Trend 1988: das Jahr der Schossrechner

«Schweiz: weiter so!»

Den grössten Umsatz erwirtschafteten die Schweizer Händler 1988 mit Hardware aller Couleur. Allein für die Anschaffung von Klein-, Mittel- und Grossrechnern gaben die Unternehmen über 1,2 Milliarden Franken pro Jahr aus. Für PCs und Terminals nochmals über 700 Millionen, für Drucker allein 400 Millionen, für EDV-Zubehör weitere 450 Millionen Franken. Mit Wartungsdienstleistungen für die Hardware setzten die Schweizer Firmen zusätzlich 600 Millionen Franken um. Zum Vergleich: EDV-Dienstleistungen hatten ein Marktvolumen von 800 Millionen, Software «nur» 560 Millionen Franken. Mit diesen Eckdaten charakterisierte das Marktforschungsinstitut IDC im Mai 1988 den EDV-Markt Schweiz. IDC-Forschungsleiterin Ingrid Schubert lobte: «Schweiz: weiter so!»
Der Jahresumsatz 1987 der 40 grössten EDV-Firmen der Schweiz
(Quelle: Computerworld 32/1988, AWP)
Die Schweizer EDV-Einkäufer hörten auf Schubert. «Eigentlich können wir unsere Bermudashorts einpacken und auf den Bahamas bis zum Jahresanfang Ferien machen», sagte Compaq-Geschäftsführer Harald Stanzer Ende Oktober der Computerworld. Er hatte die budgetierten Umsatzzahlen bereits zwei Monate vor Jahresende erreicht. Für November und Dezember erwartete er nochmals einen «kräftigen Ruck», sprach aber auch schon von Lieferproblemen.
Ganz ähnlich tönte es auch aus anderen Marketingabteilungen: Diana Garcia von Hewlett-Packard sprach von einem überdurchschnittlichen Wachstum, das bei den Personal Computern bei weit über 50 Prozent lag. Der Apple-Importeur Industrade meldete sogar einen Umsatzzuwachs von 64 Prozent.

Volle Lager, volle Hallen

Der Schweizer Handel geriet ob des grossen Umsatzwachstums der Lieferanten allerdings zunehmend unter Druck. Computerworld berichtete: Das rasante Entwicklungstempo und die stückzahlabhängigen Preisnachlässe, die Hersteller und Importeure den Händlern gewähren, lassen nur allzu schnell die Lagerbestände bis zur Unverkäuflichkeit anschwellen. «Das Ankündigungswesen der Hersteller ist absurd. Es blockiert und verfälscht den Markt. Wenn ein neues Gerät angekündigt wird, kauft niemand mehr das ‹alte› Modell», konstatierte Thomas Stiefel, Inhaber des Portable Shop Zürich. Die Kritik liess die Lieferanten allerdings offenbar kalt. «Die Hersteller sind einzig an der Steigerung des Volumens interessiert», sagte André Siffert, Geschäftsführer der ASP Holding. Aufgrund der zugespitzten Situation würden ihm regelmässig Übernahmeangebote ins Haus flattern. Siffert lehnte alle Avancen ab. Er leitet noch heute ASP Informatik.
Zum offenen Schlagabtausch zwischen Herstellern und Händlern sollte es auch an der Messe «Swissdata» im September 1988 nicht kommen. Eine Schlacht wurde der Anlass trotzdem, denn das Rekordpublikum von über 56'000 Besuchern musste sich durch das Gewirr von 560 Ausstellern kämpfen. Die Veranstalter hatten die einzelnen Hallen zwar nach den Schwerpunkten Hardware, Software und Kommunikation aufteilen wollen. Diese Absicht schlug aber fehl, denn nicht die Geräte standen im Mittelpunkt, sondern überall die Applikationen. «Ich bin an verschiedenen Orten immer wieder denselben Programmen begegnet», liess sich der Software-Entwickler François Clerc aus dem Hause Hasler-Zeag nach seinem Messebesuch von Computerworld zitieren.
Für den Blick auf die Neuheiten hatte Clerc nur einmal Schlange stehen müssen: am Terminal des neuen elektronischen Besucher-Informationssystems. Laut Paul André Wenger vom Messekomitee sollte das System dem Besucher erlauben, «seine Messeroute nach Aussteller-, Marken- und Produktekriterien zu optimieren sowie zu organisieren». Soweit so löblich, befand Computerworld. Allerdings gab es keine Alternative. Denn die Organisatoren hatten es versäumt, noch zusätzlich ein Aussteller- und Produkteverzeichnis auf Papier herauszugeben. So blieben die Besucher bei der gezielten Informationssuche auf sich allein gestellt.


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