05.02.2015, 15:00 Uhr

Wenn die Bewerbung beim eigenen Chef landet

Wer mit seinen Daten sorglos umgeht, senkt seine Bewerbungschancen massiv. Wie IT-Profis mit ihrem Lebenslauf und umgehen sollten, erklärt ein Personalprofi.
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere bei unserer Schwesterpublikation Tecchannel.de, in welcher dieser Artikel ursprünglich erschien. Wo ist das Problem, wenn der eigene Lebenslauf in der Branche zirkuliert? Ein bisschen Prominenz kann doch nicht schaden, oder? «Leider doch», sagt einer, der es wissen muss: Thomas Biber, Geschäftsführer der Personalberatung Biber & Associates. «Wer als Bewerber die Kontrolle über seine Daten verliert, ist schnell verbrannt und kann - unabhängig von seinen Fähigkeiten - unvermittelbar werden.» Thomas Biber vermittelt SAP-Berater an Unternehmen. Eine typische Frage, die Bewerber oft an ihn stellen, lautet: «Haben Sie schon Rückmeldung vom Auftraggeber?» Neulich hiess seine Antwort darauf: «Ja, er hat postwendend abgesagt. Die Personalabteilung kannte Sie schon.» Darauf der Bewerber, überrascht: «Wie ist das möglich?»

Nur einen Schuss frei

Meistens klärt sich im weiteren Gespräch, dass der Jobsuchende seinen Lebenslauf an mehrere Personalberater übergeben hat. Was er nicht bedacht hat, und was viele nicht wissen oder einfach ignorieren: «Bei der Bewerbung in einer Firma mit einer professionellen HR-Abteilung hat man nur einen Schuss frei», so Biber. Wer beim ersten Anlauf kein Interesse hervorrufen kann, erhält auch bei der zweiten und dritten Bewerbung keine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Das hat mit der Prozesseffizienz von HR-Abteilungen zu tun, die keine Zeit haben, Doppelbewerbungen durchzusehen. Den HR-Verantwortlichen ist oft gar nicht klar, dass die Bewerber von ihrer ersten angeblichen Bewerbung möglicherweise gar nichts wissen. «Unseriöse Marktteilnehmer nutzen die Lebensläufe als Lockvögel in wahllosen Rund-Mailings an Unternehmen. Ihre Hoffnung besteht darin, durch das Interesse des Unternehmens an einem Kandidaten einen Fuss in die Tür zu bekommen», so Biber. Der Kandidat erfahre davon nicht einmal etwas, geschweige denn, dass er um sein Einverständnis gebeten werde. Und noch schlimmer: Nicht selten landet so eine Bewerbung sogar auf dem Tisch des noch aktuellen Vorgesetzten. «Solche Methoden bringen die Kandidaten am Arbeitsmarkt um ihre Chancen.» Unternehmen mit einer professionellen Personalstrategie haben Rahmenverträge mit ausgewählten Personalberatungen, die nach ihren Qualitätskriterien arbeiten. Wenn sie nun den Lebenslauf eines Kandidaten über einen noch nicht bekannten oder sogar verrufenen Berater erhalten, macht dies einen schlechten Eindruck. Mit hoher Wahrscheinlichkeit landet der Kandidat in der Datenbank der abgelehnten Bewerber, obwohl er von den Qualifikationen her durchaus passen könnte. «In einem Bewerbungsverfahren spielt einfach alles in den Gesamteindruck hinein», warnt Personalberater Biber.
Woran erkennt man einen seriösen Personalberater? 
  • Ist es ein lokaler Anbieter, der auch Deutsch spricht?
  • Verfügt der Anbieter über eine hohe Kompetenz in der Zielbranche, und ist er fachlich spezialisiert?
  • Hat die Personalberatung eine moderne, informative Website?
  • Weist die Personalberatung von selbst darauf hin, dass sie Unterlagen keinesfalls ohne Rücksprache und schriftliche Freigabe weitergibt?

Irrationaler Rekrutierungsablauf

Gerade junge Bewerber im IT-Umfeld machen sich keine Vorstellung, wie sensibel und manchmal auch irrational im Bewerbungsverlauf auf jede Einzelheit reagiert wird. Wenn jemand in einem geografisch engen Bereich ausserhalb der grossen Ballungsräume einen Karrieresprung machen möchte, kann ein unseriöser Personalberater diese Ambitionen schnell zerstören. So mancher SAP-Berater erhält von den wenigen in einer Region in Frage kommenden Arbeitgebern bereits nach einer einzigen Mail eines Personalberaters eine ablehnende Antwort. Seriöse Personalberater fragen datenschutzrechtlich korrekt Bewerber vor jedem Unternehmenskontakt einzeln nach ihrer schriftlichen Zustimmung. Das kostet Zeit. Es hilft aber zu vermeiden, dass die Bewerbung bei Unternehmen landet, an denen der Kandidat ohnehin kein Interesse hat. Zum Beispiel, weil er dort früher schon gearbeitet hat.
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Lesen Sie auf der nächsten Seite: zu viel Privates bleibt gefährlich

Allzu Privates im Netz bleibt gefährlich

IT-Profis sollten über ihre gesamte Karriere hinweg darauf achten, die Kontrolle über ihre Daten und ihren Lebenslauf zu behalten. Sie sollten Personalberatern für die Weitergabe ihrer persönlichen Daten nie eine Generalvollmacht erteilen. Man muss sich als Bewerber keineswegs auf einen einzigen seriösen Personalberater verlassen. Es kann durchaus sinnvoll sein, mit zwei oder drei Vermittlern zusammenzuarbeiten. So kann sich der Bewerber die Stellenangebote ohne viel Rechercheaufwand liefern lassen. Doch unseriöse Personalberater sind nicht die einzigen, die vertrauliche Bewerberdaten streuen. Manchmal ist es auch der Bewerber selbst, der eigentlich vertraulich zu behandelnde Daten preisgibt - und zwar in den sozialen Netzwerken. Man sollte stets damit rechnen, dass unbedachte Postings auf Facebook, Twitter und Co. später in einem ungünstigen Licht betrachtet werden - vor allem wenn es um Führungspositionen geht. Die Veröffentlichung von Partyfotos ist meistens peinlich, manchmal sogar schädlich. Wenig hilfreich sind auch allzu private Details wie die eigene Krankheitsgeschichte. Bildergalerien von Trinkgelagen sind verheerend. Personaler und mögliche Vorgesetzte gewinnen den Eindruck, dass jemand, der sich so präsentiert, nicht in die Unternehmenskultur passt. Und die Option auf eine Führungsposition - als CIO oder IT-Leiter etwa - verbaut man sich auf diese Weise ohnehin, «denn dafür benötigt man Autorität», mahnt Biber.
Personalberater ist nicht gleich Personalberater
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Es spricht nichts dagegen, als IT-Profi auf Xing oder LinkedIn ein gut gepflegtes Profil der eigenen Laufbahn anzulegen - nur, so Biber «nie als PDF- oder Word-Dokument». Wenn dieses weitergegeben wird, sieht es so aus, als geschehe das mit Einverständnis des Bewerbers. Ebenso unangebracht ist es wegen der Missbrauchsgefahr, einen formatierten Lebenslauf auf Jobplattformen öffentlich zugänglich zu machen. Zwar arbeiten manche unseriöse Headhunter auch mit öffentlichen Lebensläufen aus Xing. Aber das fällt auf. Biber: «Arbeitgeber merken, dass dies keine Bewerbung im engeren Sinne ist.»

Private Website kann zur Falle werden

Und noch ein dritter Bereich ist sensibel: die eigene private Website. Personaler und potenzielle Vorgesetzte nehmen sie meist wie eine Arbeitsprobe wahr. Da ist es schlecht, wenn die Seiten technisch veraltet, schlecht gestaltet, eigenwillig designt oder mit Rechtschreibfehlern gespickt sind. Biber rät daher: «Die Website sollte in der Zeit eines Bewerbungsverfahrens offline sein.» Wo man keinen direkten Einfluss nehmen kann, weil eigene Bilder von Dritten veröffentlicht wurden, hilft nur noch der mühsame Versuch, mit anderen, neuen Inhalten die peinlichen Beweise von der ersten Suchergebnisseite zu verdrängen, oder manchmal auch ein unmissverständlicher Brief vom Anwalt. Es wirft kein gutes Licht auf den IT-Kandidaten, wenn er schon mit seinen eigenen Daten nicht verantwortungsvoll umgeht: «Das ist ein kapitaler Minuspunkt. Wer dann noch eine weitere Schwächen im Lebenslauf oder Vorstellungsgespräch zeigt, wird aussortiert.» SAP-Berater zum Beispiel arbeiten meist in mittleren und grösseren Unternehmen und eng mit der Geschäftsführung oder Buchhaltung zusammen. «Gerade sie müssen von ihren Gesprächspartnern ernst genommen und respektiert werden», sagt Biber. «Sonst haben sie keine Chance, Einfluss zu nehmen oder auch einmal Widerstände zu überwinden.»



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