02.03.2015, 14:27 Uhr

SuisseID, wie weiter?

Die SuisseID kommt nicht so recht vom Fleck. Vor allem das Interesse von Privatanwendern ist bescheiden. Doch die Betreiber geben sich dennoch zuversichtlich.
Gestartet war die SuisseID 2009 mit viel Tamtam. Und zunächst konnte die Karte auch Erfolge vorweisen.Anfang 2011 zhlte das Seco 271'000 SuisseID, eine Karte, welche einererseits eine Zwei-Faktoren-Authentisierung und andererseits eine digitale Unterschrift bietet, die einer handschriftlichen Unterschrift juristisch gleichgestellt ist. Seither ist es ruhig geworden um die digitale ID in der Schweiz. Vor allem Privatanwender scheinen nicht Feuer und Flamme zu sein und verwenden lieber andere, ebenfalls als sicher geltende Zugangswege, wie die Zwei-Faktoren-Authentisierung via SMS (mTAN). Wieviele nutzen also derzeit die SuisseID? «Absolute Zahlen über die Verbreitung der SuisseID werden keine herausgegeben», erklärt Reto Zwyssig, Medienverantwortlicher des Trägervereins SuisseID, auf Anfrage von Computerworld.

B2B bevorzugt

Auch wenn offizielle Zahlen fehlen, so scheinen sie unter den Erwartungen zu liegen. Immerhin: In der Geschäftswelt, also im sogenannten Business-to-Business-Bereich (B2B), weist die SuisseID eine gewisse Verbreitung auf. «Wir schätzen, dass etwa 80 Prozent der Anwender aus mehreren tausend Unternehmen ihre SuisseID vorwiegend geschäftlich einsetzen. Etwa 20 Prozent der Anwender setzen die SuisseID mehrheitlich privat ein», rechnet Zwyssig vor und berichtet, dass man seit 2 Jahren eine kontinuierlich ansteigende Nachfrage der SuisseID registriere. Die B2B-Verwendung ist auch sinnvoll. «Die SuisseID konnte sich im geschäftlichen Umfeld viel besser durchsetzen, weil Sie in vielen Geschäftsprozessen nutzbringend integriert werden kann», argumentiert Zwyssig. Dabei komme vor allem die Funktion der elektronischen Signatur zum Einsatz, erklärt Annett Laube-Rosenpflanzer, Informatik-Professorin und Leiterin des Institute for ICT-Based Management an der Berner Fachhochschule Technik und Informatik, gegenüber Computerworld. Damit könnten Workflows von der Papierform auf elektronische Prozesse umgestellt werden. «Das ist eine sinnvolle Verwendung der SuisseID, die wohl auch in Zukunft als sogenannte 'Signaturen in der Cloud' weiter Verwendung finden werden», ergänzt sie. Nächste Seite: Wo bleibt die Killer-App?

Keine Killer-Anwendung in Sicht

Dass die SuisseID im privaten Umfeld nicht so recht zum Fliegen komme, sei nicht auf den ? zugegebenermassen stattlichen Preis von knapp 80 Franken für ein Jahr ? zurückzuführen, argumentieren sowohl Laube-Rosenpflanzer als auch Zwyssig. Vielmehr fehlt eine regelrechte Killer-App. «Für die meisten Anwendungen reicht eine schwache Authentifizierung mit Username und Passwort», wendet Laube-Rosenpflanzer ein. «Daher besteht keine Notwendigkeit, Geld für eine sichere Zwei-Faktoren-Authentisierung auszugeben, weder auf der Nutzer- noch auf der Anwendungsseite», ist sie überzeugt.

Auch für Zwyssig bringt es wenig, die SuisseID für die Verwendung als sicheres Login mehr zu sponsorn. Der Preis sei hier nicht ausschlaggebend. Anders sieht ihm zufolge die Situation bei der Verwendung als digitale Unterschrift aus: «Da ist weder Preis noch Aufwand ein Thema, da der Benutzer versteht, dass zum Schutz seiner persönlichen Identität hochwertige Technologien und Prozesse eben auch seinen Preis haben».

Bringt die neue ID die Rettung?

Eine Anwendung, welche der Verbreitung einer digitalen Identität förderlich sein könnte, ist die geplante neue Identikätskarte der Schweiz. Diese kann ? zum gleichen Preis ? mit einer sogenannten eID bestellt werden und beispielsweise auch in Kombination mit der SuisseID verwendet werden. Zwyssig gibt sich in diesem Zusammenhang optimistsich: «Die Nachfrage nach einer digitalen Identität wird in Zukunft so oder so steigen. Da ist Kombination mit der ID und dem Pass ein weiteres, passendes Puzzlestück». Wieviele Bürgerinnen und Bürger diese Option schon 2016 wählen würden, sei schwierig vorauszusagen. «Nach einer gewissen Einführungsphase rechnen wir mit weit über 50 Prozent», ist Zwyssig überzeugt.


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