Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 4 Min.

Session-Cookie-Diebstahl hebelt 2FA aus

Cyberkriminelle stehlen zunehmend Session-Cookies. Dadurch gelingt es ihnen, die als Ergänzung zum reinen Passwortschutz gedachte Multi- oder Zwei-Faktor-Authentifizierung von Cloud-Diensten auszuhebeln.
Schematische Darstellung einer «Pass the cookie»-Attacke
© (Quelle: Joshua Bedford/Unsplash)

Cyberkriminelle nutzen zunehmend gestohlene Session-Cookies, um die Zwei- oder Multi-Faktor-Authentifizierung (2FA oder MFA) zu umgehen und Zugriff auf Unternehmensressourcen zu erhalten. Dies berichten IT-Security-Spezialisten von Sophos im Report «Cookie stealing: the new perimeter bypass».

Die Sitzungs- oder Authentifizierungs-Cookies dienen normalerweise dazu, den User eines Web-Dienstes wiederzuerkennen, nachdem er sich mit Passwort und Zweitidentifikation authentifiziert hat. So muss er nicht bei jedem Besuch das doch aufwändige 2FA- oder MFA-Prozedere wiederholen. Diese eigentlich benutzerfreundliche Verfahrensweise wird nun aber immer häufiger missbraucht.

«Im vergangenen Jahr haben wir beobachtet, dass Cyberkriminelle vermehrt auf Cookie-Diebstahl zurückgreifen, um die zunehmende Verbreitung von MFA zu umgehen», sagt Sean Gallagher, Principal Threat Researcher bei Sophos. «Sie nutzen neue und verbesserte Malware – etwa Raccoon Stealer –, um den Diebstahl von Authentifizierungs-Cookies, auch bekannt als Access Tokens, zu vereinfachen», fügt er an. «Wenn Angreifende im Besitz von Session-Cookies sind, können sie sich frei in einem Netzwerk bewegen.»

Sobald Cyberkriminelle in Besitz eines Sitzungs- oder Authentifizierungs-Cookies gelangen, können sie gemäss Sophos einen sogenannten «Pass the Cookie»-Angriff durchführen, bei dem sie das Zugriffstoken in eine neue Web-Sitzung einschleusen und dem Browser vorgaukeln, es melde sich ein authentifizierter Benutzer an. Damit ist keine weitere Authentifizierung mehr erforderlich.

Schematische Darstellung einer «Pass the cookie»-Attacke © Quelle: Sophos

Da bei der Verwendung von MFA auch ein Token erstellt und in einem Webbrowser gespeichert wird, könne derselbe Angriff verwendet werden, um diese zusätzliche Authentifizierungsebene zu umgehen, schreibt Sophos. Erschwerend komme hinzu, dass viele legitime webbasierte Anwendungen langlebige Cookies anlegten, die selten oder nie ablaufen. So würden einige Cookies nur dann gelöscht, wenn sich der Benutzer ausdrücklich vom Dienst abmeldet.

Laut Sophos ist das Klauen von Session-Cookies keine Hexerei mehr. Dank Malware-as-a-Service wird es selbst für eher unerfahrene Cyberkriminelle immer einfacher, in das lukrative Geschäft mit dem Diebstahl von Zugangsdaten einzusteigen.

Sie müssten beispielsweise nur eine Kopie eines Trojaners wie Raccoon Stealer kaufen, um Daten wie Passwörter und Cookies in grossen Mengen zu sammeln, beobachtet der IT-Security-Experte. Danach können die Zugangsdaten auf kriminellen Marktplätzen wie Genesis angeboten werden. Andere Kriminelle in der Angriffskette, wie etwa Ransomware-Betreiber können diese Daten dann kaufen und für ihre dunklen Zwecke missbrauchen.

Die Sophos-Experten beobachten aber auch sehr gezielte Vorgehensweisen, so bei zwei der jüngsten Vorfälle. In einem Fall verbrachten die Angreifenden Monate im Netzwerk des Zielunternehmens und sammelten Cookies des Microsoft-Edge-Browsers. Die erste Kompromittierung erfolgte über ein Exploit-Kit. Anschliessend nutzten sie eine Kombination aus Cobalt-Strike- und Meterpreter-Aktivitäten, um über ein legitimes Compiler-Tool die Zugriffstoken abzugreifen. In einem anderen Fall nutzten die Angreifenden eine legitime Microsoft-Visual-Studio-Komponente, um eine bösartige Malware abzusetzen, die eine Woche lang Cookie-Dateien abfing.

«Während wir in der Vergangenheit massenhaften Cookie-Diebstahl beobachten konnten, gehen Cyberkriminelle jetzt gezielt und präzise vor, um Cookies zu stehlen», berichtet Gallagher. «Da ein grosser Teil des Arbeitsplatzes inzwischen webbasiert ist, gibt es keine Grenzen für die bösartigen Aktivitäten, die Angreiferinnen und Angreifer mit gestohlenen Sitzungscookies durchführen können», ergänzt er. So könnten sie Cloud-Infrastrukturen manipulieren, geschäftliche E-Mails kompromittieren, andere Mitarbeitende zum Herunterladen von Malware überreden oder sogar Code für Produkte umschreiben. Die einzige Grenze sei ihre eigene Kreativität, so Gallagher.

«Erschwerend kommt hinzu, dass es keine einfache Lösung gibt. Zwar können Dienste beispielsweise die Lebensdauer von Cookies verkürzen, was jedoch bedeutet, dass sich die Benutzerinnen und Benutzer häufiger neu authentifizieren müssen», gibt Gallagher zu Bedenken. «Da die Angreifenden legitime Anwendungen nutzen, um Cookies abzugreifen, müssen Unternehmen die Erkennung von Malware mit einer Verhaltensanalyse kombinieren», so sein Fazit.

Cloud & Infrastruktur Business & IT-Strategie
Anzeige

Neueste Beiträge

«Wir sind ein internationaler Anbieter mit einer lokalen Seele»
Der Schweizer Markt für IT-Dienstleistungen gilt als anspruchsvoll und stark umkämpft. Dennoch sieht die Var Group erhebliches Wachstumspotenzial. Im Interview erklären Massimo Fumagalli und Sladjana Timotijevic, weshalb sie auf lokale Verankerung statt auf reine Grösse setzen und welche Rolle weitere Akquisitionen bei der Expansion in der Schweiz spielen sollen.
5 Minuten
«Sicherheit schafft Vertrauen auf digitalen Marktplätzen» - Mostafa Hassanin, SMG Swiss Marketplace Group
Millionen von Menschen in der Schweiz nutzen Online-Marktplätze wie Ricardo, tutti.ch, Homegate, ImmoScout24 oder AutoScout24. Mostafa Hassanin verantwortet als Group CISO/CSO der SMG Swiss Marketplace Group die Cybersicherheitsstrategie hinter diesen Plattformen. Dabei zeigt sich: KI wird dort eingesetzt, wo sie Risiken schneller erkennbar macht und den Schutz der Nutzer:innen konkret stärkt.
6 Minuten
Kurze Newsletter-Sommerpause - In eigener Sache
Vom 27. Juli bis zum 9. August macht die Computerworld-Redaktion eine kurze Newsletter-Sommerpause. Sie bekommen in diesem Zeitraum keinen Newsletter. Den nächsten Newsletter erhalten Sie dann wieder am 10. August.
2 Minuten
26. Jul 2026

Das könnte Sie auch interessieren

E-Mail «Neue Sprachnachricht» ist Phishing
Betrüger versenden E-Mails, in denen sie behaupten, dass eine neue Sprachnachricht bereitstehe. Damit versuchen sie, an Zugangsdaten von persönlichen Benutzerkonten zu gelangen.
3 Minuten
Digital Business im Fokus: Wohin geht die Reise? - Computerworld Ausgabe 2/2026
Autonomie und Souveränität werden inzwischen als Schlagworte mindestens ebenso häufig verwendet wie Künstliche Intelligenz und Datenschutz. Automatisierung und die Transformation zu einer hohen Dichte an KI-Agenten in Unternehmen werden die Zukunft des Digital Business prägen. Daraus entsteht ein Mix, der spannender und komplexer nicht sein könnte. Die Digitalisierung hat Dimensionen erreicht, die sich - Ironie des Wandels - fast nur noch mit KI bewältigen lassen. Höchste Zeit also für einen Überblick. 
2 Minuten
Open-Source-Technologien im Sicherheitsbereich - Parldigi | Digitale Nachhaltigkeit
In Staat und Wirtschaft kommen seit längerem Open-Source-Technologien zum Einsatz. Doch welche Rolle spielt Open-Source im Bereich Security? Auf diese Frage gab der Parldigi-Anlass in Bern u. a. mit Bundesrat Martin Pfister mögliche Antworten.
4 Minuten
26. Jun 2026
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige