CIO of the Year im Gespräch 06.07.2020, 05:58 Uhr

«Wir haben früh reagiert, das gab uns einen Vorsprung»

Medienhäuser bewegen sich zwischen Extremen. Die Anzeigenumsätze schmelzen und im Marktplatzgeschäft steht man mit Riesen wie Google und Amazon im Wettbewerb. Wer hier bestehen will, benötigt ein exzellentes IT-Team. Wie das von Franz Bürgi, IT-Chef der TX Group.
Franz Bürgi leitet die IT der TX Group. Für seine Arbeit wurde er als CIO of the Year 2019 ausgezeichnet.
(Quelle: TX Group)
Tagi, Ricardo, Goldbach und viele Marken mehr: Die TX Group vereint über 50 Brands unter einem Dach. Und alle haben unterschiedliche Ansprüche und Anforderungen an die IT. Neben dem alltäglichen IT-Betrieb fordert die digitale Weiterentwicklung der verschiedenen Geschäftssparten die IT-Abteilung.
Kein leichtes Unterfangen, insbesondere wenn ein Unternehmen im Medien­geschäft mit wegbrechenden Anzeigenumsätzen und im Plattform-Business mit globalen Giganten zu kämpfen hat.
Dieser Herausforderung stellt sich TX-Group-CIO Franz Bürgi mit 190 Kolleginnen und Kollegen – erfolgreich: Für seine Leistungen ist Bürgi zum Schweizer CIO des Jahres ausgezeichnet worden. Bürgi sieht darin vor allem eine Auszeichnung für das IT-Team und das Top-Management, das die IT unterstützt. Im Interview erläutert Bürgi die Ziele der TX-IT, wie sich sein Team in der Corona-Krise schlägt und welche weiteren Digitalprojekte auf der Agenda stehen.
Computerworld: Die Covid-19-Pandemie hat zu einem Härtetest der Firmen-IT geführt. Wie haben Sie die Umstellung erlebt? Wie robust ist die IT der TX Group?
Franz Bürgi: Die IT der TX Group erweist sich in diesen 
unsicheren Zeiten als sehr robust. Die Gruppe hat schnell reagiert und mit Ausnahme der Produktionsbereiche Druck & Vertrieb arbeitet die ganze Belegschaft seit Mitte März ohne Probleme im Home Office. Dank der vor drei Jahren initiierten Gesamterneuerung der wesentlichen IT-Plattformen und der konsequenten Cloud-Strategie verfügen wir heute über optimale Voraussetzungen: Die meisten Kern-Applikationen sind browserbasiert und wir unterstützen in der ganzen Gruppe den BYOD-Ansatz. Darüber hinaus ist unsere IT-Security sehr stark aufgestellt, beispielsweise dank einer Single-Sign-on-Lösung von Okta. Die TX Group hat schon zu Zeiten von Tamedia eine auf Googles G Suite basierende Kultur der Remote-Zusammenarbeit gefördert. In vielen Bereichen innerhalb der TX Group spielt es daher keine Rolle, ob nun jemand vor Ort anwesend ist oder zu Hause im Home Office arbeitet. Daher verlief die Umstellung aus technischer Sicht reibungslos.
CW: Inwieweit ergaben sich dennoch Schwachstellen und wie haben Sie diese überbrückt?
Bürgi: Die Migration auf die neuen Cloud-Plattformen ist noch nicht in allen Bereichen abgeschlossen. Zum Teil wird auch noch mit Desktops gearbeitet. Deshalb haben wir kurzfristig weitere Laptops eingekauft sowie die VPN-Kapazität deutlich erhöht. Wir haben allerdings früh reagiert und uns daher einen Vorsprung verschafft.
CW: Die Covid-19-Pandemie und ihre Folgen haben das Business Continuity Management in den Fokus gerückt. Wie gehen Sie das Thema an?
Bürgi: Die TX Group verfügt über ein umfassendes Business Continuity Management – insbesondere im Produktionsbereich. Mit dem Eintreten der Pandemie haben wir diese Pläne überprüft und wo nötig angepasst. Grundsätzlich 
sind wir als IT sehr stark in die Prozesse des Krisenstabs ein­gebunden und konnten dank schneller Entscheide frühzeitig reagieren. Deshalb ist fast die komplette Umstellung vom Büro ins Home Office sehr gut gelungen.
CW: Sie haben vor drei Jahren die Verantwortung für die IT bei TX übernommen, damals noch Tamedia. Wie haben Sie die IT vorgefunden?
Bürgi: Ich habe eine sehr solide aufgestellte IT angetroffen – mit einer guten operativen Performance. Zu diesem Zeitpunkt war die digitale Transformation bereits im Gange. Ausgelöst wurde der organisatorische Wandel durch den zielgerichteten Einsatz digitaler Technologien wie etwa die Umstellung auf G Suite. Tamedia musste mit der rasch fortschreitenden Digitalisierung Schritt halten, weil sie durch die Entwicklung im Publishing-Markt und auch durch den Push der digitalen Tochterfirmen unter Druck stand. Damals betrieben wir aber noch eine Reihe von Legacy-Applikationen, die dank der neuen Digitalstrategie und dem starken Buy-in des Managements gezielt abgelöst wurden.
CW: Die TX Group vereinigt heute über 50 Marken unter ihrem Dach. Wie ist die IT-Organisation strukturiert und wie viele Mitarbeitende umfasst die IT?
Bürgi: Die zentrale IT-Organisation der Gruppe umfasst rund 150 Mitarbeitende. Hinzu kommen rund 40 zusätz­liche Fachleute in unserem Engineering Center in Belgrad. Weitere Technologie- und IT-Teams arbeiten dezentral in unseren Geschäftseinheiten sowie Tochterfirmen und sind daher in der ganzen TX Group verteilt. Dieses Set-up fördert die Agilität und sorgt für einen gesunden Wettbewerb 
sowie einen marktorientierten Ansatz.
CW: Welche Bereiche verantworten Sie selbst?
Bürgi: Alle Produkte und Kern-Applikationen, mit denen wir strategische Ziele verfolgen, entwickeln wir mehrheitlich in Eigenregie – manchmal zusammen mit exklusiven 
Partnern. Gute Beispiele sind sämtliche News-Portale, die 
E-Commerce-Plattformen mit massgeschneiderter User 
Experience entlang des gesamten Customer Life Cycle 
sowie unsere Projekte in Machine Learning und KI.
CW: Und was haben Sie ausgelagert?
Bürgi: Commodities und Services für standardisierte Business-Prozesse lagern wir jedoch weitgehend aus. Hier nutzen wir konsequent Standardprodukte aus der Cloud: Zum Beispiel die CRM-Lösung von Salesforce, Collaboration-Plattformen von Google und Slack, ein ERP-Modul für 
Finance, Identity Management von Okta oder die Infrastruktur und Services von AWS.
Zur Person
Franz Bürgi
ist seit 2017 Group CIO der TX Group (vormals Tamedia). In dieser Funktion bauen er und sein Team die internen IT-Kompetenzen weiter aus mit dem Ziel, den Transformationsprozess der Gruppe zum 
digitalen Hub optimal zu unterstützen und voran­zutreiben. Der 57-jährige Bürgi hat einen Abschluss als Ingenieur der Elektrotechnik der ETH Zürich. Auch hat er einen Executive MBA an der Universität St. Gallen absolviert. 
Die Medienbranche kennt er aus eigener Erfahrung, unter anderem als CIO von Espace Media Groupe von 1999 bis 2008. Seine Stärken liegen – neben Führungsaufgaben – bei der Gesamtleitung technischer Change- und Integrationsprojekte mit speziellem Augenmerk auf Organi­sation und Prozesse.

Im Herbst letzten Jahres wurde Franz Bürgi zum CIO des Jahres ernannt. Das hat der Un­ter­nehmens-IT neue Möglichkeiten eröffnet.

CW: Sie sind im zurückliegenden Herbst als CIO des Jahres ausgezeichnet worden. Die Jury urteilte: «Bürgi überzeugte mit seinem Mut, das gesamte Unternehmen radikal zu verändern. Gemeinsam mit seinem Team leistete er einen wesentlichen Beitrag, damit Tamedia (TX) die Transformation zu einer Technik- und Daten-getriebenen Firma geschafft hat.» Welche radikalen Ver­änderungen haben Sie durchgesetzt?
Bürgi: Den CIO Award zu erhalten, war eine grosse Ehre für mich. Zwar steht nominell nur eine Person im Blickpunkt, aber in Wirklichkeit gebührt der Award den vereinigten Technologie-Teams der TX Group, die in den vergangenen drei Jahren die digitale Transformation so konsequent 
vorangetrieben haben. Elementar in meinem Bereich war die Veränderung der Denkweise und Wahrnehmung von aus­serhalb: Vom unternehmensinternen Dienstleister hin zum aktiven Treiber von Innovation, der gleichzeitig die langfristige Verantwortung für die Stabilität und Sicherheit der gesamten IT-Infrastruktur übernimmt. Radikal ist sicher unsere Digitalstrategie: Es gibt Prinzipien, die sind un­verhandelbar: Cloud First, API First, Cybersecurity First und die konsequente Innovation im Dienste des Business. Damit haben wir einen enormen Schub an Innovationsfreudigkeit, Neugier und Schnelligkeit ausgelöst.
CW: Wie haben Sie die Geschäftsleitung überzeugt?
Bürgi: Wir sind in der glücklichen Lage, dass das Top-
Management immer grosses Interesse an unseren Themen zeigte und die digitale Transformation der Gruppe kon­sequent unterstützt. 2017 gewährte uns der Verwaltungsrat einen Betrag von rund 50 Millionen Franken über drei Jahre. Diese substanziellen Investitionen haben es ermöglicht, uns optimal aufzustellen und die strategischen Schlüsselprojekte konsequent umzusetzen.
CW: Die Jury lobte auch die Transformation der TX Group hin zu einem technik- und datengetriebenen Unternehmen. Können Sie ein paar Beispiele nennen, wo Ihre IT-Strategie neue Stossrichtungen für das Business eröffnet hat?
Bürgi: Im Vordergrund stehen aktuell Projekte in den Bereichen Digital Publishing and Sales. Hier arbeiten wir daran, die Technologie-Stacks von Grund auf zu erneuern. Das Business soll so eine flexible und skalierbare Plattform erhalten, um Inhalte und Produkte mit hoher Flexibilität sowie Effizienz zu erstellen und zu bewirtschaften. Erwähnenswert ist auch der Aufbau eines gattungsübergreifenden CRMs und einer hocheffizienten Billing-Plattform. Es geht darum, allen Subgruppen und Business Units der TX Group bestimmte Commodity-Services zu unschlagbaren Preisen via APIs bereitzustellen, damit diese sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.
CW: Haben Sie nun alle sich gesetzten Ziele erreicht, oder wie sieht Ihre weitere IT-Strategie aus?
Bürgi: In der IT kann man heutzutage nie alle Ziele erreichen. Denn bevor man sie erreicht hat, stehen bereits die nächsten Herausforderungen an. Derzeit liegt unser Fokus auf der Steigerung des Digitalisierungs- und Automatisierungsgrads unserer internen IT-Prozesse. Auf diese Weise können wir unsere Leistungen in gleicher oder besserer Qualität erbringen und gleichzeitig Kosten einsparen. Ein aktuelles Beispiel ist die möglichst weitgehende Automatisierung des beim HR beginnenden Onboarding-Prozesses für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Denn zum Zeitpunkt des Eintritts sollen sie schon mit sämtlichen Ge­räten, Werkzeugen und Applikationen ausgestattet sein, und das mit möglichst wenig manuellem Aufwand für die IT.
CW: Inwieweit hilft Ihnen die Auszeichnung bei der 
Umsetzung Ihrer Ziele? Haben Sie nun einen Freifahrtschein für die Umsetzung Ihrer weiteren Strategie?
Bürgi: Tatsächlich hat sich die Verleihung des Awards sehr positiv ausgewirkt und die interne sowie externe Wahr­nehmung des Technologiebereichs der TX Group spürbar erhöht. Diese Auszeichnung und die öffentliche Würdigung unserer Leistungen hat uns sehr gefreut. Ein Freifahrtschein ist das aber keinesfalls, weil die Herausforderungen, aber auch die Erwartungen an uns nicht kleiner werden. Hinzu kommt der weiter zunehmende Kostendruck, der sich nun durch Covid-19 und die daraus resultierende negative Marktentwicklung weiter verschärfen dürfte.
Zur Firma
Die TX Group
ist ein Netzwerk digitaler Plattformen. Die Gruppe bildet das Dach für vier
eigenständige Unternehmen: TX Markets umfasst die digitalen Rubrikenplattformen und Marktplätze. Goldbach steht für die Werbevermarktung in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich. 20 Minuten fasst die Pendlermedien in der Schweiz und die Beteiligungen im Ausland zusammen. Tamedia bündelt die bezahlten
Tages- und Wochenzeitungen sowie Zeitschriften.

Die TX Group befindet sich in einer ihrer grössten Transformationsphasen. Zu den aktuellen Projekten zählt die Modernisierung der Websites und die Edtiorial Cloud.

CW: Die Berner Zeitung hat jüngst einen neuen Web­auftritt erhalten. Was steckt dahinter?
Bürgi: Wir haben mittlerweile alle Webseiten unserer Deutschschweizer Tamedia-Zeitungen überarbeitet und modernisiert, um sie auf die mobile Nutzung optimal 
abzustimmen. In den vergangenen neun Monaten hat ein übergreifendes Team aus IT und dem Business sowie 
De­signern und Journalisten an der Entwicklung des neuen Webauftritts gearbeitet. Dabei haben wir das Design grundlegend überarbeitet und modernisiert sowie neue Darstellungsformen wie verschiedene Teaser-Varianten implementiert. Dank neuster Technologien konnten wir auch die Ladezeiten deutlich verkürzen.
CW: Wann werden weitere Medientitel folgen?
Bürgi: Ab Mai findet dann die Umstellung bei den Zeitungstiteln 24 heures und Tribune de Genève in der Westschweiz statt. Bemerkenswert daran ist, dass diese Umstellungen fast ausschliesslich aus dem Home Office geschehen.
CW: Ein weiteres Grossprojekt dieses Jahr ist die so­genannte Editorial Cloud. Wie ist die Lösung aufgebaut und wie ist der Stand der Arbeiten?
Bürgi: Die Editorial Cloud bildet unsere Plattform für die nahtlose Inhalte-Produktion im Journalismus. Dies unabhängig davon, ob letztlich digital oder gedruckt publiziert wird. Inzwischen haben wir unsere alten Print-Redaktionssysteme und nahezu alle alten Content-Management-Systeme durch die Editorial Cloud abgelöst. Der Rest folgt trotz der Covid-Situation in diesen Tagen. Auf diese Weise, und auch durch den Fakt, dass wir hier am Ende keine On-premises-Infrastruktur mehr betreiben müssen, haben wir nicht nur den Redaktionen maximale Flexibilität verschafft, sondern gleichzeitig unsere IT-Kosten minimiert. Hierauf sind wir stolz.
CW: Welche weiteren Top-Projekte bestimmen Ihre 
ICT-Agenda 2020?
Bürgi: Einerseits die Projekte rund um die bereits erwähnten Verbesserungen unserer internen Prozesse. Andererseits beispielsweise der Ausbau unserer digitalen Plattform für den Verkauf von bezahltem Content – ein Projekt mit hoher Bedeutung für Tamedia. Hinzu kommen wichtige Projekte bei unserer Tochtergesellschaft Goldbach und bei den Corporate Services. Sie ermöglichen uns nicht nur neue Geschäftsmodelle, sondern helfen uns, auch klassische Prozesse wie Invoicing und Payment wesentlich effizienter und kundenfreundlicher zu machen. Neben all der Innovation ist es mir ein grosses Anliegen, dass wir aktiv an der Dekommissionierung unserer Legacy-Systeme arbeiten und unsere Infrastruktur weiter bereinigen.

Über 300 IT-Chefs haben in der Swiss-IT-Studie Trends, Projekte und Herausforderungen 
benannt. Wie Franz Bürgi die Ergebnisse 
der Swiss-IT-Studie 2020 sieht.

CW: Fasst man die Daten der jüngsten Swiss-IT-Studie kritisch zusammen, kann man sagen: CIOs müssen mit ihren IT-Teams die Digitalisierung des Unternehmens meistern. Allerdings fehlen ihnen genügend Fachkräfte, es mangelt an Budgets und moderne Technologien sind teils unausgereift. Und fragt man das Management auf der Business-Seite, wird IT noch immer vor allem als Kostenträger, anstatt als strategische Notwendigkeit betrachtet. Inwieweit teilen Sie diese Ansicht?
Bürgi: Dass CIOs und IT-Teams diesen Spagat zwischen der Notwendigkeit zur digitalen Transformation und gleichzeitigem Kostendruck meistern müssen, ist nichts Neues und auch tatsächlich kein Waldspaziergang. Nichtsdestotrotz führt kein Weg daran vorbei. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass eine mittelfristige Kostenreduktion auch kurzfristige Investitionen erfordert. Dass die Firmen-IT in den Köpfen der internen Kunden teilweise noch immer als Kostenverursacher wahrgenommen wird, ist schade.
CW: Welche Lösung schlagen Sie vor?
Bürgi: Hier arbeiten wir aktuell daran, unsere Services und deren Preis-Leistungs-Verhältnis so transparent darzustellen, dass auch ein Marktvergleich möglich ist. Aufgrund der neuen Unternehmensstruktur der TX Group sind die Subgruppen nicht verpflichtet, alle von der internen IT erbrachten Leistungen in Anspruch zu nehmen. Das heisst, wir müssen ohnehin agieren wie ein externer Lieferant, der regelmässig auf dem Prüfstand steht. Sie können sich vorstellen, dass das nicht immer leicht ist. Aber wir nehmen diese grosse Herausforderung mit viel Ehrgeiz an.
“Das Top-Management hat die digitale Transformation konsequent unterstützt„
Franz Bürgi, TX Group
CW: Gemäss der Swiss-IT-Studie 2020 ist der Fachkräftemangel der grösste Pain Point von IT-Leitern bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Wie begegnen Sie dem Fachkräftemangel in der IT? Welche Rolle spielt dabei die interne Weiterbildung bei der TX-IT?
Bürgi: Den Fachkräftemangel spüren auch wir. Deshalb hat die TX Group in den letzten drei Jahren in Belgrad ein Engineering Center mit über 130 Spezialistinnen und Spe­zialisten aus allen Bereichen aufgebaut. Darüber hinaus haben wir mit der TX Academy eine interne Plattform geschaffen, damit sich die Mitarbeitenden konstant weiterbilden können. Es handelt sich dabei um Kurse in den 
Bereichen Technology and Security, Product and User Ex­perience, Marketing and Analytics, Team and Personal 
Methodology, Management and Leadership sowie Change Management. Darüber hinaus bieten wir unseren Leuten die Möglichkeit, von sogenannten Micro Mentorings zu profitieren. Und mit Slack haben wir eine interne Kommunikationsplattform, auf der viel Wissen geteilt wird. Ohnehin wollen wir es schaffen, dass die TX Group sich zu einer lernenden Organisation entwickelt, in der es selbstverständlich ist, Wissen zu teilen und allen zugänglich zu machen. Damit stärken wir langfristig das Employer Branding, um auch Talente aus der Schweiz anzuziehen.
CW: Die IT-Sicherheit hat bei vielen Ihrer Peers im Jahresverlauf an Bedeutung hinzugewonnen. Als Medien- und E-Commerce-Unternehmen müssen Sie hochsensible Daten verwalten. Wie steht es um die IT-Sicherheit der TX Group?
Bürgi: Mein Kollege Andreas Schneider, unser Chief Information Security Officer (CISO), hat in den letzten beiden Jahren die Cybersecurity auf ein neues Level gebracht. Dies dank Massnahmen wie der Einführung von Endpoint Detection and Response (EDR), dem Launch eines Bug-Bounty-Programms, dem Ausbau unserer Security Operations Center Services und der Intensivierung von IT-Sicherheit in den agilen Projekten und digitalen Firmen nach dem Prinzip DevSecOps. Dadurch sind wir aktuell sehr gut aufgestellt.
CW: Welche aktuellen Projekte beschäftigen Sie im 
Bereich IT-Sicherheit?
Bürgi: Derzeit arbeiten Andreas und sein Team mit Hochdruck daran, die TX Group fit zu machen für Beyond Corp, Googles Zero-Trust-Architektur: Die Idee ist, dass es am Ende kein internes Netzwerk mehr gibt, das anfällig ist für Cyberangriffe. Im Fokus stehen vielmehr Services, die einzeln und nach den höchsten Sicherheitsstandards arbeiten und gleichzeitig über das Internet verfügbar sind. Das bedeutet, dass letztendlich nicht mehr die einzelnen Firmen-Laptops geschützt werden müssen, sondern nur die Services. Und von denen sind die grosse Mehrzahl inzwischen Public Cloud Services wie Salesforce oder Workday, die 
ohnehin die höchsten Sicherheitsstandards erfüllen.

IT-Innovation ist ein Schlüssel für den Erfolg der TX Group. Franz Bürgi über Technologie-Trends wie KI und wofür diese bei der TX Group eingesetzt werden.

CW: Welcher Technologie-Trend in der IT fasziniert Sie aktuell am meisten und weshalb?
Bürgi: Das ist nach wie vor das Machine Learning, das heute meist unter dem Buzzword «KI» firmiert. Ich glaube, dass es hier in den nächsten Jahren noch viel Potenzial einerseits für die Unterstützung und den Aufbau neuer Produkte und Business-Modelle gibt – andererseits auf der Produktionsseite für die Automatisierung von Vorgängen, die heute noch immer manuell gemacht werden müssen. Ich denke hier auch an Themen wie automatisierte oder zumindest AI-unterstützte Textproduktion. Wir stehen aber erst ganz am Anfang: Das sieht man etwa bei den Limitierungen, die Alexa, Siri und Co. heute noch zeigen. Aber darin steckt noch grosses Potenzial.
“Im Machine Learning sehe ich grosses Potenzial„
Franz Bürgi, TX Group
CW: Inwieweit setzen Sie KI bereits ein und welche Vorteile versprechen Sie sich von der Technik?
Bürgi: Wir haben Machine Learning in einigen sehr spannenden Bereichen bereits im Einsatz. Beispielsweise bei der Klassifizierung von weltweit auf allen Kanälen entstehendem Content hinsichtlich seiner «Newsworthiness» sowie bei der Bildersuche. Gerade im Content-Bereich haben wir das Ziel, in den nächsten Jahren noch viel grössere Sprünge zu machen, und ich freue mich extrem auf diese Reise.
CW: Zum Abschluss: Wir lautet Ihr Top-Tipp als CIO des Jahres für Ihre Kolleginnen und Kollegen?
Bürgi: Ich glaube nicht, dass ich ein Geheimrezept habe, das nicht schon alle wüssten. Aber ich stelle mich, sofern es mein Terminkalender erlaubt, gerne einem kollegialen Austausch, da es voneinander oft viel zu lernen gibt.


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