06.05.2015, 14:07 Uhr

Schweizer Unternehmen mehrheitlich «Digitale Dinosaurier»

Am Digital Economic Forum in Zürich wurde die Studie Digital Switzerland 2015 vorgestellt. Dabei ging es um die Verortung der digitalen Transformation in der Schweiz
Live-Streaming sei Dank, kann der interessierte Mensch oder Journalist Veranstaltungen bequem von zu Hause oder aus der Schreibstube verfolgen. Ob jedoch Live-Streaming überhaupt erst angeboten wird, bestimmte traditionellerweise der Veranstalter. Doch seit den Live-Streaming-Apps Periscope oder Meerkat hat sich die Macht über den Live-Stream und somit der Exklusivität einer Veranstaltung verschoben. Nicht mehr der Veranstalter kann uneingeschränkt bestimmen, wer sehen darf, was auf der Bühne passiert, sondern inzwischen auch anwesende Zuschauer. Mal schnell das Smartphone zücken, eine Live-Streaming-App einschalten, auf guten 4G oder WLAN-Empfang hoffen und sich via Social Media bemerkbar machen – und schon finden sich ein paar Interessierte auf dem Kanal. So geschehen heute beim Digital Economic Forum in Zürich, bei dem es um die Auswirkungen der Digitalen Transformation und disruptiven Geschäftsmodellen ging. Malte Polzin, ehemaliger CEO von Brack.ch und beim E-Commerce-Beratungsunternehmen Carpathia tätig, machte das einzig Richtige im Kontext dieser Veranstaltung und streamte die Vorstellung der Studie «Digital Switzerland 2015» von Sven Ruoss via Periscope. Der Stream kam ruckelfrei und in beachtlicher Qualität auf dem Smartphone des Schreibenden.

Die Digitale Transformation in den Köpfen

Sven Ruoss, Leiter Unternehmensentwicklung bei watson.ch, stellte seine Studie «Digital Switzerland 2015» vor. Sein Ziel war es, die digitale Transformation in der Schweiz fassbar zu machen. Dazu befragte er 463 Personen aus Schweizer Unternehmen. Hauptsächlich Männer und zu zwei Dritteln in Kaderpositionen tätig, nahmen an der Umfrage teil. Diese gaben mehrheitlich an (70%), dass die digitale Transformation in der Zukunft «wichtig» oder «deutlich wichtiger» sein wird. Ähnlich viele Studienteilnehmer sehen in der digitalen Transformation eine grosse bis sehr grosse Auswirkung auf die Unternehmen. Interessant auch, dass über die Hälfte der Befragten die Digitale Transformation schon jetzt bis spätestens in zwei Jahren als «erfolgskritisch» für das Unternehmen betrachten. Interessant wäre zu wissen, was für Unternehmen an der Umfrage teilgenommen haben - das fehlte in den Ausführungen. Als wichtigste Ziele der Digitalen Transformation wurden Produkt- und Dienstleistungserweiterungen, verbessertes Kundenerlebnis und Produktivitätssteigerungen gewählt (siehe Grafik unten).

Viele digitale Dinosaurier

Zumindest in den Köpfen der Umfrageteilnehmer scheint die digitale Transformation schon vorhanden zu sein - doch sind die Unternehmen auch fit für die Herausforderungen? Ruoss versuchte mit spezifischen Fragen zu den Unternehmen ihren digitalen Reifegrad in einer 4er-Matrix abzubilden - ähnlich dem Forrester-Modell. Dabei zeigt sich, dass über die Hälfte der Personen, die an der Studie teilnahmen, ihrem Unternehmen schlechte Noten gaben. Die «digitalen Dinosaurier» gehören zum Unterbau. Erfreulich hingegen ist, dass sich immerhin 26% der Unternehmen im Quadranten «Digitale Master» befinden, sich also hinsichtlich digitaler operationeller Exzellenz sowie digitalem Kundenerlebnis auszeichnen.


Bei den wichtigsten Herausforderungen der digitalen Transformation stand interessanterweise die Einschränkung beim IT-System an oberster Stelle. Hier hätten wir definitiv einen andere Herausforderung zuoberst erwartet. Was hingegen klar ist: Die Unternehmensleitung trägt die Verantwortung für die digitale Transformation. Ob diese tatsächlich die Einschränkungen beim IT-System als grösste Herausforderung in diesem Kontext sehen, wird sich zeigen. Spätestens in 2 Jahren, dann will Ruoss wieder eine Befragung machen. Und dann brach der Live-Stream bei Periscope ab.


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