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Ersatz für WordPad

Microsoft entfernt das Textverarbeitungsprogramm WordPad aus Windows. Aus der kürzlich veröffentlichten Windows-Version 11 24H2 ist es bereits verschwunden. Doch wir kennen gute, kostenlose Alternativen.
© (Quelle: Shutterstock/moloko_vector)

Das Tool WordPad erblickte 1995 zusammen mit Windows 95 das Licht der Welt (siehe auch Box). Der Abschied von der kleinen Textverarbeitung vollzieht sich in mehreren Schritten. Bereits 2020 schuf Microsoft erstmals die Möglichkeit, WordPad zu deinstallieren. Damals degradierte Microsoft WordPad zusammen mit Notepad und dem Bildbearbeitungsprogramm Paint zu optionalen Windows-Tools. Zudem animierte der Konzern die Anwender, auf die Onlineversion von Microsoft Word umzusteigen. 2023 kündigte Microsoft an, das Programm abschaffen zu wollen. Nun ist es so weit: Das aktuelle Windows 11 sowie alle künftigen Versionen werden WordPad nicht mehr enthalten.

Die Nutzer, die bisher WordPad zum Schreiben von Texten benutzt haben, sollen für DOC- und RTF-Texte entweder auf das kostenpflichtige Microsoft Word oder auf das spartanische Notepad ausweichen. Letzteres ist der Streichliste von Microsoft bisher nicht zum Opfer gefallen.

Unser Artikel stellt Ihnen fünf kostenlose Alternativen zu WordPad vor, mit denen Sie weiterhin bequem Ihre Texte verfassen können.

TIPP: Eine kurze Geschichte von WordPad

Seit Windows 95 ist das Text-Tool WordPad Bestandteil des Betriebssystems Windows. In älteren Versionen war jeweils das Programm Microsoft Write enthalten. Noch heute lässt sich WordPad mit dem Befehl write in der Eingabeaufforderung starten. Microsoft veröffentlichte im Zuge der Einführung von Windows 95 den Quellcode von WordPad. Er ist heute noch zugänglich, etwa auf der Webseite github.com/malxau/wordpad. Für Windows 7 hat Microsoft WordPad gründlich aktualisiert. Das Text-Tool erhielt ein modernes Ribbon-Menü und ähnelte somit stark der Bedienoberfläche von Microsoft Word. Ausser reinen Textdateien kann WordPad Dateien im Rich Text Format (RTF) verarbeiten. Seit Windows XP unterstützt es Unicode. Ab der Version in Windows 7 kann WordPad auch die Formate Office Open XML (DOCX) und Open Document (ODT) lesen und schreiben. Im September 2023 hat Microsoft bekannt gegeben, dass WordPad zukünftig nicht mehr Bestandteil von Windows sein wird.

Focus Writer

Das Programm Focus Writer (gottcode.org/focuswriter) eignet sich gut als kostenloser WordPad-Ersatz. Der Entwickler der Software heisst Graeme Gott, daher der Name der Webseite. Das Open-Source-Tool verzichtet auf Schnickschnack und überladene Bedienoberflächen. Dadurch rückt der Text in den Mittelpunkt des Interesses. Das Tool startet standardmässig im Vollbildmodus und zeigt keine Menüleiste, Bild 1. Diese lässt sich einblenden, indem man den Mauszeiger an den oberen Bildschirmrand bewegt.

© Quelle: PCtipp.ch

Dieses Verhalten können Sie ändern. Dazu gehen Sie in den Einstellungen zu Voreinstellungen. Im Reiter Allgemein legen Sie unter Benutzeroberfläche fest, dass die Menüleiste stets eingeblendet bleibt. Dazu setzen Sie ein Häkchen bei Immer die obere Leiste zeigen, Bild 2.

Bild 2: In den Einstellungen lässt sich festlegen, welche Elemente das Tool dauerhaft anzeigen soll © Quelle: PCtipp.ch

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Gestaltung mit der weissen Schreibfläche auf einem virtuellen Holzpult. Aber auch das lässt sich ändern: Über Einstellungen/Designs suchen Sie sich ein dezenteres Layout aus.

Ferner bietet Focus Writer Echtzeitstatistiken, Tagesziele und eine Rechtschreibprüfung für zahlreiche Sprachen. Das Tool unterstützt die Formate TXT, RTF, DOCX und ODT.

Focus Writer benötigt keine Installation und lässt sich daher als mobile App etwa auf einem USB-Stick verwenden.

Free Office

Free Office (freeoffice.com) ist der kleine Bruder von Softmaker Office. Beide sind Produkte des deutschen Software-Herstellers Softmaker, Bild 3. Während Softmaker Office kostenpflichtig ist, müssen Sie für Free Office nur eine E-Mail-Adresse angeben und die Software nach fünf Tagen registrieren.

© Quelle: PCtipp.ch

Das Tool Free Office umfasst nebst der WordPad-Alternative Textmaker mit Planmaker und dem Werkzeug Presentations auch ein Tabellenkalkulations- und ein Präsentationsprogramm. Mit Textmaker können Sie Textdokumente mit Grafiken, Tabellen, Kopf- und Fusszeilen und anderen Objekten erstellen. Optisch orientiert sich die Software sehr stark am Vorbild aus dem Hause Microsoft. So steht ein modernes Ribbon-Menü zur Verfügung, aber auch ein klassisches Menü inklusive Light und Dark Mode. Die Auswahl lässt sich in den Einstellungen jederzeit ändern. Dazu klicken Sie im Reiter Aussehen auf Benutzeroberfläche.

Ein grosser Pluspunkt des Programms Textmaker ist seine Kompatibilität zu anderen Textverarbeitungen. So lassen sich auch Dokumente aus älteren Versionen von Microsoft Word problemlos und verlustfrei öffnen. Beim Speichern von Dokumenten können Sie zwischen den Dateiformaten von Microsoft Office oder den eigenen Free-Office-Formaten wählen, Bild 4. Ausserdem lassen sich Dateien im Format PDF exportieren.

© Quelle: PCtipp.ch

Auch eine Rechtschreibkontrolle für knapp hundert Sprachen ist vorhanden. Laut Hersteller genügt Free Office den Datenschutzanforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU und somit auch den Anforderungen in der Schweiz.

Manuskript

Eine Open-Source-Alternative ist das Tool Manuskript aus der Schweiz (theologeek.ch/manuskript). Mit Manuskript lassen sich Texte verwalten und nach Belieben mit Markierungen und Tags versehen. Die Anwendung spielt ihre Stärken insbesondere bei längeren Geschichten aus. Personen, Handlung und Orte lassen sich nicht nur separat als Information verwalten, sondern Sie können Texte auch entsprechend markieren. So behalten Sie mit der Option Charaktere den Überblick über die Personen, die in Ihrem Text vorkommen. Die Funktionen Handlungsstränge und Welt sorgen dafür, dass Sie sich in Ihrer Geschichte nicht verheddern.  

Manuskript bietet zwei Modi, die zunächst etwas gewöhnungsbedürftig wirken: einen Modus namens Fiktionaler Text, Bild 5, mit den erwähnten Werkzeugen für Belletristik-Autoren mit Zusammenfassungen, Handlungen oder Welten und einen einfachen Modus, der nur den Abschnitt Textverarbeitung enthält, Bild 6. Eine Besonderheit: Der Häufigkeits-Analysator hilft Ihnen herauszufinden, welche Wörter oder Sätze Sie inflationär verwenden. Auch eine Rechtschreibkontrolle bringt das Tool mit.

© Quelle: PCtipp.ch
© Quelle: PCtipp.ch

Nach der Installation des Zusatz-Tools Pandoc (pandoc.org) lassen sich Texte auch in Formaten wie DOCX oder EPUB speichern, sodass man sie mit anderen Textbearbeitungsprogrammen bearbeiten kann.

Manuskript ist gut geeignet dafür, lange Texte konzentriert auf den Bildschirm zu bringen. Einige Funktionen befinden sich jedoch in Menüs, wo man sie intuitiv nicht erwartet. Die Veränderung der Schriftgrösse etwa erreichen Sie unter Bearbeiten/Einstellungen/Ansichten/Texteditor.

Die Software unterscheidet strikt zwischen dem Arbeitsdokument und dem exportierten Text. Manuskript kennt Formate wie einfachen Text, HTML, Markdown und PDF.

Das Tool befindet sich noch in der Entwicklung, sodass es sich lohnen kann, immer mal wieder auf der Webseite des Entwicklers vorbeizuschauen.

Writemonkey

Writemonkey (writemonkey.com) ist ein spartanisches Schreibprogramm für Minimalisten. Das einfache Design und der optionale Vollbildmodus sollen jegliche Ablenkung vermeiden, damit Sie sich vollständig auf das Schreiben Ihres Textes konzentrieren können. Denn so können aufblinkende Kurznachrichten, eintrudelnde E-Mails oder die sozialen Netzwerke Sie nicht ablenken. Writemonkey bringt einige innovative Funktionen mit. Dazu zählen Lesezeichen, ein Fortschrittsbalken für Texte, die eine bestimmte Länge erreichen sollen, sowie ein Timer, um die Schreibarbeit zeitlich zu begrenzen. Diese und weitere Funktionen lassen sich ganz einfach mit Plug-ins hinzufügen, Bild 7.

Bild 7: Writemonkey ist eine spartanische Textverarbeitung mit interessanten Funktionen wie einem Timer © Quelle: PCtipp.ch

Beim Thema Formatierung herrscht weitgehend Fehlanzeige. Writemonkey nimmt das Motto «weniger ist mehr» sehr ernst. Das zeigt auch ein Blick auf die Webseite, die an HTML-Konstrukte aus den 90er-Jahren erinnert.

Beim Schreiben bleibt die aktuelle Zeile stets in der Mitte des Bildschirms, anstatt nach unten zu rutschen. Zu den Menüpunkten gelangt man nach einem Klick mit der rechten Maustaste auf den Textbereich, Bild 8. Mit Toggle full screen gelangen Sie zur ablenkungsfreien Vollbildansicht. Command Palette führt Sie zu weiteren Befehlen. Die Denkaufgabe besteht darin, zu erkennen, dass man die Liste nach unten scrollen kann. Dort findet man auch die Themes, um das Farbschema zu ändern. Die zuletzt verwendeten Befehle wandern nach oben. Wenn Sie Ihren Text fertig haben, können Sie ihn lediglich als TXT-Datei abspeichern oder ausdrucken. Writemonkey benötigt keine Installation und ist ein äusserst schlankes Tool.

© Quelle: PCtipp.ch

Google Docs

Mit der Anwendung Google Docs (docs.google.com) erstellen und bearbeiten Sie Texte im Webbrowser, Bild 9. Docs-Dokumente lassen sich unter anderem ins PDF- oder Microsoft-Office-Format exportieren oder als E-Mail versenden. Zudem haben Sie die Möglichkeit, Dokumente mit Kollegen oder Freunden zu teilen und in Echtzeit zu bearbeiten. Änderungen landen automatisch auf den Google-Servern. Ein automatischer Änderungsverlauf sorgt dafür, dass sich frühere Bearbeitungen einsehen und rückgängig machen lassen.

© Quelle: PCtipp.ch

Google Docs bietet alle grundlegenden Funktionen, um Dokumente professionell zu gestalten. Variable Schriftarten- und Schriftgrössen sind ebenso vorhanden wie individuelle Zeilenabstände und Einzüge, Aufzählungszeichen und Absatzformate. Ausser Text lassen sich Bilder, Tabellen oder mathematische Gleichungen einfügen. Sie können Seitenzahlen und Kopf- und Fusszeilen nutzen, manuelle Seitenumbrüche einfügen, Kommentare einsetzen und ein Inhaltsverzeichnis für das Dokument generieren.

Für die ersten Schritte stehen mehrere Vorlagen, etwa für Lebenslauf, Brief und Broschüre zur Verfügung, Bild 10. Weitere Funktionen sind eine Rechtschreibprüfung sowie die Möglichkeit, Texte in eine ausgewählte Sprache zu übersetzen.

© Quelle: PCtipp.ch

Google Docs ist in Google Drive integriert und verbraucht anteilig Platz am Gesamtspeicherplatz. Relativ neu ist die Funktion, direkt in Google Docs KI-generierte Bilder zu erstellen. Das basiert auf Googles Bildgenerator Imagen 3, steht aber nur für zahlende Google-Workspace-Nutzer zur Verfügung.

WordPad behalten

Wer sich gar nicht von WordPad trennen kann, der kann es erneut installieren und zumindest vorübergehend weiterhin verwenden, Bild 11. Dazu brauchen Sie ein funktionierendes Exemplar des Tools. Navigieren Sie auf einem Rechner mit Windows 11 23H2 oder älter im Windows Explorer zum Ordner C:\Programme\Windows NT\Accessoires. Dort befinden sich die Dateien wordpad.exe und WordPadFilter.dll sowie mehrere Ordner mit Lokalisierungen. Kopieren Sie das alles auf ein Speichermedium, etwa einen USB-Stick. Wechseln Sie zu dem Rechner, auf dem WordPad nicht mehr vorhanden ist, und kopieren Sie die Dateien vom USB-Stick in einen beliebigen Ordner.

© Quelle: PCtipp.ch

Um eine Verknüpfung auf dem Desktop anzulegen, klicken Sie die Datei wordpad.exe mit der rechten Maustaste an und wählen aus dem Kontextmenü Weitere Optionen anzeigen. Nun greifen Sie zu Senden an und danach zu Desktop. Fertig ist die Verknüpfung. Im nächsten Schritt fügen Sie WordPad dem Startmenü Ihres Systems hinzu. Windows speichert dieses an mehreren Orten. Einer ist das versteckte Verzeichnis C: \ProgramData\Microsoft\Windows\Startmenü\Programme. Gegebenenfalls machen Sie diesen Pfad mit Anzeigen/Einblenden/Ausgeblendete Elemente zunächst sichtbar. Kopieren Sie die Desktop-Verknüpfung von WordPad dort hinein.

Optional können Sie festlegen, dass WordPad standardmässig RTF-Dokumente öffnet. Dazu gehen Sie in den Windows-Einstellungen zu Apps und wählen WordPad in der Liste unter Standard-Apps aus.

WordPad so zu installieren, stellt kein unmittelbares Sicherheitsrisiko dar, da es sich um originale Microsoft-Dateien handelt. Es erhält jedoch keine Funktions- und Sicherheitsupdates mehr.

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