14.03.2016, 14:35 Uhr

WiFi-Daten verraten Essverhalten

An der ETH Lausanne hat ein Forscher die anonymisierten WLAN-Daten, die auf dem Hochschul-Campus anfallen, ausgewertet und Interessantes zum Essverhalten von Studenten und Mitarbeitern herausgefunden.
WiFi-Daten können einiges über das Verhalten der Benutzer verraten. Dies hat ein Forscher an der ETH-Lausanne gezeigt. Er verwendete die anonymisierten Informationen aus dem WLAN-Netz auf dem Campus der Hochschule, um eine fundamentale Aktivität von Studenten, Besuchern und Angestellten genauer unter die Lupe zu nehmen: das Essen. Denn auf dem Gelände der ETH Lausanne sind auch die kulinarischen Angebote für die 13'000 «Einwohner» gross. Täglich müssen sich Studenten und Angestellte zwischen Pasta und Pizza, Schnellimbiss- oder Restaurantbesuch entscheiden.
Ingesamt zwei Millionen Datenpunkte aus 789 über den ganzen Campus verteilten WiFi-Antennen hat Antonin Danalet, Wissenschaftler am Labor für Transport und Mobilität der Hochschule, für seine Untersuchungen ausgewertet. Die Daten stammten aus einem Zeitraum von 10 Tagen im Sommer 2012. «WiFi-Spuren sind billig und einfach zu erhalten, aber für sich gesehen bedeuten sie nicht viel», umschreibt der Forscher die Problematik.
So seien sie recht vage, meint Danalet. Zwar geben sie laut dem Wissenschaftler Aufschluss über eine in einer bestimmten Zeit zurückgelegte Wegstrecke. Allerdings fehlen Angaben zur genauen Route, die der Anwender zurückgelegt hat. Auch ist nicht feststellbar, was die Leute genau angestellt haben, wenn sie ihre Destination erreicht haben. Ziel von Danalets Forschung war es somit, diese Datenberge zum Sprechen zu bringen. Hierzu verband er mit Hilfe des IT-Dienstes der Schule die WiFi-Infos mit den Daten von 2000 Anwendern. «Die Daten waren anonymisiert», beeilt sich Danalet zu betonen. «Ich wusste nur, ob die Datenspuren von einem ETH-Studenten oder einem Angestellten stammten. Von den Studenten wusste ich zudem Fakultät und Studienzeit», führt er weiter aus. Nächste Seite: Worauf bei der Verpflegungsstelle geachtet wird Um die Erkenntnisse aus den Datenhaufen zu verifizieren, untersuchte Danalet zum einen sein eigenes Verhalten und verglich es mit den Infospuren. Zum anderen wurden Studenten in einer Studie nach ihren Routinen befragt. Dabei stellte sich heraus, dass die Studenten laut Wifi-Daten rund eine halbe Stunde später auf dem Campus auftauchten, als in der Befragung angegeben. Haben Sie also ihr Smartphone jeweils erst nach einer halben Stunde auf dem Gelände aktiviert? Wohl kaum, bedeutet der Forscher, vielmehr würden die Befragten, um besser dazustehen, eher ein früheres Erscheinen angeben. Beweisen könne er diese These natürlich nicht, aber psychologische Untersuchungen deuteten auf dieses Phänomen hin.

Preis und Nähe ausschlaggebend

Doch warum wählten die untersuchten Personen eine bestimmte Verpflegungsstelle aus? Um dies herauszufinden, korrellierte Danalet die WiFi-Daten mit Restaurant-Kriterien wie Preis, Nähe, Qualitäts-Rating, Art des Essens und Öffnungszeiten. Kaum erstaunlich: der Preis für die Verpflegung spielt bei Studenten die grösste Rolle. Allerdings is dies nicht das einzige Kriterium. Das Restaurant oder der Imbiss-Stand muss zudem nahe zum derzeitigen Standort liegen. Auch die Grösse des Etablissements fällt ins Gewicht. Je grösser die Einrichtung, desto kürzer sind die Schlangen und desto schneller gelangt der Student zur Nahrung. Die Art des Essens spielt dabei kaum eine Rolle. Danalet hofft nun, dass seine Auswertungsmethoden sich professionalisieren lassen. So könnten Firmen künftig die Fussgängerströme in Einrichtungen wie Bahnhöfen, Flughäfen oder Einkaufszentren besser verstehen. Sie könnten so erkennen, wo am geschicktesten ein zusätzlicher Bankomat aufgestellt oder eine Bäckerei eröffnet werden soll.


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