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So wird KI vom Spielzeug zum Werkzeug

Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, den Fachkräftemangel abzufedern und ausbleibendes Wachstum zu kompensieren. Damit KMU diese Chance nutzen können, müssen sie ihre Hausaufgaben machen: strategisch, personell und technologisch.

Der Autor: Marc Beierschoder ist Partner für KI und Daten bei Deloitte Schweiz.

© Deloitte

Die meisten Schweizer KMU haben KI bereits ausprobiert. Trotzdem bleibt der grosse Durchbruch oft aus. Nicht, weil die Technologie fehlt. Sondern weil viele Unternehmen KI nicht richtig einsetzen. Der Druck dafür steigt. Der demografische Wandel gefährdet langfristig den Wohlstand in der Schweiz: Die Lebenserwartung steigt, die Geburtenrate sinkt, und der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung nimmt ab. Die Folgen sind bereits spürbar: Fachkräftemangel, steigende Kosten und ein wachsendes Produktivitätsproblem. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Es trifft aber auch jedes einzelne Unternehmen: Wachstum wird künftig nicht mehr allein über mehr Personal möglich sein. Unternehmen müssen mit bestehenden Ressourcen mehr Wirkung erzielen. Genau hier kann KI helfen. Doch dafür reicht es nicht, einzelne Anwendungen zu testen, Chatbots einzuführen oder Mitarbeitenden Zugang zu neuen Tools zu geben. Viele Initiativen bleiben in Pilotprojekten stecken. Sie erzeugen Aufmerksamkeit, aber keinen messbaren Geschäftswert.

Vom Pilot zur skalierbaren Umsetzung

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht: Welche KI-Tools sollen wir ausprobieren? Sondern: Wo ent­stehen durch KI messbare Vorteile für unser Geschäft – und wie bringen wir diese Vorteile schnell in den operativen Alltag? Für KMU ist diese Priorisierung besonders wichtig. Sie haben selten unbegrenzte Budgets, grosse IT-Abteilungen oder interne Spe­zialistenteams. Umso wichtiger ist ein klarer Fokus auf wenige, wertvolle Anwendungsfälle. Ein guter ­KI-Use-Case erfüllt drei Bedingungen: Er ist relevant für das Geschäft, technisch realisierbar und organisatorisch umsetzbar. Fehlt eine dieser drei Voraussetzungen, entsteht meist kein skalierbarer Mehrwert. Viele Unternehmen unterschätzen, dass KI nicht nach dem ersten erfolgreichen Test skaliert. Ein einzelner Pilot beweist nur, dass etwas grundsätzlich möglich ist. Er beweist noch nicht, dass es im Unternehmen wiederholbar, sicher und wirtschaftlich betrieben werden kann.

Architektur, Daten und Sicherheit entscheiden über Skalierung

Der eigentliche Wert entsteht erst, wenn KI-Anwendungen als wiederverwendbare Fähigkeit aufgebaut und in Prozesse, Systeme und Entscheidungswege eingebettet werden. Gerade für mittelständische Unternehmen ist das entscheidend. Denn der Engpass liegt oft nicht in der Idee, sondern in der Fähigkeit, gute Ideen verlässlich in produktive Lösungen zu überführen. Dafür müssen KMU ihre technologische Basis klären: Passt die gewählte Lösung zur bestehenden IT-Landschaft? Sind die Daten ausreichend strukturiert, relevant und verlässlich? Sind Datenschutz, Zugriffskontrolle und Cybersicherheit von Anfang an berücksichtigt?

KMU sollten nicht versuchen, jedes Thema allein zu lösen und es braucht auch keinen jahrelangen Transformationsplan. Externe Partner können helfen, Geschwindigkeit aufzubauen und Erfahrung einzubringen. Entscheidend bleibt aber: Die strategische Verantwortung muss im Unternehmen selbst liegen.

Wer diese Grundlagen legt, kann KI vom Spielzeug zum Werkzeug machen. Und genau darin liegt die Chance für KMU: nicht darin, jedem technologischen Trend hinterherzulaufen – sondern in klar fokus­sierten Programmen, die Produktivität steigern, ­Mitarbeitende entlasten und neue Wachstumsräume eröffnen.

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