Microsofts Business-Kern 04.11.2014, 22:09 Uhr

Dynamics, Office 365 und Azure

Microsoft zeigt auf der Convergence ein hochintegriertes Business-Portfolio, das in der Cloud und on-premise läuft. Dynamics CRM 2015 kommt im Dezember. Das halten Kunden von SAP, Salesforce und Microsoft.
Auf der Microsoft Convergence in Barcelona war viel von «One Microsoft», vom neuen «Business-Kern» aus Redmond die Rede. Die grösste Softwarefirma der Welt präsentiert sich als Anbieter von integrierten Business-Applikationen, die Kunden on-premise, aus der Cloud oder hybrid einsetzen können. "Wir haben einen gewaltigen Transformationsprozess hinter uns und bieten heute ein weitaus integrierteres Portfolio an", betonte Kirill Tatarinov, EVP von Microsofts Business Solutions.
Das verbindende Gewebe sei Microsoft Dynamics, das jetzt perfekt mit Office 365 (Lync, Exchange, Sharepoint, Office etc.) und Microsofts Entwicklerplattform Azure zusammenspannen soll. Dynamics CRM zähle weltweit 40'000 Kunden, Navision 100'000 und Dynamics AX (ERP) etwa 20'000. Bis diese Kunden wegen der bekannten Vorteile wie Skalierbarkeit, Agilität und Kostenreduktion in die Cloud migrierten, brauche es jedoch seine Zeit, schätzt Tatarinov die Situation ein. Obwohl die alten On-premise-Legacy-Apps den Unternehmen wie Mühlsteine am Halse hingen.

Cloud-Migration mit Microsoft

Die Vorteile der Cloud seien zwar offensichtlich, sagte Microsofts Fred Studer zu CW. Trotzdem halten Regulierungen, denen bestimmte Industrien unterworfen seien, oder eine on-premise-freundliche Firmenkultur viele Kunden davon ab, ihre Applikationen in die Cloud zu migrieren. Für welches Beschaffungsmodell sich die Kunden aber auch entscheiden, ob public, private, hybride Cloud oder on-premise, Microsoft kann alles. Studer sieht dadurch sein Unternehmen gegenüber der Konkurrenz in einer bevorzugten Position. Die schrittweise Migration in die Cloud könne ein Anbieter, der auf beiden Plattformen zu Hause sei, kompetenter begleiten als zum Beispiel ein cloud-only Provider wie Salesforce. Salesforce hat in Sachen Cloud-CRM Pionierarbeit geleistet. Seit 16 Jahren ist die Firma dank CEO Marc Benioff erfolgreich auf dem Markt. Benioff gilt in der Branche als unternehmerischer Visionär. Allerdings, das ist wahr, laufen Benioffs CRM, Sales und Marketing nur in der Wolke, nicht on-premise. Microsofts Jujhar Singh zeigte nun auf der Convergence das neue Dynamics CRM 2015, das im Dezember dieses Jahres auf den Markt kommen und dem Konkurrenten Paroli bieten soll. Nächste Seite: Das ist neu in Dynamics CRM 2015 Von Beginn an im Release 2015 enthalten sind 27 Industrie-Templates für Finanzhäuser, den Handel, den öffentlichen Sektor und die Herstellung. Templates sollen die Zeit bis zum produktiven Einsatz verkürzen und Firmen einen sogenannten «jump-start» ermöglichen. Einige Features: Mit Dynamics 2015 können Endanwender - im Rahmen ihrer Rechte - Geschäftsprozesse anpassen. Die Software offeriert selbstständig Vorschläge für Cross-Selling-Oportunitäten. Die neue mobile App Cortana unter Windows Phone 8.1 erlaubt es sogar, Anfragen in natürlicher Sprache zu stellen, die dann vom CRM beantwortet werden. 

Kunden-Kenner Thunderhead

Profitieren wird Dynamics CRM ausserdem von der neu angekündigten Partnerschaft mit der Analytics-Expertin Thunderhead. Die Software analysiert die im Microsoft-Jargon so genannte «Customer Journey» über alle Kanäle hinweg (omni-channel), die dann letztendlich zur Kaufentscheidung führt, oder eben nicht. Microsoft erhofft sich von Thunderhead Analysen und Voraussagen, die es gestatten, das Kaufverhalten der Kunden entsprechend zu begleiten oder, wenn man so will, zu beeinflussen. Der technologische Kern, ein sogenannter «Engagement Hub», wurde auf der Convergence nicht genauer spezifiziert. Redmond singt zu allen sich bietenden Gelegenheiten die Lobeshymne auf die Integration von Dynamics in Office 365 und Azure. Gleichwohl ist das Unternehmen mit seinem CRM und ERP nicht alleine auf dem Markt. Welche Argumente sollen Kunden nun dazu bewegen, nicht Salesforce CRM und SAP ERP, sondern Microsoft den Zuschlag zu geben? Salesforce kennt die Cloud wie kein anderer, SAP ist Weltmarktführer ERP. Reicht Integration als Argument? Nächste Seite: Microsoft, SAP und Salesforce aus Kundensicht Computerworld sprach auf der Convergence mit Mike McMinn und Paul Hume von Marston's, einem Bierbrauer und Wirtshauslieferanten aus dem Vereinigten Königreich. Das Traditionsunternehmen betreibt fünf eigene Brauereien und beschäftigt 13000 Mitarbeiter. «Das Kern-ERP von SAP hat unserem Unternehmen über mehr als zehn Jahre sehr gute Dienste geleistet», lobt McMinn die Lösung aus Walldorf. «Wir haben dann versucht, SAP für das gesamte Unternehmen zu implementieren, aber das hat nicht wirklich funktioniert». Heute hat Marston's ein SAP ERP und Microsoft Dynamics CRM parallel im Einsatz.

Anwender: mit Microsoft-GUI vertraut

Den Endanwendern seien Lösungen aus dem Hause Microsoft vertrauter, sie hätten weniger Vorbehalte, berichtet McMinn. Das gelte nicht nur für die immer noch für ihre Bedienunfeundlichkeit berüchtigten SAP-Produkte, sondern auch für Salesforce. Es sein insgesamt einfacher gewesen, über SAP ein Microsoft Dynamics rüberzustülpen. Ausserdem, so gibt sein Kollege Paul Hume auf Nachfrage zu, sei das Angebot aus Redmond auch preislich recht attraktiv ausgefallen, aber das sei nicht der Hauptgrund für den Kaufentscheid gewesen.

Hybride Cloud: keine triviale Übung

Salesforce wiederum sei trotz leichter Bedienung nicht so leicht in SAP integrierbar wie die Microsoft-Lösung. Marston's betreibt seine Enterprise-Apps ausschliesslich mit Produkten von SAP und Microsoft, programmiert selbst Ergänzungen in .Net und Abap. Ausserdem seien eine Virtualisierungslösung von VMware und eine Oracle Datenbank im Einsatz. "Wir werden wohl in Richtung hybride Cloud gehen, aber das ist keine triviale Übung", skizziert McMinn die Zukunftsstrategie seines Unternehmens. Einen weiteren Aspekt bringt Rick Stow vom internationalen Consulting- und Steuerberatungshaus Grant Thornton ins Spiel. Das Unternehmen rollt gerade Dynamics CRM für alle seine Niederlassungen aus. Jede Niederlassung könne das Rollout handhaben, wie sie wolle, sagte Stow. Die USA beziehe CRM aus der Cloud, in Kanada laufe es on-premise.

Vorteil: Synchronisation mit Outlook

Wichtig sei in allen Ländern jedoch die einfache Synchronisation mit Outlook, also zum Beispiel die Übernahme von Outlook-Terminen und Notizen ins CRM. Deshalb sei die Wahl auf Dynamics gefallen. Mit Salesforce könne man das zwar auch realisieren, aber mit Microsoft sei es das letztlich entscheidende Quentchen leichter. "Wir wollen unseren Professional Services die Arbeit so leicht wie möglich machen", betont Stow. Mit Dynamics CRM scheint Microsoft ein populäres Zugpferd im Stall zu haben, zeigte auf der Convergence aber auch Neuheiten seiner beiden ERPs Dynamics Nav und Dynamics AX (ehemals Axapta). Das neue Update für AX kommt im Dezember auf den Markt. Insbesondere zusammen mit den Dynamics Lifecycle Services aus der Azure-Cloud sollen Projekte schneller realisiert werden können. Automatisierungsroutinen ersetzen (teilweise) die vorher nötige Handarbeit. Das neue Dynamics Nav 2015 - Microsofts zweites ERP - ist mit einer auf Tablets und Touch optimierten Bedienoberfläche ausgestattet. Anwender können etwa das Layout von Rechnungen in Office Word gestalten. Auch hier profitieren die Business-Anwendungen von der engen Verzahnung des Microsoft-Produktportfolios Dynamics, Office 365 und Azure.


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