19.08.2004, 00:00 Uhr

Swisscom buhlt um IT-Auftrag

Bei Swisscom stagniert der Umsatz, und der Reingewinn ist einge-brochen. Die Dienstleist-ungssparte Swisscom-IT-Services hat sogar Umsatz- einbussen von 9,4 Prozent zu verkraften. Ein Outsourcing-Geschäft mit Tamedia käme da gerade recht.
Der Kampf um die dünn gesäten grossen Outsourcing-Projekte wird härter. Wenn es dann wie beim Zürcher Grossverlag Tamedia um rund 90 Millionen Franken geht, kann es auch mal ruppig werden. Der Zürcher Unternehmensberater Ulrich Kunz meint sogar, dass das Schweizer Outsourcing-Business vor einer Konsolidierung stehe. Dabei sei bei Swisscom-IT-Services der Handlungsbedarf vergleichweise gross. Das belegen auch die Zahlen für das letzte Halbjahr. Der Umsatz ist gegenüber dem Vorjahr um 9,4 Prozent oder 10 Millionen Franken eingebrochen und die Basis an externen Kunden um 2,9 Prozent geschrumpft. Das Outsourcing-Geschäft mit der Medienriesin käme da einem Rettungsanker gleich.
Insider vermuten denn auch Preisdumping, mit dem Swisscom als anzeigenstarker Tamedia-Kunde ihrer Tochter Swisscom-IT-Services den Auftrag sichern will. Und dabei lege sie eine Vorgehensweise an den Tag, wie beim geplatzten Outsourcing-Deal mit dem Eidgenössische Department für Volkswirtschaft (EVD). Damals war IBM der Angebotsfavorit, Swisscom-IT-Services folgte abgeschlagen an fünfter Stelle. In Nachbesserungsrunden verblüffte die Swisscom-Tochter mit über 30 Prozent Rabatt und erhielt den Auftrag. Erst als die Rekurskommission fürs öffentliche Beschaffungswesen (BRK) den Fall aufrollte, kam doch IBM zum Zug.
Bislang hat Swisscom-IT-Services auch beim Tamedia-Outsourcing den Kürzeren gezogen. Wegen ihrer Branchenunerfahrenheit verlor sie die Due-Diligence-Prüfung an Konkurrentin T-Systems. Diesw liess daraufhin im Mai schon verlauten, dass sie das Rennen macht. Damit war Daniel Hinz, Pressesprecher von T-Systems, zu schnell.Denn bis jetzt ist kein Vertrag unterschrieben, dafür aber alles wieder offen. Denn Tamedia will das Projekt neu rechnen, nachdem bei der Prüfung herauskam, dass durch den Einbezug aller Tamedia-Töchter die ursprünglich offerierten Preise von T-Systems nicht zu halten sind.
Damit ist Swisscom-IT-Services wieder an Bord, geprüft wird zudem die Variante des Tamedia-IT-Kader, das die IT im Hause weiterführen und sich dabei an den Zahlen von T-Systems orientieren will. Sepp Huber, Swisscoms Pressesprecher, betont zwar, dass er laufende Verhandlungen nicht kommentiert, stellt aber doch klar, dass nach wie vor die im Frühjahr offerierten Preise gelten. Bei Tamedia entscheiden drei Kriterien: Gleiche Services wie bisher, Mitarbeiterübernahme und tiefere Kosten als heute. Der Preis spielt aber die wichtigste Rolle. Zumal die anderen Kriterien sowohl von Swisscom-IT-Services wie T-Systems bei Offertstellung Anfang Jahr berücksichtigt wurden. Tamedia will darum, dass Swisscom-IT-Services auch eine Due-Diligence-Prüfung durchzieht, um ihre Offerte anzupassen. Mitte September wird entschieden, wer den Auftrag erhält.


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