11.11.2008, 16:23 Uhr

«Cloud Computing gehört die Zukunft»

Hauke Stars: «Die IT-Branche steht vor einem Paradigmenwechsel. Heute entscheidet sich, wer in Zukunft noch mithalten kann».
Hauke Stars General Manager & Country Manager Technology Solutions Group, Hewlett-Packard (Schweiz) GmbH
Die Entwicklung der noch relativ jungen IT-Branche geschieht als Abfolge sich ablösender Paradigmen - etwa so, wie es Thomas S. Kuhn in seinem Standardwerk über wissenschaftliche Revolutionen beschrieben hat. Die Herausforderung sowohl für Hersteller als auch für Anwender besteht darin, zwischen wirklichen und vermeintlichen Paradigmenwechseln zu unterscheiden und die Weichen entsprechend zu stellen. Das ist aus verschiedenen Gründen kein leichtes Unterfangen. Sowohl Hersteller als auch Anwender haben sich schon oft in grossem Stil getäuscht, was gravierende wirtschaftliche Konsequenzen hat.
Die Frage Hype oder tatsächlicher Paradigmenwechsel stellt sich demzufolge in der jung-dynamischen IT-Branche mit schöner Regelmässigkeit. Aktuelles Beispiel: Cloud Computing. Dabei ist, wie so oft, schon die Definition darüber, was denn genau darunter zu verstehen sei, verschwommen - oder, um den Kalauer nicht auszulassen: wolkig.
Und das macht die Einschätzung mit Sicherheit nicht leichter. Die beste Definition stammt vom Forschungsunternehmen Forrester Research: Cloud Computing beschreibt einen «Pool aus abstrahierter, hochskalierbarer und verwalteter Infrastruktur, die Kundenanwendungen vorhält und nach Verbrauch abgerechnet wird». Es geht beim Cloud Computing um nichts mehr oder weniger als um den ganz grossen Wurf: Die vollständige Virtualisierung von Netz-, Rechen-, Speicher- und Applikationsressourcen sowie die Regelung darüber, welcher Anwender welche Ressourcen beziehen darf und wie viel er dafür bezahlt. Das ist ein grosser Schritt weg vom Besitz eigener Hardware, Software und Netze, hin zu einer bedarfsgerechten Miete und Nutzung - nach Massgabe der sich ändernden Bedürfnisse des Kunden.
Verglichen mit Cloud Computing ist das Konzept «Software as a Service (SaaS)» die Spitze eines Eisberges: Denn SaaS konzentriert sich nur auf eine einzige Anwendung. Das Cloud-Computing-Konzept sieht indes vor, dass dem Kunden alles als Service geliefert wird. Er bezieht vielfältigste IT-Dienstleistungen so einfach wie Strom oder Wasser. Viele technische Komponenten für diesen grossen Wurf sind heute schon vorhanden: Virtualisierungskonzepte, Grid-Computing, leistungsfähige Datenleitungen und Software für Service-Provisioning sind wichtige Voraussetzungen. Herausforderungen liegen vor allem im kulturellen Bereich, andere - etwa im Bereich Sicherheit oder Identity Management - lassen sich zweifellos lösen.
Es gibt ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich die gesamte Branche auf dieses neue Paradigma hinbewegt: Viele der Grossen der IT-Branche lenken die Geldströme für Forschung und Entwicklung in ent-
sprechende Grossprojekte. Zum Beispiel HP: Vor kurzem hat das weltgrösste IT-Unternehmen zusammen mit Intel und Yahoo ein Megaprojekt zum Thema lanciert. Über die ganze Welt verstreut werden momentan sechs Forschungszentren errichtet, die nicht nur die Grundlagen und die notwendigen Meilensteine für den Paradigmenwechsel erforschen, sondern auch zur Aufgabe haben, die Schranken zwischen Wirtschaft, Hochschulen und Regierungen abzubauen, damit sich das neue Paradigma breit durchsetzen kann. An jedem Standort wird eine eigene Forschungsinfrastruktur für Cloud Computing bereitgestellt. So sollen jeweils zwischen 1000 bis 4000 Prozessorkerne die datenintensive Forschung unterstützen. Diese Testumgebungen werden über das Internet weltweit verfügbar gemacht, was erlaubt, andere Forschungsinstitutionen einzubeziehen.
Wie schnell wird «Everything as a Service» Realität? Ein solch fundamentaler Wechsel braucht sicherlich viel Zeit. Trotzdem tun Anwender insbesondere im Unternehmensbereich gut daran, sich mit dieser Realität schon heute auseinanderzusetzen und erste Schritte in dieser Richtung zu machen. Ein hervorragendes Beispiel ist das Agrarunternehmen Syngenta (siehe Link zu Artikel unten). Das Unternehmen steuert ganz konsequent auf eine serviceorientierte Architektur für seine Infrastruktur und verwandelt Server in Services. Das ist der Königsweg zum neuen Paradigma, der es dem Unternehmen mit Sicherheit erlauben wird, seine Wettbewerbssituation auf der Basis einer hochflexiblen Cloud-Umgebung entscheidend zu verbessern.

Artikel Syngenta (WEBCODE 46594)



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