Hitachi Vantara Forum 04.06.2019, 17:50 Uhr

Experten diskutieren das Geschäft mit Daten

Bei Hitachi Vantara dreht sich das Geschäft um die Speicherung und Verwendung von Firmendaten. Der Anbieter betont den Nutzen. Kritiker warnen aber auch vor Missbrauch.
Steve Furniss von Hitachi Vantara gab einen Ausblick auf die digitale Wirtschaft von morgen
(Quelle: computerworld.ch )
Die Gegensätze hätten nicht grösser sein können: Die Industrie will Schweizer Firmen beim Heben ihrer Datenschätze helfen. Lediglich zum Wohle der Konsumenten. Zugleich warnte der Buchautor Andrew Keen die IT und die Anwenderunternehmen, die Kundendaten nicht zu missbrauchen. Seiner Meinung nach gäbe es schon zu viele – hauptsächlich US-amerikanische – Datenkraken, die den Anwendern vorgaukelten, sie würden ihnen Gutes tun. Dabei verdienten sie mit den personenbezogenen Informationen schon jetzt Milliarden. Und ein Ende des Business sei Dank einer Monopolstellung nicht in Sicht.
Den Schweizer Unternehmen attestierte Keen allerdings, sie würden verantwortungsbewusst mit den Kundendaten umgehen. Dafür setzen heute viele Anwenderfirmen auf Technologie. Am «Hitachi Vantara Forum» am Dienstag in Baden zeigte der Veranstalter, welche Lösungen künftig Herausforderungen wie Datenschutzgrundverordnung und Regulierung adressieren sollen. Die Leistungsschau traf auf reges Interesse, wie der Schweizer Landeschef Rafael Botor der Computerworld am Rande des Anlasses sagte. Die rund 200 registrierten Teilnehmer seien fast alle an den Anlass gekommen.
Den Gästen präsentierte Steve Furniss von Hitachi Ventara einen Ausblick auf die digitale Wirtschaft von morgen. Dabei nahm er Bezug auf den Vordenker in seinem Konzern, Hitachi Ventaras Chief Technologie Officer Hu Yoshida. Für ihn stehen fünf Entwicklungen in diesem Jahr im Zentrum:
1. Unternehmen wandeln sich von Daten-Sammlern zu datengetriebenen Organisationen
2. künstliche Intelligenz und Machine Learning helfen beim Entschlüsseln der Firmendaten für Geschäftsentscheidungen
3. immer mehr Geschäftsdaten werden direkt am Ort des Geschehens – in der Filiale oder auf der Industrie-Anlage – gesammelt und ausgewertet
4. Rechenzentren werden vollautomatisiert
5. verantwortungsvoller Umgang mit Geschäftsdaten wird zur Priorität
Furniss sagte an dem Anlass, dass Hitachi Ventara jeweils Lösungen und Produkte für die skizzierten Szenarien im Portfolio hätte. Und noch darüber hinaus besitze der Konzern als global tätiges Industrie-Unternehmen weitere Kompetenzen, die sich die Schweizer Kunden zunutze machen könnten.

Die Versprechungen der IT-Konzerne

Am Hitachi-Claim «Your Data. Your Innovation.» nahm Buchautor Keen einen Anstoss, vielmehr am Wort «Your». Das «Your» sei das Versprechen von Amazon, Facebook, Google und den übrigen IT-Konzernen aus dem Silicon Valley. Sie würden den Konsumenten kostenfreie Produkte und Dienstleistungen bereitstellen, die ihr Leben bereichern würden. Im Gegenzug nutzten die Anbieter allerdings die Nutzerdaten für ihre Geschäfte. Keen bezweifelte, dass der Deal fair sei. Die Konzerne profitierten mehr von den Kunden als die Kunden von den Dienstleistungen.
Buchautor Andrew Keen machte «Reparaturvorschläge» für die digitale Wirtschaft
Quelle: computerworld.ch
Generell habe die allgegenwärtige Computertechnologie ihre Versprechen bis anhin nicht eingelöst, war der Kritiker überzeugt. Die Anwender hätten durch die Technologie weder mehr Freiheit, mehr Wahlfreiheit noch mehr Demokratie gewonnen. Allerdings, so doppelte er nach, sei die Entwicklung mit künstlicher Intelligenz und Machine Learning erst am Anfang. Wenn die Maschinen mehr Aufgaben übernehmen können, hätten die Menschen mehr Ressourcen für diejenigen Herausforderungen, die nur sie bewältigen könnten. Bis dahin schlug Keen fünf Massnahmen vor: mehr Regulierung, Innovation statt blinden Gehorsam, sozial verantwortlicher Umgang mit digitalen Lösungen, Wahlfreiheit schaffen und nutzen sowie Bildung. Mit diesen «Reparaturvorschlägen» liesse sich die Macht der grossen IT-Konzerne immer noch eindämmen, war er sich sicher.


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