18.09.2015, 14:01 Uhr

Die «Intelligenz» im BPM

Das Business Process Management (BPM) stellt Schweizer Firmen weiterhin vor Herausforderungen. Wirklich «intelligent» sind nur wenige Geschäftsprozesse gemanaged.
Schweizer Anwenderunternehmen haben weiterhin mit ineffizienten Geschäftsprozessen. Viele der Verantwortlichen sind sich zwar der Defizite bewusst, unternehmen aber zu wenig, um die Missstände zu beseitigen. Das sind Ergebnisse der «BPM Studie» der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Das Institut für Wirtschaftsinformatik skizzierte einige Resultate am «BPM Symposium» am Donnerstag in Winterthur.
Wie Studienleiterin Denisa Kykalova an dem Anlass sagte, ist Effizienzsteigerung (61 Prozent) für die 82 online befragten Experten vorrangiges Ziel von BPM. Kundenorientierung (49 Prozent) und Prozesstransparenz (38 Prozent) sind weitere Antriebe. Allerdings, so die Expertin, werden die Vorgaben in der Praxis nur selten umgesetzt: Jeweils nur 20 Prozent identifizieren das Effizienzsteigerungspotenzial und überwachen die Prozessleistungen, die sie zu optimieren gedenken. Noch weniger (15 Prozent) haben flexible oder kontextabhängige Prozesse umgesetzt, die der Kundenorientierung dienen. Allein die Prozesstransparenz ist verbreitet: 56 Prozent haben prozessspezifische Rollen definiert, 51 Prozent besitzen eine Prozesslandkarte.

«Intelligenz» im BPM

Das Business Process Management (BPM) sieht per Definition vor, dass Geschäftsprozesse nicht nur kartographiert, sondern auch verwaltet werden. Die Frage nach der Anwendung von BPM-Methoden für Monitoring und bestenfalls Optimierung wird von den Unternehmen vergleichsweise häufig verneint. Rund 28 Prozent nutzen laut Studie keine Methoden, um die Prozessleistung und Konformität zu überwachen. Immerhin: Ein Drittel (37 Prozent) hinterlegen Kennzahlen und Ziele in den Prozessmodellen. Für Business Intelligence (BI) reicht es aber vielerorts nicht. Fast die Hälfte (46 Prozent) verneint, dass sie mit BI-Tools ihr Prozessmanagement einsetzen.
Die «Intelligenz» fehlt vielerorts im Management von Geschäftsprozessen, ergab die «BPM Studie». Mitautorin Elke Brucker-Kley fasste den rund 100 Teilnehmern des Symposiums das «Triadische Modell» der Erfolgsintelligenz von Robert Sternberg zusammen. Laut dem Psychologen setzt sich Intelligenz aus drei Bausteinen zusammen: Analytik, Kreativität und Praxis. Übertragen auf BPM sind Unternehmen mit «Prozessintelligenz»:
  • scheuen den Abgleich zwischen Modell und realer Prozessausführung nicht (Analytik)
  • verlieren den Kontakt zum Business und zur Basis nicht (Analytik und Kreativität)
  • erkennen relevante Probleme und Chancen (Kreativität)
  • sind mutiger, neue Wege zu gehen (Kreativität)
  • lernen aus den Erfahrungen (Kreativität und Praxis)
  • verankern die Bereitschaft für Veränderung und Verbesserung in der Unternehmenskultur  (Kreativität und Praxis)
  • schaffen Erfolgsbeispiele für wirksamen IT-Einsatz (Praxis)
  • wagen es, Rahmenbedingungen zu verändern (Praxis)
Wie Studienleiterin Kykalova betonte, ist BPM aber keinesfalls ein reines Technologiethema. «Der Mensch ist unbestritten das intelligenteste Glied in der Prozesskette», sagte sie. Deshalb sei es in BPM-Vorhaben entscheidend, die Mitarbeiter mitzunehmen und zu involvieren.


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