Hintergrund 15.09.2020, 12:44 Uhr

Wie Apple den Smartwatch-Markt beherrscht

Bei der Präsentation der Apple Watch wurde sie von manchen Beobachtern noch als Gimmick für Nerds belächelt. Sechs Jahre später hat sie mit ihren Fitness- und Gesundheitsfunktionen eine grosse Nutzer-Basis gewonnen. Die Konkurrenz tut sich bisher schwer.
(Quelle: Gian Prosdocimo / Unsplash)
Apple ist der wertvollste Technologie-Konzern der Welt, obwohl er mit seinen wichtigsten Produkten nie eine marktbeherrschende Stellung erreicht hat. Selbst das iPhone kommt im Weihnachtsgeschäft weltweit nicht gross über einen Marktanteil von 20 Prozent hinaus - um dann für den Rest des Jahres wieder auf Werte um 15 Prozent zurückzufallen. Samsung und Huawei verkaufen in der Regel jeweils mehr Smartphones als Apple. Und alle Hersteller von Android-Geräten zusammengerechnet, lassen die iOS-Plattform von Apple zahlenmässig weit hinter sich. 
Bei den Smartwatches sieht die Lage anders aus. Zwar verlief der Verkaufsstart der ersten Apple Watch im April 2015 nicht unbedingt so, wie der iPhone-Konzern sich das vorgestellt hatte. Der damalige Apple-Chefdesigner Jony Ive hatte noch davon geträumt, in das Segment der Luxusuhren vorzustossen. Die aberwitzig teure, goldene Apple Watch Edition, die umgerechnet rund 12'000 bis 20'000 Franken kostete, erwies sich aber als Ladenhüter. Die technisch identischen Versionen mit einem Aluminium- oder Edelstahl-Gehäuse waren hingegen weit billiger zu haben und lockten ein Millionen-Publikum. 

Etablierung am Massenmarkt 

Apple stand damals – wie so oft – nicht in der ersten Reihe, um die neue Produktsparte ins Leben zu rufen. Doch auch keinem der Wettbewerber war es bis zu diesem Zeitpunkt gelungen, eine Computeruhr im Massenmarkt zu etablieren. Manche Sportler trugen spezialisierte Smartwatches von Polar oder Fitness-Armbänder von Fitbit am Handgelenk. Und Google versuchte etwas halbherzig, mit Partnern wie Fossil oder dem Schweizer Luxusuhren-Hersteller Tag Heuer eine Variante des Betriebssystems Android, die inzwischen WearOS heisst, auf die Uhr zu bringen. Zum Durchbruch reichte es nicht. 
Im Wettlauf um die Vorherrschaft im Smartwatch-Markt kam Apple der Umstand zugute, dass viele Käufer ein iPhone oder andere Geräte von Apple besitzen. Sie lassen sich untereinander einfacher verknüpfen als Geräte von unterschiedlichen Herstellern aus dem Android-Lager. Dieser Vorteil schlug sich auch in der Apple-Bilanz nieder. 
Die Absatzzahlen der Apple Watch kommuniziert der Konzern zwar nicht, auch der Umsatz in Dollar wird in einer grösseren Sparte versteckt. Es gibt aber zuverlässige Schätzungen: Der als treffsicher geltende Analyst Neil Cybart von AboveAvalon hat im Vorfeld des anstehenden Apple Events berechnet, dass inzwischen 103,2 Millionen Geräte verkauft wurden. Im Weihnachtsquartal 2018 wurde demnach erstmals die Schwelle von zehn Millionen Stück überschritten, ein Jahr später lagen 13,8 Millionen Apple Watches unter dem Weihnachtsbaum. 



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