Innovationslabor Schweiz

Schlaue Systeme (nicht nur) für die SBB

Der Spezialist für Grafikprozessoren (GPUs), Nvidia, startet seit einigen Jahren auch in anderen Sparten durch. Im Business- und Forschungsumfeld gewinnt der Hersteller zunehmend Kunden, wie etwa das Swiss National Supercom­puting Center im Tessin, dessen Grossrechner Piz Daint von Nvidia- GPU-Beschleunigern angetrieben wird. Auch im wachsenden Geschäft mit der künstlichen Intelligenz ist das Unternehmen inzwischen eine feste Grösse. «Im Markt konzen­trieren wir uns auf Projekte aus dem Gesundheitswesen, der Pharmaindustrie, der Robotik und dem Finanzwesen. Wir sind überzeugt, dass diese Branchen in Zukunft den grössten Wandel durch künstliche Intelligenz erleben werden – und das sind alles Bereiche, in denen sowohl Nvidia als auch Schweizer Unternehmen eine hervorragende Erfolgsbilanz vorweisen können», erklärt Marc Stampfli, Sales Manager Switzerland bei Nvidia.
“KI wird in jede Branche Einzug halten„
Marc Stampfli, Nvidia
Von seinem erst kürzlich neu bezogenen Standort an der Europaallee in Zürich aus arbeitet das Unternehmen mit heimischen Kunden an neuen Lösungen, die vor einigen Jahren kaum möglich gewesen wären, wie Stampfli sagt. Die SBB etwa nutzen die Technik des Herstellers in ihrem KI-gestützten Supercomputer DGX-1, um den Schienenverkehr sicherer und pünktlicher zu gestalten. Ein komplexes Unterfangen: Die SBB betreiben ein mehr als 3000 Kilometer langes Schienennetz, das Hochgeschwindigkeitszüge und langsam fahrende Güterzüge kombiniert. Dazu benötigen sie rund 13 000 Weichen, um den gemischten Zugverkehr zu kontrollieren und täglich mehr als 1,2 Millionen Fahrgäste ans Ziel zu bringen. Mit dem Supercomputer erstellen die SBB einen sogenannten «Digital Twin» ihres Netzes. Diese Simulation wird durch geografische Informationen und Echtzeit-Zugdaten ergänzt, was es ermöglicht, Zugfahrpläne und Dispositionen virtuell zu testen und zu optimieren. Mithilfe von KI entwickeln die SBB auch auto­matische Bremssysteme für Lokomotiven, die sie derzeit in Simulationen erproben, wie Stampfli erklärt.
Letztlich werde KI kein Phänomen einer einzelnen Branche sein, sie werde Teil jeder Branche sein, zeigt sich Stampfli überzeugt. Deshalb sieht er es als Aufgabe seines Unternehmens, Kunden und Partnern zu helfen, «ihre Unternehmen mit einer effektiven KI-Strategie auszustatten, die ihren Erfolg beschleunigt. Der Markt wächst schnell und wir werden unsere Aktivitäten weiter nach Bedarf aus­weiten», sagt Stampfli. Ein weiterer Grund, weshalb sich Nvidia hierzulande engagiert, sei das beachtliche Expertenwissen. «Betrachtet man die Dichte der Unternehmen, die sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen und die Bevölkerung einbeziehen, so ist die Schweiz mit Abstand die Nummer eins. Wenn wir uns die Robotik ansehen – ein weiteres spannendes Feld für Nvidia –, dann ist die Schweiz ebenfalls Weltklasse.» Wie viele andere Anbieter von Hochtechnologie setzt auch Nvidia auf Partnerschaften mit Hochschulen. Das KI-Labor Instituto Dalle Molle di Studi sull’Intelligenza Artificiale (IDSIA) mit seinem wissenschaftlichen Leiter, der KI-Koryphäe Jürgen Schmidhuber, ist eines von fünf Mitgliedern des AI Labs Programms (NVAIL) des Herstellers, ein weltweites Netzwerk von Forschungspartnerschaften mit Universitäten und Forschungseinrichtungen, die auf dem Feld der KI führend sind. Als KI-Computing-Firma seien Ingenieure und Forscher die wichtigsten Mitarbeiter, macht Stampfli klar. Über die Kooperationen will das Unternehmen Talente unter anderem in den Bereichen Deep Learning und moderne KI an Bord holen.



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