"Ich bin froh, ist der Bitcoin-Hype vorbei"

Aktuelle Entwicklungen in der Schweizer Blockchain-Szene

CW: Was sind aktuelle Entwicklungen in der Schweizer Blockchain-Szene?
Gasteiger: Die Blockchain-Aktivitäten werden zu einem Aushängeschild der Schweiz. Angefangen bei den Aktivitäten seit 2014 im Raum Zug und der Gründung des Crypto Valley. Bald darauf sind die ersten Banken auf das Thema aufgesprungen, zum Beispiel die UBS mit dem Engagement im Level 39 in London sowie am Hauptsitz in Zürich. Seit 2016 entstanden weitere Hotspots in der ganzen Schweiz: Im Tessin gibt es einen Cluster in Chiasso. Gleichzeitig haben sich der Kanton und die Stadt Chiasso an Zug ein Vorbild genommen und akzeptieren Krypto-Währungen für Behördendienstleistungen. In Genf gibt es den «Fusion»-Hub mit eini­gen Blockchain-Firmen, Bity ist in Neuchâtel ansässig.
Daneben bin ich Teil der Blockchain Taskforce der Bundesräte Ueli Maurer und Johann Schneider-Ammann. Hier arbeitet die Szene mit der Politik zusammen an der Zukunft des Blockchain-Standorts Schweiz. Ich zitiere gerne Bundesrat Schneider-Ammann, der die Schweiz selbst als «Crypto Nation» bezeichnete. Wobei Blockchain natürlich viel mehr umfasst als Krypto-Währungen.
An der Zürcher Bahnhofstrasse residiert der Trust Square
Quelle: pd
CW: Gibt es Verbindungen zwischen dem Trust Square und der Crypto Valley Association? Sind Sie Mitglied?
Gasteiger: Nein, wir sind nicht Mitglied. Grundsätzlich sehe ich Verbände auch mit Skepsis. Solche Organisationen können zwar sinnvoll sein, aber in der grossen Zahl, in der sie mittlerweile existieren, sind sie nicht mehr zielführend.
Aber ich habe gute Freunde im Crypto Valley, etwa den Präsidenten der Bitcoin Association Switzerland, Lucas Betschart. Auch partnern wir mit den Crypto Valley Labs. Denn der Schwerpunkt der Schweizer Szene ist immer noch im Raum Zug. Und klar ist auch: Ohne Zug gäbe es die Schweizer Blockchain-Szene in der heutigen Form nicht.
CW: Die Finanzwelt sagt den Verfall des Bitcoins voraus. Sind Sie bald ein armer Mann?
Gasteiger: Nein, keineswegs. Ich besitze nicht mal einen Bitcoin. Als ich 2015 in die Selbstständigkeit gestartet bin, musste ich während eines Aufenthalts in einem Blockchain-Hub in Prag zwar Bitcoin kaufen, weil dort nur die Krypto-Währung akzeptiert wurde. Ich zahlte 270 Dollar und verbrauchte den Bitcoin dann auch recht schnell. Später habe ich weder investiert noch spekuliert mit Bitcoin, obwohl ich als früherer Devisenhändler Erfahrung mit solchen Geschäften hätte. Ich glaube an die Idee hinter Bitcoin als dezentrale Währung, sehe darin aber kein Investitionsobjekt.
Mittlerweile bin ich froh, dass der Hype um den Bitcoin vorbei ist. Es hat sich in den letzten Jahren ein Speckgürtel um die Szene herum gebildet: Ehemalige Banker, die im Banken-Business für sich keine Perspektiven mehr sahen, selbsternannte Berater für ICOs oder Technologiespezialisten ohne Erfahrung in Blockchain-Projekten. Sie alle wollten vom Hype profitieren – und haben mit dem Bitcoin spekuliert. Und nun haben sie in den letzten acht Monaten wieder viel Geld verloren – auch weil sie beispielsweise nicht wissen, wie man Fremdwährungsrisiken richtig absichert.


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