ERP-Duell 2011 13.10.2011, 17:35 Uhr

SAP gegen Microsoft

Im User-Rating gewinnt SAP ERP gegen Microsoft Dynamics AX - aber nur knapp. Die Details der Anwenderwertung und das Punkte-Rating.
Die GPS Gesellschaft zur Prüfung von Software lässt jedes Jahr ERP-Lösungen verschiedener Hersteller gegeneinander antreten. 2011 zeigten (unter anderem) SAP ERP und Microsoft Dynamics AX, was sie drauf haben. Das Besondere am ERP-Contest 2011 der GPS: Der Wettbewerb ist nicht trockene Theorie, sondern ein Praxistest. Jeder der ausgewählten Anbieter erhält im Vorfeld ein Testszenario mit acht realitätsnahen Geschäftsprozessen plus Stamm- und Bewegungsdaten.

Dreistündiger Test-Marathon

Jedes System muss das vollständige Testszenario vor Publikum in einer dreistündigen Live-Präsentation durchlaufen. Spontane Änderungen machen den Testlauf für die Anbieter nicht gerade leichter. Sie sollen den Teilnehmern die Möglichkeiten und Grenzen der sehr häufig geforderten Flexibilität aufzeigen. Das Publikum, überwiegend IT-Leiter und Geschäftsführer aus mittelständischen Unternehmen, bewerteten danach die Systeme uind deren Anbieter anhand eines Fragebogens. Ergebnis des Duells SAP ERP gegen Microsoft Dynamics AX (in der Zuschauerwertung): ein knapper Punktsieg für SAP. Beide Systeme konnten sich jedoch als Gewinner gegenüber anderen Lösungen durchsetzen.

SAP: Stärken und Schwächen

An SAP ERP gefielen dem Publikum besonders der breite Funktionsumfang und die direkte Schnittstelle zum Webshop. Keine grosse Begeisterung ernteten die Funktionen im Projektmanagement und die doch recht komplexe Freigabeverwaltung für eine Reihe von Funktionen.

Microsoft: Stärken und Schwächen

Microsoft Dynamics AX glänzte besonders durch seine übersichtliche Stammdatenverwaltung (mit History-Dokumenten) und durch die Integration von Microsoft Project und Excel. Weniger gut gefiel dem Publikum, dass einige Prozesse und Funktionen zu viele Klicks erfordern, die Bedienung also zu umständlich ist. Negativ fiel ausserdem die gelegentliche Unübersichtlichkeit auf. Soweit das Urteil der Publikums-Jury. Funktional lieferten sich SAP und Microsoft jedoch ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen. "Beide Systeme erfüllten die Anforderungen sehr gut und sind in den erzielten Ergebnissen absolut vergleichbar", sagt Werner Schmid, Geschäftsführer der GPS Ulm. Das heisst, sie erzielen in der funktionalen Bewertung dieselbe Punktzahl. Mehrmals wurde im Testszenario der Standard der ERP-Systeme bis an die Grenzen ausgereizt. So zum Beispiel bei der spontanen Erweiterung der Angebotsnummer um ein individuelles Präfix, was einen Eingriff ins Quellprogramm erforderlich machte. Oder beim Outsourcing einzelner Arbeitsgänge an eine verlängerte Werkbank während der laufenden Produktion, was ohne eine exakte Synchronisation zwischen Fertigsteuerung und Beschaffung im Desaster endet. Beide ERP-Systeme - SAP ERP und Microsoft Dynamics AX - haben diese Herausforderung gemeistert. Sie gehen dabei jedoch ganz unterschiedliche Wege. Nächste Seite: Punkteauswertung des User-Rating Bei SAP ERP falle, so Schmid, die jederzeit synchrone Steuerung des Warenflusses und der Wertebuchungen angenehm auf. Ausserdem betont er, wie auch das Publikum, den hohen Funktionsumfang der SAP-Lösung.  Microsoft Dynamics AX punktet mit einer flexibleren Gestaltung der Geschäftsprozesse und mit den gewohnten Excel-Reportingfunktionen. "Das System von SAP ist in seiner Struktur vollständig durchdacht und gefestigt", fasst Schmid zusammen. Ablaufänderungen (ohne Programmierung) können daher nur innerhalb der vorgegebenen Parameter erfolgen. Das gebe den Anwendern Sicherheit und dem System die erwartete Stabilität, so Schmid. Dynamics AX dagegen sei in seiner Struktur nicht so "starr vorprogrammiert", sondern werde beim Kunden auf dessen Prozessen eingerichtet. Der Anwender geniesse mit AX einen grösseren Gestaltungsspielraum, müsse aber auch mehr überlegen, ob und wie das alles zusammenpasst.

Details des Live-Testszenarios

Zum Hintergrund: Beide Systeme mussten einen vollständigen Geschäftsvorfall durchlaufen. Der bestand aus den Aufgaben: erster Kundenkontakt über einen Webshop, Akquisition eines individuell konfigurierten Produktes, Gestaltung des Produktes in einem Kundenprojekt, Einkauf eines neuen Materials auf dem Weltmarkt via Internet, Import der Artikeldaten, Produktion mit Einbindung einer verlängerten Werkbank, Lieferung (Export), Austausch eines Bauteils (Service), Ergebnisberechnung und Nachkalkulation des erzielten Deckungsbeitrages.

ERP-Contest 2011: Punkteauswertung des User-Rating (Auswahl)

(Bewertung anhand der Notenskala 1= sehr gut, 2 = gut, 3 = akzeptabel, 4 = ausreichend, 5 = mangelhaft)


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