EU-DSGVO 24.11.2017, 15:30 Uhr

SAP-Anwender schieben die Umsetzung auf

Eine Umfrage unter Mitgliedern der DSAG hat ergeben, dass knapp die Hälfte von ihnen noch keine Roadmap zur Umsetzung der EU-DSGVO erstellt hat. Viele wünschen sich dabei Unterstützung von SAP.
Die Resultate der DSAG-Umfrage im Überblick
Am 25. Mai 2018 geht die zweijährige Übergangsfrist zur Umsetzung der EU-Datenschutzgrundverordnung zu Ende. Unternehmen müssen dann der neuen Richtlinie entsprechen und deren Anforderungen ausreichend und nachweisbar berücksichtigen. Dabei gilt die neue Gesetzgebung der EU auch für Schweizer Firmen, wenn sie Daten von in der EU ansässigen Personen bearbeiten oder analysieren. Wie aus einer Online-Umfrage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) unter 158 ihrer Mitglieder hervorgeht, haben bisher erst etwas mehr als die Hälfte aller befragten Unternehmen eine Roadmap zur Umsetzung der EU-DSGVO in ihrer Firma erstellt. Nur 4 Prozent der Befragten sind bereits jetzt auf die Anforderungen der Verordnung vorbereitet – 66 Prozent der Umfrageteilnehmer trafen zwar schon einige Vorbereitungen, sind aber noch nicht ganz konform. Der DSAG-Geschäftsführer Mario Günter sieht den Grund dafür in den zahlreichen noch zu klärenden Fragen – zumal es aktuell noch keine Rechtsprechung zur EU-DSGVO gebe. Daher sei zu befürchten, dass viele Unternehmen auf den letzten Drücker anfingen, die Vorgaben umzusetzen, schreibt die DSAG in einer Pressemitteilung.

Wenig zuversichtlich trotz Investitionen

Immerhin hat gemäss der DSAG-Auswertung jede fünfte unter den befragten Firmen zusätzliches Geld in die Umsetzung des neuen Datenschutzgesetzes investiert. Mehr als die Hälfte der Unternehmen, die dafür in die Tasche griffen, steckten das Geld in die IT-Beratung. 40 Prozent der Befragten investierten in die Non-IT-Beratung. Der Rest gab es für IT-Lizenzen, Hardware, Datenschutzsoftware oder Personal aus. Dennoch sind offenbar nur wenige der Befragten (39 Prozent) zuversichtlich, dass ihr Unternehmen es schafft, sich bis zum Stichtag entsprechend aufzustellen. Günter überrascht dies nicht: «Mit 99 Artikeln und 173 Erwägungsgründen, die alle beachtet werden müssen, braucht die EU-Datenschutz-Grundverordnung einfach eine lange Vorbereitungszeit.» Eine einjährige Projektdauer sei bei der Umsetzung normal.

Anwender fordern Unterstützung von SAP

Bei der Umsetzung der EU-DSGVO sind nur rund 11 Prozent der Befragten mit der Unterstützung von SAP zufrieden. 72 Prozent sind mit der Unterstützung, die das deutsche Software-Haus im SAP-System bietet, mässig oder gar nicht zufrieden. Laut Angaben der DSAG erhoffen sie sich einerseits bessere Unterstützung bezogen auf die Softwarelösungen, detailliertere Informationen zu den SAP-Standardtools sowie ein klares Statement, welche Unterstützung von SAP zu erwarten ist. Gefordert werden zudem Datenschutz-Leitfäden, um die SAP-Systeme der Anwender konform zu machen. «Wir brauchen Klarheit, welche Möglichkeiten unsere Mitglieder haben, die gesetzlichen Forderungen umzusetzen. Dass wir wenige Monate vor Ende der Übergangsfrist noch Klärungsbedarf mit SAP haben, ist nicht zufriedenstellend. Die Zeit drängt und wir brauchen nun rasch eine einfach umsetzbare und kostenfreie Lösung», wird Gerhard Göttert, der innerhalb des DSAG-Vorstands für das Thema EU-DSGVO verantwortlich ist, in der Mitteilung zitiert. Der Ansicht, dass die Zeit langsam knapp wird, ist auch Mario Günter: «Unternehmen, die noch nicht aktiv geworden sind, sollten das schnellstmöglich nachholen», rät der Geschäftsleiter der DSAG.


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