Forschung und Entwicklung 29.04.2020, 14:35 Uhr

ETH entwickelt Snappy, die schnelle Kryptowährung

Der Handel mit digitalen Währungen wie Bitcoin oder Ether hat sich etabliert. Dagegen ist das Bezahlen immer noch schwerfällig. Nun hat ETH-​Professor Srdjan Capkun mit seinem Team ein Bezahlsystem entwickelt, das Zahlungen sicher, schnell und praktisch macht.
Das Snappy-​Team mit Srdjan Capkun
(Quelle: Martin Rütsche/ETHZ)
Längst sind Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum oder Ripple nicht mehr nur ein Experimentierfeld für Systemkritiker. Sie haben sich als Anlagestrategie etabliert. Rund 5000 digitale Währungen gibt es heute. Von der populärsten, Bitcoin, sind heute über 18 Millionen Einheiten im Umlauf – das entspricht mehr als 126 Milliarden Euro. Ethereum, kurz Ether, ist die zweitgrösste digitale Währung mit einem Gesamtwert von rund 20 Milliarden Euro.

Zahlen statt warten

Allerdings ist der Zahlungsverkehr mit Kryptowährungen bisher noch sehr langsam und darum bei alltäglichen Dingen nicht praktikabel. So kann es bei Bitcoin eine ganze Stunde dauern, bis eine Zahlung genehmigt ist. Bei der Währung Ether, die von Beginn weg als vollwertiger Ersatz für konventionelles Geld entworfen wurde, geht es schneller: Drei Minuten wartet man auf eine Bestätigung der Zahlung.
«Das ist für viele Alltagskäufe zu lange», sagt Srdjan Capkun, Professor für Informationssicherheit an der ETH Zürich. «Beim Onlineshoppen oder für ihren Take-​Away-Kaffee möchten die Wenigsten drei Minuten auf die Bezahlung warten.»
Darum hat Capkun zusammen mit seinem Team ein System entwickelt, das den Zahlungsverkehr mit Ether beschleunigt. «Snappy», heisst die neue Entwicklung – weil das Bezahlen damit genau so schnell geht wie ein Fingerschnippen.

Warum sind Kryptowährungen so langsam?

Doch warum ist der Zahlungsverkehr mit digitalen Währungen bisher so schwerfällig? «Das liegt in der Natur der Blockchains, auf denen die Kryptowährungen basieren», erklärt Capkun. Bei einer Blockchain sind Informationen auf einem gemeinsam genutzten Datenregister gespeichert. Die Daten existieren nicht zentralisiert auf einem Server, sondern werden kontinuierlich auf Tausenden beteiligten Servern abgeglichen – ein riesiges Netzwerk rund um die Welt. Darum dauern Kommunikation und Bestätigung von Transaktionen eine Weile.
Dafür sind die Daten transparent und sicher: Weil die Informationen auf vielen Servern gleichzeitig gespeichert sind, sind sie für alle Mitglieder des Netzwerks sichtbar und lassen sich nicht von einer Partei manipulieren. In der Blockchain gelten für alle die gleichen, automatisierten Regeln, ohne Autoritäten wie Banken, Kreditkartenfirmen, Regierungen, denen man vertrauen muss.
Zwar gab es bisher schon Ansätze, den Zahlungsverkehr mit Kryptowährungen zu beschleunigen. Doch diese hoben den Zahlungsprozess dafür aus der Blockchain heraus. Sie synchronisierten einfach vorher und nachher mit dem Netzwerk – eine Vorgehensweise, die zwar funktioniert, aber den Ideen von Sicherheit, Transparenz und Autoritätsfreiheit von Blockchains zuwiderläuft. «Wir wollten einen Weg finden, dasselbe zu schaffen, ohne dafür die Blockchain zu verlassen», sagt Capkun.

Autor(in) Santina Russo, ETH-News


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