt bewegt sich eher wie ein Dampfer, nicht wie ein Schnellboot. Business-Software-Anbieter brauchen einen langen Atem. Kunden installieren sich ein neues Cloud-ERP nicht so schnell wie eine iPhone-App.


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