«GRC wird zum Gamechanger»
Governance, Risk & Compliance
Hinweis: Das Interview stammt aus der Print-Ausgabe 04/25 der Computerworld.
GRC hat sich vom Compliance-Pflichtthema zum strategischen Business-Enabler entwickelt, sagt Nikolai Tsenov. KI, Predictive Analytics und integrierte Plattformen machen Risiken früher sichtbar, Entscheidungen schneller – und GRC zum zentralen Faktor für Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit.
Computerworld: Ist GRC ein strategischer Business-Enabler oder einfach Compliance-Pflicht?
Nikolai Tsenov: Im Jahr 2025 hat sich der Stellenwert von GRC eindeutig vom reinen Compliance-Erfordernis zu einem strategischen Business-Enabler entwickelt. Unternehmen, die bereits Next-Generation-GRC nutzen, haben erkannt, dass modernes, intelligentes GRC nicht nur Risiken und Bedrohungen wirksamer beherrschbar macht, sondern einen echten Wettbewerbsvorteil schafft. Der Einsatz von AI, Predictive Analytics, Business Intelligence und die Generierung echtzeitfähiger, handlungsorientierter Insights ermöglichen es, Risiken und Chancen gleichermassen frühzeitig zu erkennen, zu bewerten und aktiv zu steuern. Moderne GRC-Plattformen liefern Frühwarnsignale, unterstützen vorausschauende Entscheidungen und fördern eine proaktive Haltung, bevor Risiken materialisieren und sobald erste Hinweise auf Chancen und Opportunitäten entstehen. Gleichzeitig bleibt die Compliance-Pflicht fest verankert: Das aktuelle Cognitive GRC (GRC 5.0) verbindet robuste Compliance-Funktionen mit intelligenter Automatisierung. Erfolgreiche Organisationen gehen jedoch einen Schritt weiter und entwickeln sich hin zu Business-Integrated GPRC (GRC 6.0), bei dem Governance, Performance, Risk und Compliance vollständig integriert sind und messbar auf Unternehmensziele und Performance einzahlen. Die nächste Entwicklungsstufe, GRC Orchestration (GRC 7.0), führt diese Integration konsequent weiter: Daten, Prozesse, Risiken und Verantwortlichkeiten werden unternehmensweit orchestriert, sodass Entscheidungen schneller, konsistenter und in Echtzeit getroffen werden können. Dadurch wird GRC vom unterstützenden Framework zum strategischen Orchestrator des Unternehmens. GRC ist 2025 keine bequeme «Check-Box-Übung» mehr, sondern ein Enabler, ein Differentiator und ein zentraler Motor für nachhaltigen Unternehmenserfolg.
CW: Welche regulatorischen Entwicklungen (z. B. Cyber Resilience Act, Schweizer Vorgaben) erhöhen aktuell den Druck auf Unternehmen?
Tsenov: 2025 steigt der regulatorische Druck auf Unternehmen deutlich, da neue Vorgaben Cybersecurity, Resilienz, digitale Produkte, KI und Lieferkettenrisiken bündeln. Mit dem Cyber Resilience Act (CRA) und dem geplanten Schweizer Cyberresilienz-Gesetz müssen digitale Lösungen, Softwareprodukte und Plattformen entlang des gesamten Lebenszyklus hohe Sicherheitsstandards erfüllen. NIS2 und DORA verschärfen die Anforderungen an Betriebssicherheit, Risikomanagement, Incident Response und Third-Party Risk Management (TPRM), sodass auch Schweizer Unternehmen entlang globaler Supply Chains Risiken proaktiv steuern müssen. Gleichzeitig bringen KI-Regulierungen wie der EU AI Act neue Pflichten für Transparenz, Modellvalidierung, Monitoring und Risikomanagement. Schweizer Initiativen sowie internationale Standards (ISO, NIST, OECD) verstärken den Bedarf an systematischer AI Governance. In diesem Umfeld verschmelzen Sicherheits-, Resilienz- und KI-Anforderungen zunehmend. Für Schweizer Unternehmen werden Cybersecurity, Resilienz, AI Governance sowie TPRM und Lieferkettenmanagement zu zentralen Steuerungsinstrumenten, mit denen Risiken gemanagt, Compliance gesichert und strategische Chancen frühzeitig genutzt werden können. Diese regulatorischen Entwicklungen erhöhen den Druck auf Unternehmen erheblich, machen GRC aber gleichzeitig zu einem strategischen Enabler, der Performance, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit stärkt, wie bereits erwähnt.