Wi-Fi 6: Mit Vollgas durchs Netz

WLANs und Wi-Fi

Neben dem IEEE formierte sich Ende des letzten Jahrtausends noch die Wireless Ethernet Compatibility Alliance (WECA). Dazu gehörten renommierte Hersteller wie 3Com, Aironet (Cisco), Harris Semiconductor (Intersil), Lucent, Nokia und Symbol Technologies (Motorola). WECA testete und zertifizierte die WLAN-Komponenten der unterschied­lichen Hersteller auf Interoperabilität – eine gute Idee, denn sie bereitete den herstellerspezifischen Geräten ein Ende. Deren Marke Wi-Fi – Wireless Fidelity – brachte dem WLAN weiteren Vorschub. Drei Jahre später hatte die WECA bereits 500 Mitglieder und benannte sich in Wi-Fi Alliance um, weiterhin mit Fokus auf Zertifizierung und aufs Testen. Das Synonym Wi-Fi hingegen blieb bis heute erhalten und mittlerweile werden die Generationen auch durchnummeriert (vgl. Tabelle unten).
Im Jahr 1999 wurde der Standard 802.11b mit bereits 11 Mbit/s im 2,4-GHz-Band veröffentlicht und setzte sich schnell durch, während der ebenfalls neue IEEE-Standard 802.11a mit 54 Mbit/s im 5-GHz-Band ein Nischendasein fristete. Technikfreaks betrieben um die Jahrtausendwende also ein Einwahlmodem (zum Beispiel via ISDN mit sagenhaften 64 Kbit/s), einen Router und einen WLAN AP nach IEEE 802.11b. Notebooks stellten die Verbindung zum AP über eine externe PCMCIA-Karte her. Diese war klobig, brauchte viel Strom, erzeugte Abwärme und frass zudem Prozessorleistung. Erst vor rund zehn Jahren wurden die immer kleineren WLAN-Module gleich von Anfang an in die Funkchips der Endgeräte integriert, die ihrerseits kleiner, flacher und leichter wurden. Neben dem Raum­bedarf sank auch der Stromverbrauch markant.
Quelle: Computerworld 11/2019; Rüdiger Sellin

Das Thema Sicherheit

Heute ist es kaum mehr vorstellbar, doch um die Jahrtausendwende arbeiteten WLAN-APs noch völlig ungesichert. Die Endgeräte schickten nach dem Einschalten einfach eine einheitliche SSID aus, um sich bei einem WLAN anzumelden. Zwar konnte der Netzwerkadministrator die Zugangspunkte optional mit einem WEP-Schlüssel (Wired Equivalent Privacy) vor unerwünschten Zugriffen schützen. Tests bewiesen aber, dass nur erstaunlich wenige WEP Keys aktiviert waren. So war es bis etwa 2010 ein beliebter «Sport» von sogenannten «War Drivern», mit auf­geklapptem Notebook durch die Städte zu fahren, um ungesicherte Internetzugänge offenzulegen.
“Bisher wurden Verschlüsselungen mit 256 Bit nicht geknackt. AES 256 scheint somit wasserdicht zu sein„
Rüdiger Sellin
Mit der weiteren WLAN-Verbreitung verbesserte sich auch die Sicherheit. 2003 wurde von WEP auf Wi-Fi Protected Access (WPA) mit 128 Bit umgestellt, der zwar weiterhin auf dem RC4-Stromchiffre basiert, aber dynamische Schlüssel nutzt. In Unternehmen kommt Extensible Authentication Protocol (EAP) zum Einsatz, mit dem sich Teilnehmende gegenüber einem Server authentifizieren müssen. Im Heimbereich arbeitet WPA mit einem vorher festgelegten Schlüssel (PSK). Hersteller von Access Points und Wireless-Routern weisen jedem Gerät eine eindeutige SSID zu und sichern dadurch den Zugang ab Werk ab.
Ungesicherte WLANs sind heutzutage praktisch keine mehr vorhanden, da alle Netzbetreiber den WPA-Schlüssel im WLAN-Router zwingend aktiviert haben und den Kunden mit separater Post zur manuellen Eingabe am Endgerät zustellen. Heute ist zudem der WPA2-Schlüssel üblich, der nicht nur die vollständige IEEE-802.11i-Spezifikation umsetzt, sondern als Verschlüsselung auf Advanced Encryption Standard mit einer Schlüssellänge von 256 Bit (AES 256) setzt. Angeblich wurde AES 256 noch nie geknackt und scheint somit wasserdicht zu sein.


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