«Wir haben früh reagiert, das gab uns einen Vorsprung»

Über 300 IT-Chefs haben in der Swiss-IT-Studie Trends, Projekte und Herausforderungen 
benannt. Wie Franz Bürgi die Ergebnisse 
der Swiss-IT-Studie 2020 sieht.

CW: Fasst man die Daten der jüngsten Swiss-IT-Studie kritisch zusammen, kann man sagen: CIOs müssen mit ihren IT-Teams die Digitalisierung des Unternehmens meistern. Allerdings fehlen ihnen genügend Fachkräfte, es mangelt an Budgets und moderne Technologien sind teils unausgereift. Und fragt man das Management auf der Business-Seite, wird IT noch immer vor allem als Kostenträger, anstatt als strategische Notwendigkeit betrachtet. Inwieweit teilen Sie diese Ansicht?
Bürgi: Dass CIOs und IT-Teams diesen Spagat zwischen der Notwendigkeit zur digitalen Transformation und gleichzeitigem Kostendruck meistern müssen, ist nichts Neues und auch tatsächlich kein Waldspaziergang. Nichtsdestotrotz führt kein Weg daran vorbei. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass eine mittelfristige Kostenreduktion auch kurzfristige Investitionen erfordert. Dass die Firmen-IT in den Köpfen der internen Kunden teilweise noch immer als Kostenverursacher wahrgenommen wird, ist schade.
CW: Welche Lösung schlagen Sie vor?
Bürgi: Hier arbeiten wir aktuell daran, unsere Services und deren Preis-Leistungs-Verhältnis so transparent darzustellen, dass auch ein Marktvergleich möglich ist. Aufgrund der neuen Unternehmensstruktur der TX Group sind die Subgruppen nicht verpflichtet, alle von der internen IT erbrachten Leistungen in Anspruch zu nehmen. Das heisst, wir müssen ohnehin agieren wie ein externer Lieferant, der regelmässig auf dem Prüfstand steht. Sie können sich vorstellen, dass das nicht immer leicht ist. Aber wir nehmen diese grosse Herausforderung mit viel Ehrgeiz an.
“Das Top-Management hat die digitale Transformation konsequent unterstützt„
Franz Bürgi, TX Group
CW: Gemäss der Swiss-IT-Studie 2020 ist der Fachkräftemangel der grösste Pain Point von IT-Leitern bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Wie begegnen Sie dem Fachkräftemangel in der IT? Welche Rolle spielt dabei die interne Weiterbildung bei der TX-IT?
Bürgi: Den Fachkräftemangel spüren auch wir. Deshalb hat die TX Group in den letzten drei Jahren in Belgrad ein Engineering Center mit über 130 Spezialistinnen und Spe­zialisten aus allen Bereichen aufgebaut. Darüber hinaus haben wir mit der TX Academy eine interne Plattform geschaffen, damit sich die Mitarbeitenden konstant weiterbilden können. Es handelt sich dabei um Kurse in den 
Bereichen Technology and Security, Product and User Ex­perience, Marketing and Analytics, Team and Personal 
Methodology, Management and Leadership sowie Change Management. Darüber hinaus bieten wir unseren Leuten die Möglichkeit, von sogenannten Micro Mentorings zu profitieren. Und mit Slack haben wir eine interne Kommunikationsplattform, auf der viel Wissen geteilt wird. Ohnehin wollen wir es schaffen, dass die TX Group sich zu einer lernenden Organisation entwickelt, in der es selbstverständlich ist, Wissen zu teilen und allen zugänglich zu machen. Damit stärken wir langfristig das Employer Branding, um auch Talente aus der Schweiz anzuziehen.
CW: Die IT-Sicherheit hat bei vielen Ihrer Peers im Jahresverlauf an Bedeutung hinzugewonnen. Als Medien- und E-Commerce-Unternehmen müssen Sie hochsensible Daten verwalten. Wie steht es um die IT-Sicherheit der TX Group?
Bürgi: Mein Kollege Andreas Schneider, unser Chief Information Security Officer (CISO), hat in den letzten beiden Jahren die Cybersecurity auf ein neues Level gebracht. Dies dank Massnahmen wie der Einführung von Endpoint Detection and Response (EDR), dem Launch eines Bug-Bounty-Programms, dem Ausbau unserer Security Operations Center Services und der Intensivierung von IT-Sicherheit in den agilen Projekten und digitalen Firmen nach dem Prinzip DevSecOps. Dadurch sind wir aktuell sehr gut aufgestellt.
CW: Welche aktuellen Projekte beschäftigen Sie im 
Bereich IT-Sicherheit?
Bürgi: Derzeit arbeiten Andreas und sein Team mit Hochdruck daran, die TX Group fit zu machen für Beyond Corp, Googles Zero-Trust-Architektur: Die Idee ist, dass es am Ende kein internes Netzwerk mehr gibt, das anfällig ist für Cyberangriffe. Im Fokus stehen vielmehr Services, die einzeln und nach den höchsten Sicherheitsstandards arbeiten und gleichzeitig über das Internet verfügbar sind. Das bedeutet, dass letztendlich nicht mehr die einzelnen Firmen-Laptops geschützt werden müssen, sondern nur die Services. Und von denen sind die grosse Mehrzahl inzwischen Public Cloud Services wie Salesforce oder Workday, die 
ohnehin die höchsten Sicherheitsstandards erfüllen.


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